Foto: HkD

Sich am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen

Nachricht 12. August 2019

Pastorin Nicole Beckmann wird zum 1. September die Leitung des Referats Wirtschaft-Arbeit-Soziales im Dezernat Bildung in der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck übernehmen. Seit dem 1. Juni 2017 war sie Referentin für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt im Haus kirchlicher Dienste (HkD) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Dort war sie vor allem zuständig für die Wirtschaftsregion Osnabrück, die neben dem Raum Osnabrück auch die Grafschaft Bentheim und das Emsland umfasst.

„Die Menschen erwarten von uns als Kirche, dass wir einen anderen Beitrag zu den technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zukunft leisten“, sagt die Theologin. „Sie wollen von uns neben fachlich klar begründeten Positionen insbesondere Hilfe, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Also müssen wir ihnen Wissen vermitteln, um sie dazu zu befähigen.“ Kirche müsse auch darauf hinweisen, dass gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen nötig sind, damit Technologien wie die künstliche Intelligenz das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft befördern und nicht behindern.

„Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was geht und was nicht geht! Dafür müssen wir dort hingehen, wo diese Debatten stattfinden und uns am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen“, so Beckmann. Sie pflegte daher den Kontakt zu Interessengruppen wie etwa die „Osnabrücker Sozialkonferenz“ und Gewerkschaften, ebenso zu Forschungsinstituten wie dem Deutschen Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz (DFKI)  oder Instituten der Hochschule in Osnabrück. Mit dem DFKI organisierte sie beispielsweise eine Veranstaltung für Berufsschullehrer zusammen mit Landessuperintendentin Birgit Klostermeier zum Thema Künstliche Intelligenz.

„Noch hat die Kirche einen großen Rückhalt in der Gesellschaft“, betont die Theologin. So sei es möglich gewesen, den Mitarbeitenden einer großen Firma Seelsorgegespräche anzubieten, als diese plante, ihre Produktionsstätten in ein anderes Bundesland zu verlegen. „Das ging, da wir und die Pastorinnen und Pastoren der Region mit dem Betriebsrat zusammengearbeitet haben. Aber vor allem wurde uns von allen Seiten Vertrauen entgegen gebracht!“

Beckmann ist es wichtig, zu hören, was die Menschen in den Gemeinden und Betrieben zu sagen haben. Deshalb hielt sie viele Vorträge in Kirchengemeinden und Kirchenkreiskonferenzen, etwa zu Themen wie „Rente und Generationengerechtigkeit“, „Wahrheit, Fake News und Wahrhaftigkeit“ und vor allem zu Fragen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz. „Durch die Rückfragen nach einem Vortrag erfahre ich immer Neues aus den Lebensbereichen der Menschen“, so Beckmann.

Beckmann schätzte die Zusammenarbeit mit den anderen kirchlichen Einrichtungen in Osnabrück und im HkD. Sie arbeitete eng mit der Sprengel-Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und der Landessuperintendentin zusammen, aber auch mit dem Landesjugendpfarramt. Mit der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) und dem Frauenwerk organisierte sie in diesem Jahr eine Tagung zum Thema „Um-Care zum Leben. Ein Beitrag zum ethischen Diskurs über Nachhaltigkeit“, bei der es um die Zukunft der Pflege in Deutschland ging. „Die Arbeit in der Pflege ist ein zutiefst menschliches Arbeiten, deshalb sollten Pflegekräfte entsprechend bezahlt werden“, so Beckmann „Gleichzeitig muss aber auch gewährleistet werden, dass diese Pflege von den Betroffenen bezahlt werden kann.“

Beitrag der Kirche für den arbeitenden Menschen unverzichtbar.

Die Kirche habe durch ihr Menschenbild etwas beizutragen. Der Mensch werde immer stärker mechanistisch gesehen, er solle tadellos funktionieren. Menschen mit Einschränkungen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, werde immer schwieriger. Gleichzeitig hat jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens mit psychischen Erkrankungen zu tun. „Der liebe Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade, sagt das Sprichwort. Doch wie geht die Gesellschaft mit krummen Linien im Lebenslauf von Menschen um?“, fragte die Theologin. „Die biblischen Wundergeschichten erzählen davon, dass Menschen begrenzt sind und auch nach ihrer Heilung die Erfahrungen der Krankheit mitnehmen.“

Beckmann ist auch auf Bundesebene im Evangelischen Verband „Kirche Wirtschaft Arbeitswelt“ (KWA) engagiert. Sie ist Vorsitzende des Bundesausschusses „Wirtschaft und Technik“. Als Mitglied des Ausschusses „Führung und Verantwortung“ gab sie das Buch „7 x 7 - Morgenbriefing für Führungskräfte“ mit kurzen Texten zu 49 Kernbegriffen des Führungsalltags heraus.

„Bisher war ich sehr stark operativ tätig, in Kassel werde ich als Leitung eines Fachdienstes stärker strategisch gefragt sein“, sagt Beckmann. Die Aufgaben in ihrem neuen Arbeitsfeld werden auch vielfältiger sein, da sie auch für den Kontakt zum Handwerk und zur Landwirtschaft zuständig sein wird. „Das geht dann von Themen wie der Öffnung von Geschäften am Sonntag über die ethische Beurteilung einer Düngemittelverordnung bis zu Fragen der Digitalisierung in Handwerksbetrieben“, so die Theologin. „Ich freue mich darauf, dass, genau wie in Osnabrück, das Arbeiten sehr ökumenisch sein wird.“

Beckmann studierte Theologie und Wirtschaftswissenschaften. Nach der Ordination und mehreren Jahren im Gemeindepfarramt war sie bis 2017 Inhaberin einer Unternehmensberatung für soziale Dienstleister. Sie ist bei mehreren Zertifizierungsgesellschaften als Qualitätsauditorin für das Sozial- und Gesundheitswesen akkreditiert.

Die Verabschiedung von Pastorin Nicole Beckmann wird am Montag, 26. August um 17 Uhr in der in der St.-Marienkirche, Markt, Osnabrück mit Gottesdienst und kleinem Empfang im Anschluss gefeiert.