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Mit dem Vertrauen ernst machen

Nachricht 24. Juni 2019

"Heute ist alles anders" sagte die Katholikin Juliane S.. Der BVB-Fan (Dauerkarte) hat heute an ihrem Stadion keine Flaschensammler gesehen. "Die Kontrolleure und die Polizei waren so freundlich, das war schön" pflichtete ihr ihre Freundin Helga P., ebenfalls katholisch, bei. Die beiden sassen im Abschlussgottesdienst des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags zum Thema Vertrauen im Signal IdunaPark. "Wir in Dorchtmund sagen Westfalenstadion", bemerkt Juliane knapp.

Die beiden haben in den letzten Tagen 120 Jugendliche -unter anderem aus Peine - in der Schubert-Grundschule mit Frühstück versorgt. "Wir haben es gut getroffen, haben alle gesacht" stellte Helga zufrieden fest. Die beiden örtlichen Vorsitzenden der Katholischen Frauen Deutschland (KFD) sind ehrenamtliche Profis, organisieren sonst das Obdachlosenfrühstück in ihrer Gemeinden "Zur Heiligen Familie" in Dortmund-Brüninghausen. Sie spürten viel ökumenisches Vertrauen bei ihren jungen Gästen, wie jetzt vor dem Stadion bei den Ordnungskräften.

Über Vertrauen predigte die Hannoversche Pastorin Dr. Sandra Bils von der ökumenischen Bewegung Kirchehochzwei und Referentin im Haus kirchlicher Dienste. Der Hebräerbrief richte sich an eine Gemeinde, in der die Luft raus sei, so Bils. So auch heute: "Vertrautes stirbt: Die Volkskirche bröckelt". Im Hebräerbrief liest man: "Werft euer Vertrauen nicht weg". Gerade dann, wenn sie nicht selbstsicher sei und sie sich selbst nicht vertraue, brauche sie Gottes Vertrauen in sich, so Bils. "Wir brauchen Gott und einander". Wenn man mit dem Vertrauen ernst mache, der Unerschrockenheit aus Glauben, "dann sind wir frei". "Wenn wir Jesus glauben, 'was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan' dann ist Lebenretten kein Verbrechen, sondern Christenpflicht. Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt!" Langer Beifall. "Seid unerschrocken, zeigt gemeinsam euren Glaubensmut" rief sie den rund 50.000 Gottesdienst-Teilnehmern zu. Die Zeit der Christinnen und Christen sei in dieser Welt nicht vorbei, so Bils abschließend: "Wir werden gebraucht. Mehr denn je".

Vertrauenszeugnisse von mehreren Menschen schlossen sich an, von einem Bergsteiger etwa oder einer jungen Frau, die ihrer Mutter dankt, weil sie das Vertrauen wachsen ließ, "so dass ich hier und heute das Leben liebe". Symbolträchtig wurden Heliumballons zu einem Bündel zusammengebunden in der Mitte des "heiligen Rasens". "Jeder Ballon ist ein Gedanke, ein Versprechen, dass unser Vertrauen trägt" sagte die Präses der gastgebenden westfälischen Kirche Annette Kurschus. Eine Band und tausende Bläser spielten auf der Osttribüne. Der Gemeindegesang klang kräftig im geschlossenen Stadion. Bei den Liedern schwenkte auf der legendären Südtribüne (Stehplätze) ein Fan eine grosse schwarz-gelbe Fahne mit BVB-Logo - und dem Fischsymbol der Christen.

Die beiden Katholikinnen Helga und Juliane waren bisher bei allen ökumenischen Kirchentagen dabei und freuen sich auf den nächsten gemeinsamen in zwei Jahren in Frankfurt am Main.

Letzte Frage an die beiden Fussballfans: Geht es sonst friedlich zu mit den Gästen im "Westfalenstadion"? Helga: "Bei Schalke nicht unbedingt, aber sonst geht das immer".

Luisa rockt Kirchentag

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Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland im Gespräch mit Luisa Neubauer von Fridays for Future. Foto: BR / Johannes Reichhard

"Ihr seid das Team Hoffnung. Ihr seid die, die die Menschen im Herzen berühren", sagte Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Minutenlange Standing Ovations erntete die Hamburgerin für ihren Zwischenruf mit klaren Worten zum Klimaschutz beim Podium "Umwelt, Klima und Gerechtigkeit- heute handeln" am Donnerstag beim Kirchentag. Auch wenn ihr als Gesicht der deutschen Fridays-for-future-Bewegung hier Tausende Beifall spendeten, zeigte sie sich frustriert, dass nach einem halben Jahr wöchentlicher Demos politisch noch nichts Neues gegen den Klimawandel beschlossen wurde. Die Kirchen seien da wichtiger Partner, weil sie viele Menschen emotional erreichten.