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„Am Anfang war das Feuer“ - Stiftungstag der Landeskirche 2019

Nachricht 08. April 2019

Unter dem Motto „Stiftungen schreiben Geschichte“ kamen am 23. März über hundert ehrenamtliche Stiftungsvorstände von kirchlichen Stiftungen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers in der Neustädter Hof- und Stadtkirche Hannover zusammen. Zu Beginn des Tages schlug Dr. Udo Marquardt, Berater bei der GFS Fundraising Solutions GmbH in Bad Honnef einen großen Bogen von der Urzeit bis heute. Er diskutierte anschließend mit dem Geistlichen Vizepräsidenten Arend de Vries und den Stiftungsaktiven über die Bedeutung des Storytellings für die Stitungen. Die Workshops am Vor- und Nachmittag griffen das Tagesmotto der Veranstaltung auf und vertieften das Thema. Am späten Nachmittag kamen die Teilnehmenden wieder zusammen und hörten drei „kurze Geschichten“, vorgetragen von Stiftungsvertreterinnen und -vertretern aus Hohenhameln, Hattorf und Bad Fallingbostel.

Von den Helden lernen

„Geschichten verschaffen uns einen evolutionären Vorteil. Wenn du einen Säbelzahntiger siehst: lauf!“, sagte Marquardt. Anhand des Spielfilmes „Am Anfang war das Feuer“ stellte er das Prinzip der Heldenreise vor, wie sie 1949 vom US-amerikanischen Mythologen Joseph Campbell in seinem Buch „The hero with a thousand faces“ beschrieben wurde. Ein noch unentdeckter Held lebt in seiner kleinen, gewohnten Welt, als der Ruf des Abenteuers ihn ereilt. Zunächst verweigert er sich der Aufgabe, denn sie ist mit Gefahr und Aufbruch verbunden. Doch nach einer Begegnung mit einem Mentor macht er sich auf den Weg und überschreitet eine erste Schwelle. Danach gibt es kein Zurück. Der Held muss zahlreiche Bewährungsproben überstehen, findet Verbündete und Feinde, dringt in tiefe Abgründe vor, bis er zuletzt vor einer entscheidenden Prüfung steht. Im Idealfall folgen dann Belohnung und Rückkehr in die vertraute friedliche Heimat.

Stiftungsgeschichten schreiben

Für die Gewinnung von Unterstützerinnen und Unterstützern riet Marquardt, eigene Anliegen über solche Geschichten zu erzählen. Stiftungen haben viel zu berichten: Von ihren Stifterinnen und Stiftern, aus ihren Projekten, von Menschen, denen es durch ihre Arbeit besser geht, von Gebäuden, die sie erhalten und die für zahlreiche Menschen einen hohen emotionalen Wert haben.

Eine Kirche ist nicht bloß ein Gebäude aus Stein, sondern ein Ort, an dem man getauft oder konfirmiert wurde, der Ort der kirchlichen Trauung oder auch des Abschieds von einem geliebten Menschen. Auch die Orgel und die Glocke in der Kirche können eine hohe emotionale Bedeutung haben, wenn persönliche Erinnerungen damit verbunden sind.

Täuschen nicht erlaubt!

Allerdings lässt sich das Konzept der Heldenreise nur zu einem Teil auf Geschichten aus Stiftungen und Projekten übertragen, da es fiktional angewendet wird. In diesem Zusammenhang verwies Marquardt auf die Grundregeln für eine gute, ethische Fundraisingpraxis des Deutschen Fundraising Verbandes , zu denen sich auch die Landeskirche Hannovers selbstverpflichtet hat. Die Regel 5 „Integrität“ besagt: „Wir üben unsere Tätigkeit integer, wahrhaftig und ehrlich aus.“ Täuschen, etwa in dem man sinnverändernd bearbeitete, gestellte oder fremde Bilder zeigt oder Projekte an Orten bewirbt, an denen diese gar nicht realisiert werden, ist unlauter. Auch eine falsche Gewichtung der Projektarbeit, etwa weil bestimmte Bereiche, Themen und Aspekte sich besser ‚verkaufen‘ lassen widersprechen der ethischen Selbstverpflichtung. Daher kann die Heldenreise als Folie dienen, als Hilfe, jedoch nicht als Vorlage für das Fundraising. Fakten lassen sich nicht ändern.

Geschichten hören steckt an

Nach dem Vortrag sprach Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident im Landeskirchenamt mit dem Referenten Marquardt und forderte anschließend das Publikum auf, einer Nachbarin, einem Nachbarn, den man nicht kenne, eine Geschichte zu erzählen. Dafür gab es vier Minuten Zeit. Plötzlich wurde es laut in der Kirche, aus vier Minuten wurden acht und de Vries musste den Gesprächsfluss mit der Mikrofon-Unterstützung stoppen. Geschichten hören steckt an. Das Thema hat einen Nerv bei den Stiftungsaktiven getroffen, so dass der Evangelische FundraisingService dieses Thema weiter verfolgen wird.

Text: Martin Käthler, Referent Stiftungsberatung im Arbeitsfeld Evangelischer FundraisingService, Haus kirchlicher Dienste

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