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Kirche und Landwirtschaft diskutieren über strittige Themen

Nachricht 10. September 2018

Um Verständnis und Missverständnis zwischen Landwirten und Kirche ging es bei einem Treffen mit 50 Teilnehmenden auf dem Hartmannshof der Rotenburger Werke der Inneren Mission. Eingeladen zur jährlichen Zusammenkunft von Vertretern aus Landwirtschaft und Kirche hatte Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy. 

„Lassen Sie uns ehrlich und offen diskutieren, wo es  in der Verständigung hakt“, ermunterte der Regionalbischof in seiner Eröffnung. Schnell wurde  deutlich, dass sich manche Landwirte von der Gesellschaft zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen, wenn es um die Ursachen von Klimawandel und Insektensterben geht.

„Die Gründe sind aber vielfältig, vor allem das Konsumverhalten der gesamten Gesellschaft ist dafür verantwortlich“, machte Jörn Ehlers (Kirchlinteln), Vizepräsident des niedersächsischen Landvolkes, deutlich. Dumping-Preise für Lebensmittel, der gestiegene Flugverkehr, aber auch Gärten ohne Blumen seien mitverantwortlich. Es gehe daher um besser oder schlechter, nicht um richtig oder falsch. „Unter guten Freunden, und das sind Landwirtschaft und Kirche, muss es aber auch möglich sein,  kritische Themen anzusprechen“. So votierte er dafür, dass Kirche nicht bei der Verpachtung von Boden Einfluss nehme auf bestimmte Wirtschaftsformen der Landwirtschaft.

„In der evangelischen Kirche ist jeder Kirchenvorstand frei in seiner Entscheidung, mit welchen Prioritäten er sein Land verpachtet“, stellte Pastorin Ricarda Rabe aus Hannover, Referentin für den kirchlichen Dienst auf dem Lande im Haus kirchlicher Dienste klar. „Es gibt in unserer Landeskirche da ein breites Spektrum an Meinungen.“ Es gebe aber eine breite Vertrauensbasis zwischen Landwirtschaft und Kirche, auf der unterschiedliche Meinungen auch ausgehalten werden müssten.

Für Bioland e.V. Niedersachsen und Bremen erklärte Geschäftsführer Harald Gabriel (Visselhövede), ökologische Landwirtschaft sei keine Nische mehr. „Wir beraten jedes Jahr mehr Landwirte in der Umstellung auf biologischen Anbau und haben in diesem Jahr ein Wachstum von mehr als 10 Prozent zu verzeichnen.“  Die gemeinsame Aufgabe für die Landwirtschaft sei es, andere Modelle der Bewirtschaftung zu finden.

Ilse-Marie Schröder aus Bittstedt, langjährige Vorsitzende des LandFrauenvereins Rotenburg, berichtete von Schulungen für Bäuerinnen, die in Kooperation mit der Kirche stattfanden. „Wichtig ist es, sprachfähig zu sein und die Landwirtschaft anderen erklären zu können, um Verständnis für die bäuerlichen Betriebe zu wecken.“

„Die Ernte sorgt in diesem Jahr für ein extrem gemischtes Bild“, erläuterte Johann H. Knabbe, Vorsitzender des Bezirksverbandes Stade für das Landvolk. Auf manchen Höfen seien wegen der Trockenheit große Verluste zu verzeichnen, im Obstbau sei aber mit einer guten Ernte zu rechnen.

Mit Blick auf das bevorstehende Erntedankfest hielt Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy fest: „Dank und Geiz passen nicht zusammen. Zum Dank für Gottes gute Gaben gehört ein verantwortlicher Umgang mit ihnen. Und ein Leben in Verantwortung für den Nächsten und für die Schöpfung.“

Das Treffen von Kirche und Landwirtschaft begann mit einer Führung durch den Mitmach- und Erlebnisgarten des NABU Rotenburg, dessen Vorsitzender Roland Meyer über das 2,5 Hektar große Gelände führte. Seit 2013 wird hier in Kooperation mit den Rotenburger Werken Besuchern die große Vielfalt der Natur auf kleinem Raum nahegebracht.

Sonja Domröse