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Konziliare Themen ziehen sich durch

Nachricht 08. Juni 2018
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Diakonin Hannelore Köhler, Referentin für die Arbeit mit Frauen im Sprengel Lüneburg, geht zum 1. Juli in den Ruhestand. Foto: Jens Schulze / HkD

„Die Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ziehen sich durch mein ganzes berufliches Leben hindurch“, resümiert Hannelore Köhler, die seit 2008 Referentin für Arbeit mit Frauen im Sprengel Lüneburg ist. Die Diakonin geht zum 1. Juli in den Ruhestand und beendet damit nach 31 Jahren auch ihre Arbeit im Haus kirchlicher Dienste (HkD) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Von 1987 bis 2015 war sie als Referentin im Landesjugendpfarramt Referentin tätig.

Der Umgang mit den Ehrenamtlichen lag Köhler sehr am Herzen. Sie hat in ihrer Zeit im Frauenwerk vor allem ehrenamtliche Frauen in den Kirchenkreisen und Gemeinden beraten und oft auch die Kreisfrauentreffen mitgeplant und geleitet. „Am liebsten habe ich thematische Studientage und Seminare gemacht“, erzählt die Religionspädagogin. Dazu gehörten die Werkstätten zu den Frauensonntagen, die sie zusammen mit einem Team Ehrenamtlicher leitete. Bei Studientagen konnte sie auch ihre Herzensthemen einbringen. „Ein Studientag zum Thema Ökologie war sehr gut besucht“, berichtet sie. „Und der Studientag ‚Die Kunst, nachhaltig zu leben‘ fand in der Woltersburger Mühle statt, die damals noch zu einem Tagungshaus mit nachhaltigem Konzept umgebaut wurde. Wir haben quasi auf der Baustelle getagt. Doch die Frauen, die dabei waren, erzählen heute noch davon!“, erinnert sich die Diakonin. Ein anderer Höhepunkt war für die 65-Jährige der Studientag „Aus der Kraft der guten Erinnerung“, bei dem es um die Nutzung von guten Erinnerungen als Ressource für die eigene Lebensführung ging.

In ihrer Zeit im Landesjugendpfarramt war Köhler zuständig für internationale Jugendarbeit,  weltweite Ökumene und die Dekade zur Überwindung von Gewalt, die der Ökumenische Rat der Kirchen für die Jahre 2001 bis 2010 ausgerufen hatte. Sie hat das Programm „Schritte gegen Tritte“ für Schulen durchgeführt und eine Ausbildung für Deeskalations-Trainerinnen und -trainer für die Landeskirche Hannovers initiiert. „Als ich die Ausbildung als Diakonin begann, war ich durch die Missionsarbeit in meinem Heimatdorf geprägt“, erzählt Köhler. „Zunächst ging es um die Pflege der vorhandenen Kontakte zu den ‚jungen Kirchen‘ in Afrika. Dann kamen Themen wie der faire Handel hinzu und die Solidarität mit der Anti-Apartheitsbewegung in Südafrika.“ Später im Landesjugendpfarramt organisierte Köhler internationale Jugendwochen im Antikriegshaus Sievershausen, die in einem „Global Village“ auf dem Landesjugendcamp mündeten.

Im Haus kirchlicher Dienste war Köhler auch Mitglied im Qualitätszirkel „Ökologie“ und Mitglied im „Expertengremium Frieden“, an dem sie noch bis in den Herbst hinein teilnehmen wird. Das Gremium bereitete den Synodenbeschluss vom Herbst 2017 mit vor, in dem die Landessynode unter dem Leitwort „Kirche des gerechten Friedens“ die Themen Frieden und Gerechtigkeit zu zentralen kirchlichen Fragen erklärt hat. „Nun geht es darum, wie das konkret umgesetzt werden kann“, erläutert Köhler.

Nach der Diakonenausbildung in Hannover begann Köhler als eine der ersten Frauen in der Landeskirche 1974 ihren Dienst als Diakonin in der Johannesgemeinde Wolfsburg-Rabenberg. 1981 wechselte sie nach Jembke und Weyhausen. 1987 ging Köhler als Referentin des Landesjugendpfarramtes nach Asel in Ostfriesland, wo sie in drei Funktionen tätig war: Sie gehörte zum Leitungsteam der Jugendbildungsstätte in Asel, sie war Sprengeljugendwartin für den Sprengel Ostfriesland und Referentin für die Evangelische Jugend auf dem Lande. Von 1997 bis 2002 studierte sie berufsbegleitend Sozialwissenschaften an der Uni Oldenburg. Unter dem Eindruck des Kosovo-Krieges schrieb sie ihre Diplomarbeit über „Zivile Konfliktbearbeitung als Friedensstrategie. Chancen und Grenzen“.

Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte als Referentin für die Evangelische Jugend auf dem Lande waren Fragen der Direktvermarktung für landwirtschaftliche Produkte. „Naturschutz und solidarische Landwirtschaft liegen mir bis heute sehr am Herzen“, sagt Köhler, die in ihrer Freizeit in einem Projekt der „Community supported agriculture“ (CSA) mitarbeitet.

Auch im Ruhestand wird sie die Themen des konziliaren Prozesses weiterverfolgen. Zusätzlich zu ihrem Engagement in der alternativen Landwirtschaft ist sie seit März 2018 Mitglied im Vorstand des Antikriegshauses Sievershausen. „Wenn ich gar nicht versuchen würde, etwas zu tun, könnte ich die weltpolitische Lage noch viel schlechter ertragen“, erklärt Köhler.

Einen Wermutstropfen gibt es für die Diakonin: „Es fällt mir schwer, zu gehen und zu wissen, dass es niemanden gibt, der die Arbeit in vollem Umfang übernehmen kann. Die anderen Kolleginnen müssen die Betreuung des Sprengels Lüneburg zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben übernehmen.“

Hannelore Köhler wird am 22. Juni um 15 Uhr in der Neustädter Hof- und Stadtkirche zusammen mit ihrem Kollegen Horst Büshel verabschiedet. Im Anschluss an den Gottesdienst findet um 16.30 Uhr ein Empfang im Foyer des Hauses kirchlicher Dienste statt.