Foto: HkD

Heimat entsteht, wenn Menschen sich begegnen

Nachricht 17. Juni 2019

Tag der Niedersachsen in Wilhelmshaven

"Die Kirchenmeile ist das Herz der Veranstaltung" sagt Veranstaltungsleiter Stefan Riepe aus Hannover. Tatsächlich liegen die 24 Pagoden rund um die Christus- und Garnisonskirche in der Mitte der verschiedenen Themen-Meilen beim 36. Tag der Niedersachsen vom 14. bis 16. Juni in Wilhelmshaven. Unter dem Motto "mehr Himmel auf Erden" geht es im "Heimathaven" der Kirchen und Religionsgemeinschaften weniger um Selbstdarstellung als darum, zu entspannen, im Trubel des grossen Festes zur Ruhe zu kommen und zu verweilen. "Wo dockst Du an?" fragt Chef-Organisator Pastor Frank Morgenstern und macht dies augenscheinlich, indem "seine" Christus- und Garnisonkirche mit einem grossen Tau an einem Poller symbolisch festgemacht ist. "Die Stärke der Kirchenmeile ist das unglaubliche Engagement der Ehrenamtlichen". 500 betreuen die Stände und Aktionen, singen auf der Radio-Jade-Bühne vor der Kirche in Chören mit, basteln mit Kindern, beraten und informieren die flanierenden Gäste des Festes. In ökumenischer Verbundenheit versorgen ehrenamtliche Helfer der Neuapostolischen Gemeinde in Wilhelmshaven die Kirchenmeilen-Leute mit selbstgebackenem Kuchen, Getränken und Heisswürstchen.

Über 1100 Menschen haben am Sonntagmorgen an der großen Bühne auf dem Valoisplatz in Wilhelmshaven einen ökumenischen Gottesdienst für Stadt und Region gefeiert. Die Kirchengemeinden der Stadt Wilhelmshaven und viele aus den anliegenden Regionen hatten dazu eingeladen. "Wo ist dein Heimathafen, der offen ist für viele, und wo bist du zu Hause?" hatte zum Auftakt die Heppenser Pastorin Meike von Fintel gefragt. Interviewpartner erzählten, wie sie in Wihelmshaven heimisch wurden. Für Kapitänleutnant Christian Gebhardt aus Magdeburg gehören - wie für viele - Freunde und Familie zur Heimat, für ihn aber auch die See. Zurzeit in Wilhelmshaven stationiert geht es für den Offizier demnächst nach London. Besonders schwer hat es der 33-jährige Arash Hosinpor aus dem Iran, der vor drei Jahren Familie und Freunde zurücklassen mußte und nun in der Christus- und Garnison-Kirchengemeinde etwas Heimat gefunden hat. "Das Leben ist kein Wunschkonzert - der Spruch hat mir irgendwie geholfen" berichtete er.

In der ökumenischen Dialogpredigt – gemeinsam gehalten von Bischof Thomas Adomeit von der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg und dem katholischen Weihbischof Wilfried Theising aus Vechta – legten die Geistlichen das Jesus-Gleichnis vom verlorenen Sohn aus: Der eine bleibt, der andere Sohn geht, verprasst das Erbe und der Vater empfängt ihn doch wieder überschwänglich.

Menschen bräuchten eine Heimat, denn Heimat bedeute Sicherheit, betonte Bischof Thomas Adomeit. Hier fühlten sich Menschen zu Hause, sicher und verstanden. „In der Heimat dürfen Menschen sein, wie sie sind.“ Laut Meinungsumfragen sei der Begriff Heimat in Deutschland positiv besetzt. Mehr als 90 Prozent der Menschen in Deutschland verbänden den Begriff Heimat mit ihren Beziehungen zu Familie und zu Freunden. Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Mobilität in unserer Gesellschaft, so Adomeit. Heimat bleibe aktuell.

Weihbischof Wilfried Theising erinnerte daran, dass in der Stadt Wilhelmshaven und ihrer Umgebung Werft- und Hafenarbeiter, Fischer und Angehörige der Marine, schließlich auch Vertriebene nach dem Krieg und jetzt Geflüchtete eine neue Zukunft gesucht haben.

Wo Menschen sich als Christinnen und Christen begegneten mit dem gemeinsamen Ziel, Gottes Willen in dieser Welt zu tun, könne mehr Himmel auf Erden werden, so Adomeit. Gottes Wort finde so bei den Menschen einen Heimathafen. Der oldenburgische Bischof rief dazu auf, auf andere Menschen zuzugehen, sich zu engagieren, statt sich zu ängstigen und zurückzuziehen. Dann entstehe eine neue Heimat – im Knüpfen von Kontakten und im Aufbauen von Beziehungen. Dies geschehe an vielen Orten in der Flüchtlingsarbeit oder auch in der Seemannsmission, wo es um die ersten Bedürfnisse von Gästen gehe. So könne „eine neue und gemeinsame Heimat sogar mit und für die Menschen entstehen, die ihre alte Heimat tatsächlich verloren haben“, so Bischof Adomeit.

Theising meinte: "Das Gleichnis vom gütigen Vater kann Hoffnung geben. Gott ist für mich da, immer. Er will Heimat für mich sein, egal, in welche Richtung ich mich begebe, vielleicht sogar verirrt habe." In Christus am Kreuz habe Gott die Arme weit für alle Menschen ausgebreitet.

Bei Lesungen und Gebeten wirkten Christen aus der altkatholischen, der freikirchlichen und der neuapostolischen Gemeinde Wilhelmshaven mit. Kantor Ralf Grössler aus Wildeshausen mit seinem Chor Joyful Voices und der Auswahlchor des Posaunenwerkes der oldenburgischen Kirche sorgten für die Musik, die mit viel Beifall bedacht wurde.