Foto: HkD

Unglaublich wichtige Gedanken

Nachricht 20. September 2018

Landessuperintendent Dieter Rathing, bereist derzeit in Begleitung von Pastor Peer-Detlev Schladebusch vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt den Sprengel Lüneburg. Sein Thema: Genossenschaften. Anlass ist der 200. Geburtstag von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen in diesem Jahr. Der christliche Sozialreformer gilt als ein Gründer der genossenschaftlichen Bewegung. Rathing stellt sich die Frage, was aus Raiffeisens genossenschaftlichen Gedanken geworden ist, wo seine Ideen heute fortleben und ob sie womöglich ein Zukunftsmodell darstellen können?

Am 17. September besuchte der Landessuperintendent die Wohnungsbaugenossenschaft „Celler Bau- und Sparverein (CBS)“. Als Beispiel für ein genossenschaftliches Celler Wohngebiet präsentierte die CBS ein Projekt in der Hattendorffstraße, in welcher sie große Teile der Gebäude modernisiert hat und diese verwaltet. Für Rathing stellte sich im Gespräch mit Frank-Hartmut Kurfürst, Vorstandsvorsitzender der CBS, und Geschäftsführer Fritz Stünkel die Frage, inwiefern die Genossenschaften in Zukunft Ansprüche und Werte jüngerer Generationen in die Grundidee Raiffeisens einfließen lassen können.

Schladebusch erklärt die Bedeutung Friedrich-Wilhelm Raiffeisens: „Dieser Mann aus einfachen Verhältnissen hat aus seiner evangelischen Überzeugung wesentlich den Gedanken des fairen und sozialen Wirtschaftens jenseits der Metropolen realisiert.“ Mit der Gründung des „Vereins für Selbstbeschaffung von Brod und Früchten“ im Hungerwinter 1846/1847 in Weyerbusch im Westerwald habe Raiffeisen die urchristliche Idee „Einer für alle – alle für einen“ in die Wirtschaftswelt übersetzt. „Die Idee der Selbsthilfe, der Selbstverantwortung und der Selbstverwaltung in Genossenschaften war geboren“, so der Pastor für Wirtschaft und Soziales.

Raiffeisen sei wichtig gewesen, Genossenschaften immer in einer Gemeinde anzusiedeln, da die Beziehung zwischen den Menschen essentiell sei. Diese Meinung vertritt auch Rathing: „Allein die Menschen füllen die Wohngemeinschaften mit Leben“. Damit die Genossenschaften in Zukunft Bestand haben, müsse in erster Linie der Wechsel der Generationen in den Wohngemeinschaften in den Blick genommen werden. „Die Grundidee der Genossenschaft nach Raiffeisen muss die Werte und Ansprüche neuerer Generationen aufnehmen, ohne seinen Geist zu verlieren“, betont Schladebusch und spricht sich für eine Erneuerung des Gedankens aus. Wohnprojekte wie „Kunst und Kultur im Quartier“, „Wohnen mit Kind“, die „Wohngruppe Celler Wo-Ge“ und viele weitere Projekte müssten erhalten und weiter ausgebaut werden.

„Die Celler Wo-Ge hat eine neue Denkweise in die Hattendorffstraße gebracht. Die Mieter haben den Gedanken der Genossenschaft sofort verstanden und wesentlich zum neuen Ansehen des Stadtteils beigetragen“, so Stünkel. Insgesamt habe CBS rund zehneinhalb Millionen Euro in die Hattendorffstraße investiert, die ungefähr ein Viertel des Wohnbestandes der Genossenschaft ausmache.

Trotzdem sei der Gedanke „Einer für alle – alle für einen“ in den letzten 30 Jahren verloren gegangen. Ebenso sei die Nachfrage nach Weiterführung des genossenschaftlichen Gedankens durch die Bewohner selbst nicht vorhanden, sagt Kurfürst. Dennoch ist sich der Landessuperintendent sicher: „Wir müssen Raiffeisens Gedanken wieder verstärkt aufnehmen – er wird in Zukunft unglaublich wichtig sein“.

Text: Celle heute