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Evangelischer Buchpreis an Nora Krug verliehen

Nachricht 07. Juni 2019

Illustratorin Nora Krug wurde am 5. Juni mit dem Evangelischen Buchpreis 2019 für ihr Buch „Heimat“ in der Neustädter Hof- und Stadtkirche von Landesbischof Ralf Meister, dem Vorsitzenden des Evangelischen Literaturportals ausgezeichnet. Die Autorin, die in New York lebt und an der "Parsons School of Design" als Professorin für Illustration unterrichtet, nahm an der Preisverleihung aus der Ferne teil. Sie wurde per Videokonferenz in die Kirche zugeschaltet. Die Laudatorin Katja Thimm, Kölner Journalistin und Preisträgerin 2012, sei von dem preisgekrönten Buch so begeistert gewesen, dass sie es zu Weihnachten gleich zehnmal verschenkt hatte: „Die jüngste Beschenkte war 25, der älteste 83 Jahre alt. Alle fanden sofort einen Zugang.“

In dem knapp 300-seitigen Buch beschäftigt sich Nora Krug, die aus Karlsruhe stammt, mit ihrer Familiengeschichte in der NS-Zeit und der Suche nach der eigenen Identität. Sie begibt sich auf die Spurensuche: trifft sich mit Zeitzeugen, sucht nach Gegenständen aus den 30er Jahren auf Flohmärkten und Dachböden, recherchiert in Archiven. Das Ergebnis ist eine moderne Collage – ein Buch, das zwischen längeren Texten, handschriftlichen Notizen, zeitgenössischen Fotos, Dokumenten und Illustrationen der Autorin wechselt und so den Leser in das Geschehen einbezieht.

Nach eigener Aussage hat Nora Krug nach einem persönlichen, unmittelbaren, physischen Zugang zu der Vergangenheit gesucht. Statt eine kollektive Geschichte zu erzählen versuchte sie den Krieg aus einer persönlichen Perspektive zu begreifen und den Begriff Schuld für sich durch den Begriff Verantwortung zu ersetzen. "Nora Krug betreibt eine ergebnisoffene, neugierige Suche. Sie will nicht anschwärzen, nicht reinwaschen, sondern die Wahrheit erfahren,“ sagte der Jury-Vorsitzende Christopher Krieghoff. Gerade diese Offenheit erzeuge einen wahren Sog beim Leser.

Gut geeignet für die Gemeindearbeit

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Das Buch „Heimat – Ein deutsches Familienalbum“ von Nora Krug wurde mit dem Evangelischen Buchpreis 2019 ausgezeichnet. Foto: Anna Findert/HkD

„Ich habe das Buch mehrmals gelesen und jedes Mal etwas Neues für mich entdeckt,“ sagte Marion Wiemann, Referentin für Büchereiarbeit im Haus kirchlicher Dienste und Mitorganisatorin der Preisverleihung. Das Buch lädt dazu ein, über die eigene Familiengeschichte nachzudenken und sei sehr gut für die Gemeindearbeit verwendbar, da es alle Generationen anspricht. Wiemann hat eine Arbeitshilfe zu dem Buch ausgearbeitet, mit Vorschlägen für den Gottesdienst, ein Erzählcafé für ältere Menschen und für die Jugendarbeit.

Der Preis des Evangelischen Literaturportals

Der Preis des Evangelischen Literaturportals, des Dachverbandes der evangelischen öffentlichen Büchereien, ist mit 5000 Euro dotiert und wird seit 1979 jährlich verliehen. Erstmalig in 2019 hat das Evangelische Literaturportal eine "Graphic Memoire" ausgezeichnet.