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Moscheebau: Plädoyer für Offenheit und Dialog

Nachricht 26. November 2018
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Am Filmgespräches haben auch die Schauspieler Rainer Frank und Mathias Max Herrmann/Schauspiel Hannover (von rechts) teilgenommen. Foto: Sören Rekel-Bludau/Haus der Religionen-Hannover

„Moscheen sind Orte des Friedens und jeder, der sie betritt, soll Spiritualität, Offenheit und Nächstenliebe erfahren. Im Heiligen Koran heißt es `…und wer sie betritt, hat Frieden…´. Unabhängig von Herkunft, Kultur oder Religion soll jede Moschee Quelle des Friedens und der Harmonie sein. … Wir freuen uns mit der evangelisch-lutherischen Kirche zusammen diesen Abend ermöglichen zu können, um eben diesen Zweck der Moschee erneut zu erfüllen. Den Dokumentarfilm gemeinsam mit den Mitwirkenden zu sehen und später ins Gespräch zu kommen, ist ein schönes Symbol für den notwendigen Frieden einer jeden Gesellschaft. Zusammen ist es möglich,“ sagt Sadaqat Ahmed, Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland.

Diese Botschaft stand im Mittelpunkt der Vorführung des Filmes „MOSCHEE DE“ am vergangenen Montag, 19. November. Vor 150 Interessierten wurde der Film, in dem es um einen Moscheebaukonflikt in Berlin-Pankow  aus den Jahren 2006 bis 2008 geht, zum ersten Mal in einer Moschee der Ahamdiyya Muslim Jamaat in Hannover-Stöcken gezeigt. An der anschließenden Diskussion mit den Zuschauern haben der Imam Sadaqat Ahmed, der Regisseur Michał Honnens und die Schauspieler Rainer Frank und Mathias Max Herrmann, der frühere stellvertretende niedersächsische Ministerpräsident Stefan Wenzel und Belit Onay als Mitglied des Landtages, Bündnis 90/ Die Grünen teilgenommen.

„Ich habe das Gefühl, seit dem Moscheebauprojekt in Berlin hat sich das Klima für Muslime in Deutschland merklich verschlechtert. Die Menschen sind distanzierter geworden, die Grundstimmung gegenüber dem Islam kritischer“ sagte Sadaqat Ahmed, der Imam aller Ahmadiyya-Gemeinden in Deutschland. Auf der anderen Seite betonte Stefan Wenzel, MdL und Mitglied des Stiftungsrates der Heinrich-Böll-Stiftung, die weitere Notwendigkeit und die Erfolge des interreligiösen Dialogs, der sehr zum gegenseitigen Verstehen beitrage.

Der Diskussion in der Moschee ist es im weiteren Verlauf gelungen, auch kritische Themen sachlich und ohne Dramatisierung anzusprechen und sich auf Augenhöhe respektvoll auszutauschen, meint als einladender Veranstalter Hartmut Reimers, Referent für Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste der Hannoverschen Landeskirche. Sein Fazit des Abends: „Es ist immer auch eine kommunikative Geschichte, ob Konflikte eskalieren müssen.“

Der Film: Zuhören und Kommunikation im Konflikt

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Miteinander im Gespräch (von links): Sadaqat Ahmed, Imam aller der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland mit Arif Ahmad Khan, Präsident der Ahmadiyya Jamaat Hannover-Stöcken und mit Prof. Dr. Wolfgang Reinbold, Referent für Kirche und Islam im Haus kirchlicher Dienste-Hannover. Foto: Sören Rekel-Bludau/Haus der Religionen-Hannover

„Wie ein Brennglas unserer Gesellschaft“ wirkt der Film „MOSCHEE DE“ und zeigt, wie leicht in einem Konflikt das Zuhören aus dem Blick gerät und harte Fronten gegeneinander zu stehen beginnen. Dieses Urproblem der aktuellen gesellschaftlichen Debatte betrifft nicht nur die Diskussionen um Moscheebauten, ‚den Islam‘ oder den interreligiösen Dialog, sondern auch andere Konfliktfelder.

Dem setzten das Filmteam und die Veranstalter des Abends in der Sami-Moschee – die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde – ein flammendes Plädoyer für Offenheit und Dialog entgegen, so Reimers. Zuhören und Kommunikation, seien die Begriffe gewesen, die die Zuschauer durch den Abend begleiteten.

Der Film, der die O-Töne aus den Interviews mit den ursprünglichen Beteiligten verwendet, porträtiert die Entwicklung einer Eskalation bei dem Moscheebau in Berlin. In der Zusammenschau aller Perspektiven ermöglicht er einen Blick darauf, an welchen Stellen die Kommunikation gescheitert ist und wie die Beteiligten ein solches Scheitern jeweils interpretieren. Da ist zum Beispiel der Pfarrer, der sich aus dem Konflikt heraushalten wollte, und dann doch nicht umhin kann, in der Predigt darauf hinzuweisen, dass die Muslime Christus nicht als Gottessohn und Erlöser anerkennen und daher ein gleichberechtigtes Miteinander nicht möglich sei. Das Trennende tritt in den Vordergrund. Ein kleiner Schub genügt und das Unheil nimmt seinen Lauf. Auch die öffentlichen Stellen tun sich schwer, einen schwelenden Konflikt zu entschärfen und gießen mit ihrer eigentlich gut gemeinten Vorgehensweise doch nur zusätzliches Öl ins Feuer. Mit jedem Schritt, der unternommen wird, werden die Gräben tiefer. Mit jeder Geste treten neue Missverständnisse auf.

Der Stoff Moschee DE erhielt nach seiner Uraufführung 2010 am Schauspiel Hannover den Kulturpreis der Evangelischen-lutherischen Landeskirche Hannovers. Gemeinsam gab die Landeskirche dann mit den Autoren die Theaterfassung als Buch heraus. Im Jahr 2016 gehörte die Landeskirche, unter anderem mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hannover, zu den Förderern des jetzigen Films.

Weitere Informationen

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Produzent und Filmregisseur Michał Honnens/ Kundschafterfilmproduktion Berlin-Burgdorf im Gespräch mit Imam Abdul Basit Tariq/Rüsselsheim, Augenzeuge des damaligen Konfliktes. Foto: Sören Rekel-Bludau/Haus der Religionen-Hannover

Nach einer Filmfestivalphase 2017 ist der Film „MOSCHEE DE“ ab sofort über den Medienverleih im Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers für Kirchengemeinden, Schulen und Einrichtungen der Landeskirche ausleihbar. Die DVD-Box wird mit Materialien für Unterricht, Gemeinde- und Bildungsarbeit sowie medienpädagogischen Anregungen ergänzt. 
https://www.kirchliche-dienste.de/arbeitsfelder/medien/wir-fuer-sie