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Antisemitismus entschlossen entgegentreten

Nachricht 05. März 2019

Vom ökumenischen Netzwerktreffen von Christen und Juden im Norden am 28. Februar in der libe-ralen Jüdischen Gemeinde Hameln ging ein Zeichen gegen Antisemitismus aus. Die Versammlung verabschiedete mehrheitlich eine Erklärung (siehe Seitenspalte).

Seit 2011 steht die neue Synagoge der jüdischen Gemeinde in Hameln an dem Ort, an dem ihre Vorgängerin 1938 in den Novemberpogromen zerstört wurde. Das rote, einladende Klinkergebäude ist ein schönes Zeichen für Leben und Engagement nach Zerstörungen und Vernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus. Im lichtdurchfluteten Saal traf sich nun das „Netzwerk von Christen und Juden im Norden“. Ursula Rudnick und Daniela Koeppler aus der Arbeitsstelle „Kirche und Judentum“ der hannoverschen Landeskirche hatten dazu eingeladen. Neben ihnen nahmen Lutz Krügener als Referent für Friedensarbeit der Landeskirche und Eckhard Gorka, Landessuperintendent des Sprengels Hildesheim-Göttingen, am Treffen teil. Von Seiten der liberalen jüdischen Gemeinde Hameln waren die Gemeindevorsitzende Rachel Dohme und Rabbinerin Ulrike Offenberg anwesend, darüber hinaus Marina Jalowaja, die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands jüdischer Gemeinden in Niedersachsen.

Von den rund 30 weiteren Teilnehmenden stammten einige aus anderen jüdischen Gemeinden, mit der katholischen und der evangelisch-reformierten, bzw. der Oldenburgischen Kirche waren auch weitere christliche Konfessionen und Landeskirchen vertreten.

Erklärung

Mitglieder des Netzwerkes Juden und Christen im Norden erklären:

Ein brutaler Akt von Antisemitismus ereignete sich vor kurzem im Haus der Weltreligionen, das in Steinbergen verwüstet wurde. Antisemitismus und Vandalismus gingen hier Hand in Hand. Antisemitismus nimmt vor allem in den sozialen Medien zu. Mitglieder jüdischer Gemeinden fühlen sich zunehmend verunsichert.

Alle Menschen in Niedersachsen sollen in der Gewissheit leben können, dass sie und ihre Religion nicht herabgesetzt, sie und ihre Kinder nicht bedroht oder beschimpft werden und ihr Eigentum nicht beschädigt wird.

Vor diesem Hintergrund halten wir Folgendes für notwendig:

  • Institutionalisierung von Bildungsarbeit, die Multiplikator*innen befähigt, Antisemitismus zu erkennen und bei antisemitischen Vorfällen angemessen zu intervenieren. Dies sollte in die Aus- und Fortbildung von kirchlichen und nicht-kirchlichen haupt- und ehrenamtlichen Multiplikator*innen aufgenommen werden.
  • die Berufung eines / einer Beauftragten für Antisemitismus in Niedersachsen, um Betroffene zu beraten und antisemitische Vorfälle  zu erheben.
  • eine klare Positionierung der Kirchen an der Seite der jüdischen Gemeinden und eine Zeichensetzung im Sinne der Solidarität mit ihnen.  Zeichen der Solidarität können unterschiedliche Formen haben.

Antisemitismus ist Gotteslästerung. Wir setzen uns engagiert dafür ein, dass Antisemitismus entschlossen und nachhaltig entgegenzutreten.

Es gilt die biblisch begründete Geschwisterlichkeit von Jüd*innen und Christ*innen auf vielfältige Weise zu leben.

Hameln, den 28. Februar 2019

V.i.S.d. P.
Dr. Ursula Rudnick
Beauftragte für Kirche und Judentum im Haus kirchlicher Dienste
Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Archivstr. 3

Zu den Unterzeichner*innen gehören: Rachel Dohme, Ulrike Offenberg, Marina Jalowaja, Katrin Grossmann, Simone Schard, Karin Haufler-Musiol, Judith Rohde, Hannelore Henningsen, Gudrun Nolte, Eckhard Gorka, Lutz Krügener, Ursula Rudnick, Frank Preusse, Volker Thamm und eine Reihe weiterer Personen