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"Die Zahlen müssen stimmen, sind aber nicht alles"

Nachricht 28. März 2018
Laura Rinderspacher wird nach Ostern Arbeitswelt-Referentin für die Region Hannover. Foto: Gunnar Schulz-Achelis / HkD

„Mehr Menschlichkeit in die Wirtschaft bringen“ möchte nach eigenen Worten Laura Rinderspacher, die am Dienstag, 3. April als Referentin für „Kirche.Wirtschaft. Arbeitwelt“ beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitwelt (KdA) der Hannoverschen Landeskirche startet. Die Nachfolgerin von der im September 2016 verstorbenen Gerda Egbers wird in der Region Hannover Kontakte zu Unternehmen und Gewerkschaften aufbauen und will vor allem Kommunikation über wirtschaftsethische Fragen ermöglichen und befördern. Die volle Referentinnen-Stelle im Haus kirchlicher Dienste ist auf vier Jahre befristet.

Die Frage, wie man die Wirtschaft in christlicher Perspektive fair und nachhaltig organisieren kann, ist der 27-Jährigen fast schon in die Wiege gelegt worden: Die Mutter ist Religionslehrerin und der Vater arbeitete am Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland. In Münster aufgewachsen, kam die Familie nach Hannover, als Rinderspacher 14 Jahre alt war. In Hannovers Melanchthon-Gemeinde half sie bei Familienfreizeiten mit. Schon als Schülerin stand sie beim Maschseefest am Tresen und absolvierte nach der Schule ein freiwilliges soziales Jahr in einem Behindertenwohnheim des Annastifts.

Während ihres Studiums in Vechta machte sie ein Praktikum beim Start-Up-Unternehmen Elephant Brand, einer Firma, die Taschen verkauft, die eine Näherin aus Kambodscha aus früheren Zementsäcken näht. Für den Verkauf von solchen Upcycling-Taschen verhandelte Rinderspacher mit Einzelhändlern hierzulande und lernte zugleich Schwierigkeiten beim Lieferweg und gleichmäßiger Qualität kennen. Für eine Frühstücks-Drink-Firma entwickelte sie Bilder und einen Slogan, bei einem Premium-Spirituosen-Unternehmen den Messestand.

Ihre praktischen Erfahrungen reflektierte sie umfassend beim Studium von Wirtschaft und Ethik, sowie Sozialwissenschaften an der Universität in Vechta. Dort erstellte sie zum Beispiel eine Gemeinwohl-Bilanz für Werder Bremen, untersuchte und bewertete die Verwendung von Plastikbechern, von welchem Anbieter der Strom im Stadion kommt und wie umweltfreundlich die Anfahrtswege der Fans organisiert sind. Insgesamt bekamen die Fußball-Organisatoren ganz gute Noten, ihnen wurden aber auch Defizite aufgezeigt.

In ihrer neuen Stelle möchte sie den Austausch mit Start-Up-Unternehmen und Agenturen befördern. In diesen Unternehmen herrsche oft ein freiheitliches Lebensgefühl mit Krökeltisch und Bier im Kühlschrank. Auf der anderen Seite sind aber oft Arbeitszeiten von deutlich über acht Stunden täglich und auch zu später Zeit üblich. Die flachen Hierachien können dazu beitragen, dass ein Arbeitnehmer seine eigenen Anliegen nicht mehr vorbringt, weil er gleich beim Chef landet. Im nach Anzeige „jungen, dynamischen Team“ ist es so cool, dass elementare Bedürfnisse nach sozialer Sicherung und Familienplanung vernachlässigt werden können, weiß Rinderspacher aus eigener Beobachtung. Hier möchte sie zum Ausgleich beitragen.

Sie wird mit Arbeitnehmern und Unternehmern arbeiten: „Ein ausgewogenes Verhältnis fände ich ganz gut“, sagt sie. Letztlich gehe es ihr um Nächstenliebe im christlichen Sinne. Unternehmen müssten einerseits wettbewerbsfähig bleiben. Auf der anderen Seite sei es wichtig, bei Zulieferern zu wissen, wie sie mit ihren Arbeitnehmern umgehen und sie bezahlen. „Die Zahlen müssen stimmen, sind aber nicht alles“. Und so spricht sie immer wieder von Nachhaltigkeit und Langfristigkeit im Zuge ihrer „integrativen Wirtschaftsethik“.  Auf lange Sicht rechne sich das sogar, ist sie überzeugt.

In ihrer Freizeit hat sie früher Ballett und später HipHop getanzt und sie reitet gerne. Mit ihren Großeltern – Opa Manfred war der langjährige Leiter des Kirchenkreisamtes Syke – hat sie im Wohnwagen schon fast alle Länder Europas besucht und könnte damit quasi aus dem Stand einen Campingführer Europa verfassen. Gerne würde sie Kuba besuchen oder die USA kennen lernen.