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Aufruf zu Wahl und Gleichstellung

Nachricht 18. März 2019

Wie wollen Frauen in der Europäischen Union (EU) leben? Unter dem Motto „Frauen für Europa – Europa für Frauen“ haben Frauen von 17 bis 84 Jahren am Donnerstag auf Einladung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers miteinander diskutiert. Referentin Waltraud Kämper hatte ins Haus kirchlicher Dienste in Hannover eingeladen.

Kämper gab zunächst einen Überblick über die Entwicklung der Gleichstellungspolitik in der EU seit ihrer Gründung bis heute. Lange habe sich die Europäische Union als Motor für Gleichstellung und Antidiskriminierung hervorgetan, sagte Kämper. Vor allem für Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmer habe die EU bedeutende Rechte vereinbart. Doch in den letzten zehn Jahren gehe diese klare Haltung zurück.

Entsprechende EU-Kommissionspapiere seien zwar noch zu finden, aber „bei genauem Lesen fällt auf, wie schwammig Ziele und Maßnahmen heute beschrieben sind.“ Kämper forderte deshalb eine konsequentere Umsetzung der Gleichstellungsprogramme und vor allem eine starke Beteiligung an den EU-Wahlen am 26. Mai. „Denn die Zusammensetzung des EU-Parlaments bestimmt, in welcher Richtung Beschlüsse gefasst werden.“

EU-Gleichstellungsindex allein für sich hat wenig Aussagewert

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KDA-Referentin Waltraud Kämper (von links) im Gespräch mit Huda El-Haj-Said, Cristina Marina und Dr. Koralia Sekler. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Im Gespräch mit Kämper beschrieben Dr. Koralia Sekler und Cristina Marina die aktuelle Lage in Polen und Rumänien. Die 2004 und 2007 in die EU aufgenommenen Länder lagen im Jahr 2017 laut „EU-Gleichstellungsindex“ auf den Plätzen 18 und 25 von insgesamt 28 Mitgliedstaaten. Zum Vergleich: Deutschland befand sich 2017 mit Platz 12 im Mittelfeld. In bestimmten Bereichen, wie „Frauen in Führungspositionen“ oder „Frauen in Teilzeit“ liegen beide Länder jedoch vor Deutschland und teilweise weit über dem EU-Durchschnitt. Die Beispiele machten deutlich, wie wichtig Information sei, um in der EU auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, sagte Kämper.

Mut zu Demokratie und Gleichberechtigung

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KDA-Referentin Waltraud Kämper (rechts) im Gespräch mit Huda El-Haj-Said vor Europa-interessierten Frauen. Foto: Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Die 17-jährige Nachwuchsautorin Huda El-Haj-Said slammte zwei eigene Texte, die unterschiedliche Lebenserfahrungen der Menschen in der EU thematisierten, und Mut machten, sich für Demokratie und Gleichberechtigung mit allen - auch mit Migrantinnen und Migranten - einzusetzen: „Wir sind mehr“. Musikerin Agnes Hapsari begleitete den Abend am Klavier. Mit dem „Gebet der Mütter“ („Prayer of the Mothers“), dem Lied einer interreligiösen Frauenbewegung für Frieden im Nahen Osten, erinnerte Hapsari das Publikum an die größte Errungenschaft der Europäischen Union - für Frauen wie für Männer - seit mehr als 70 Jahren: Frieden.