Foto: HkD

Abschied vom „Tagungshaus mit Herz“

Nachricht 17. Januar 2019

Pastor Wolfhardt Knigge beendet Mitte Februar seine Arbeit als Leiter des Missionarischen Zentrums Hanstedt (MZ) und als Referent der Missionarischen Dienste im Haus kirchlicher Dienste (HkD) in Hannover.

Zweimal führte sein Lebensweg den Theologen nach Hanstedt. Zunächst war Knigge in den Jahren von 1990 bis 1997 als Theologischer Referent des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen (ELM) im Missionarischen Zentrum tätig. Seit August 2007 leitete er das Missionarische Zentrum und war Pastor der St.-Georgs-Gemeinde Hanstedt. Insgesamt war er so fast 20 Jahre mit dem MZ verbunden.

„Das Besondere an Hanstedt ist die Hausgemeinde. Sie unterscheidet uns von anderen christlichen Tagungshäusern“, erzählt Knigge. „Neun junge Leute verbringen nach der Schule ein Jahr als Freiwilligendienstleistende bei uns.“ Die jungen Menschen arbeiten im Tagungshaus mit und lernen, was es bedeutet Essen für 90 Gäste zu planen, Zimmer einladend und sauber für die Gäste vorzubereiten, einen Spieleabend mit Konfirmanden zu gestalten und sich als verlässliche Ansprechperson für Gästegruppen einzubringen.

Die Begleitung jugendlicher Menschen als schönste Aufgabe

Sie leiten auch die täglich stattfindenden Andachten. „Da kann es vorkommen, dass ein 18-Jähriger in der Andacht am Freitagabend eine Auslegung vor 90 Tagungsgästen macht“, erzählt der Pastor beeindruckt. „Es gehört für mich zu den schönsten Aufgaben, die Jugendlichen anzuleiten, zu begleiten und zu schulen. ‚Ich bin als Jugendliche ins MZ gekommen und gehe als Erwachsene‘, hat eine der jungen Freiwilligen es einmal auf den Punkt gebracht.“ Von den 90 jungen Menschen, die in den letzten zehn Jahren in der Hausgemeinde waren, haben 35 eine Ausbildung zu einem theologischen Beruf ergriffen, um entweder Diakon oder Pastorin zu werden.

Die Hausgemeinde ist Teil der größeren Hausgemeinschaft, zu der auch die Tagungshausleitung, die Hauswirtschaft, die Sekretärin, der Geschäftsführer und die Theologischen Referenten gehören. „Das Miteinander aller ist wichtig hier in Hanstedt“, beschreibt der Pastor die Leitlinien des Hauses, das sich als „Tagungshaus mit Herz“ versteht.

"Gott im Wald" in Hanstedt erleben

Kirchenvorstände, Konfirmandengruppen, Chöre bringen häufig ihr eigenes Programm mit. Im MZ können sie aber auch Vorträge oder Seminareinheiten durch die Theologischen Referenten gestalten lassen. „Wir probieren hier auch ungewohnte Wege aus, um Menschen mit Glaubensthemen anzusprechen“, erzählt Knigge. „Ich habe zum Beispiel im letzten Jahr ein Seminar unter dem Titel ‚Gott im Wald‘ zusammen mit einem Förster angeboten. Das stieß auf großes Interesse – vor allem bei Leuten, die sich mit traditionellen kirchlichen Angeboten schwer tun.“

In Zusammenarbeit mit der Region West des Kirchenkreises Uelzen fand im MZ in den letzten drei Jahren ein Regionaler Kirchentag statt. „Gemeinden müssen sich in Zukunft viel stärker in echter Zusammenarbeit einüben. Beim Regionalen Kirchentag erleben sie, dass es eine Bereicherung und eine geistliche Kraftquelle sein kann, im Miteinander etwas zu gestalten“, so Knigge.

Das Missionarische Zentrum ist ein Arbeitsfeld im Fachbereich „Mission. Tourismus. Geistliches Leben“ des HkD. „Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit den Kollegen war immer eine große Bereicherung“, sagt Knigge rückblickend.

Nochmal etwas ganz Neues machen

1998 ging Knigge mit seiner Familie nach Kapstadt in Südafrika, wo er mehr als neun Jahre als Kreisjugendpastor und Seelsorger zweier Gemeinden in der Evangelical Lutheran Church in Southern Africa (ELCSA) arbeitete. „Rückblickend war die Zeit in Südafrika eine sehr gute Vorbereitung auf die Vielfalt in der Gesellschaft, die wir heute in Deutschland erleben“, resümiert der Pastor. „Meine Pastorenkollegen waren schwarze und farbige Südafrikaner, Zulu, Tswana, Xhosa, einer kam aus Schweden, einer aus den USA, Menschen mit sehr unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Lebenshintergründen. Entsprechend unterschiedlich waren die Entdeckungen und das Verständnis mancher biblischen Geschichten. Ich habe das persönlich als große Bereicherung erlebt und versucht, die Erfahrungen auch in die Arbeit hier in Deutschland einzubringen! Sowohl in Hanstedt, als auch im Fachbereich ‚Mission. Tourismus. Geistliches Leben‘ im HkD.“

Theologie studierte Knigge am Missionsseminar in Hermannsburg. Sein zweijähriges Vikariat verbrachte er in Niederweimar bei Marburg und in Hastings / Nebraska in den USA.

Zum 15. Februar wechselt Knigge nun in die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Artlenburg an der Elbe. „Ich wollte für die letzten zehn Dienstjahre noch einmal etwas Neues machen, das gar nichts mit Hanstedt zu tun hat“, sagt der 57-Jährige.

Knigge ist begeisterter Fotograf, geht gern ins Kino und liest Thriller. Mit seiner Frau, einer Physiotherapeutin, unternimmt er gern Städtereisen. Das Ehepaar hat drei erwachsene Kinder und eine Enkelin.

Die Verabschiedung von Pastor Wolfhardt Knigge wird am Sonntag, 27. Januar mit einem Gottesdienst um 16 Uhr in der St.-Georgs-Kirche in Hanstedt mit anschließendem Empfang gefeiert.

Text: Susanne Ruge / HkD