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Notwendige Erinnerungsarbeit

Nachricht 19. August 2019

Der Verein Begegnung – Christen und Juden. Niedersachsen hat die Sprecherin des Burgdorfer Arbeitskreises Gedenkweg 9. November, Dr. Judith Rohde, mit dem Blickwechselpreis 2019 für langjähriges und innovatives Engagement im christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet. Der Preis wurde verliehen im Rahmen des Sommerfestes des Vereins am Sonntag, 18. August, in der hannoverschen St.-Petri-Gemeinde am Dörriesplatz.

„Mit der Auszeichnung würdigen wir den dauerhaften, vielfältigen und nachhaltigen Einsatz Dr. Judith Rohdes im christlich-jüdischen Gespräch“, begründet die Vorsitzende des Vereins BCJ, Pastorin i.R. Karin Haufler-Musiol, die Wahl der diesjährigen Preisträgerin.

„Der Judenhass ist mitten unter uns, ein heimisches Gift. Deshalb muss es auch vor Ort bekämpft werden. Judith Rohde und die ganze Initiative Gedenkweg 9. November haben das verstanden“, sagte die Laudatorin, Landessuperintendentin Petra Bahr. „Wer Antisemitismus bekämpfen will, muss in der Nachbarschaft beginnen, im Gespräch mit Kindern und Enkeln, muss Zivilcourage zeigen und vehement widersprechen, wenn wieder einmal antisemitische Kommentare über den Tisch fliegen.“

Rohde versteht die Ehrung, wie sie in ihrer Dankesrede sagte, „stellvertretend und gemeinsam mit dem Arbeitskreis Gedenkweg 9. November.“ Sie erinnerte an die Arbeitskreis-Gründer Gertrud Mrowka und Rudolf Bembenneck. Der inzwischen verstorbene Pastor Bembenneck hatte Anfang der neunziger Jahre mit anderen den Prozess angestoßen, der 2013 zur Neubestimmung des Verhältnisses zum Judentum in der Verfassung der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers führte.

Die gebürtige Südschwarzwälderin und heutige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover Dr. Judith Rohde ist seit dem Jahr 2010 Sprecherin des Burgdorfer Arbeitskreises Gedenkweg 9. November und hat in dieser Funktion zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen mitgestaltet, Referate gehalten oder sich im Rahmen von Erwachsenenbildung für eine breitere und tiefere Kenntnis jüdischer Religion eingesetzt. Zuletzt machte Rohde durch die Verschriftlichung von Rechercheergebnissen des Rudolf Bembennecks die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Burgdorf einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

„Die Stadt Burgdorf freut sich über die Verleihung des Blickwechselpreises an Judith Rohde. Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft: wir danken Judith Rohde für Ihr wichtiges Engagement in und für die Stadt Burgdorf!“, würdigte Burgdorfs stellvertretender Bürgermeister Matthias Paul die Preisträgerin.

Im Arbeitskreis Gedenkweg 9. November engagieren sich Menschen aus drei Burgdorfer evangelischen Kirchengemeinden, der katholischen Gemeinde sowie dem Kulturverein Scena, um die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Burgdorfs wachzuhalten und Kenntnisse über das historische und heutige Judentum zu vermitteln.

Mit der Auszeichnung wird Rohde ein künstlerisch gestalteter Granatapfel überreicht – ein Symbol dafür, wie eine Frucht viele neue Früchte hervorbringen kann. Dazu erhält Rohde als erste der mit dem Preis ausgezeichneten Personen einen vergoldeten Granatapfel als Anstecker.

Frühere Träger/innen des Blickwechselpreises sind Udo Groenewold, Ingrid Willing, Arnulf Baumann, Hans-Georg Spangenberger, Hans-Joachim Schreiber, Rabbiner Dr. Gábor Lengyel, Elke von Meding, Bärbel Zimmer und Rachel Dohme. Die Verleihung steht unter der Schirmherrschaft des Landesbischofs der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Ralf Meister.