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„Armutsfallen für Frauen – und was sich ändern muss“

Nachricht 20. August 2018
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„Armutsfallen für Frauen“ ist das Thema des diesjährigen Tags für Frauen am 8. September in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover. Foto von 2016: Cilly van Berkum

Unter dem Titel „Armutsfallen für Frauen – und was sich ändern muss“ lädt das Frauenwerk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am 8. September zu einer Großveranstaltung in die Neustädter Hof- und Stadtkirche nach Hannover ein. An diesem „Tag für Frauen“ soll in Vorträgen und Workshops dem Umstand nachgegangen werden, dass Frauen in besonderer Weise von Armutsrisiken betroffen sind, obwohl sie einen Großteil der gesamtgesellschaftlich notwendigen Arbeit, wie Erziehung der Kinder und Pflege von Angehörigen leisten.

„Frauen sind mit 16,3 Prozent überdurchschnittlich von Armut betroffen“, so Franziska Müller-Rosenau, Landespastorin für Arbeit mit Frauen, und beruft sich dabei auf Thesen des Bezirksfrauenrates Mittelfranken. „Männer haben im Schnitt ein fast 40 Prozent höheres Einkommen, um 60 Prozent höhere Altersbezüge und ein höheres angespartes Vermögen. Rund 40 Prozent der Alleinerzie­henden hingegen sind arm und rund 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.“

Ein Grund liege darin, dass Sorgearbeit nach wie vor Frauenarbeit ist. Frauen seien eher dazu bereit, auf einen Teil ihres Einkommens oder sogar ganz auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten, um Angehörige zu pflegen oder Kinder großzuziehen. Das Ehegattensplitting befördere diese Rollenverteilung. Diese führe aber zu deutlich geringeren Rentenbezügen im Alter, bis hin zu Altersarmut, so die Theologin. Wissenschaftler am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit haben ausgerechnet, dass eine Frau im Laufe ihres Lebens auf 64 Prozent ihres möglichen Einkommens verzichtet, zugunsten ihrer Kinder.

Der „Tag für Frauen“ beginnt um 10 Uhr mit der Begrüßung und Vorstellung eines Positionspapiers zu Sorgearbeit (Care) des Frauenwerks Hannover. Die Nordkirche hatte bereits 2015 ein ähnliches Papier verfasst. „Wir greifen einen Impuls auf und verstehen Sorgearbeit als achtsame Zuwendung zu allen Geschöpfen“, beschreibt Müller-Rosenau den Leitgedanken des Papiers. „Es geht darum, alles zu bewahren, zu erneuern und wiederherzustellen, was notwendig ist, damit wir in dieser Welt gut leben können.“ Sorgearbeit durchziehe das ganze Leben, entweder "indem wir selbst für uns sorgen oder andere es für uns tun. Die gesellschaftliche Aufgabe besteht darin, diese Sorgearbeit wertzuschätzen und Wege zu finden, sie angemessen zu entlohnen", so die Landespastorin weiter. Die Thesen des Positionspapiers sollen im Laufe des Tages in den Workshops diskutiert werden und danach innerhalb und außerhalb der Landeskirche verbreitet werden.

Im Hauptvortrag um 11 Uhr wird Elisa Rheinheimer-Chabbi unter dem Titel „In Europa gibt es doch keine Armut – wirklich?“ aufzeigen, wie Armutsfallen für Frauen entstehen, aber auch Projekte vorstellen, die Wege aus der Armut weisen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen finden um 14 Uhr acht Workshops zum Thema statt.

Die Workshop-Themen sind breit gefächert. Mögliche Modelle, die eine Verbesserung der Situation für Frauen bewirken könnten, werden in den Workshops „Brauchen wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen? Was würde sich für die Frauen ändern und „Raus aus der Teilzeitfalle – rein in die ‚kurze Vollzeit für alle‘!“ behandelt. In der Bibelarbeit „Armut als Verheißung?“ geht es darum, dass in der Bibel einerseits dazu aufgerufen wird, sich von seinem Besitz zu befreien, andererseits aber auch das Ende der existentiellen Not verheißen wird.

„Armutsrisiko Pflege“ betrachtet die Situation pflegender Angehöriger und was sich ändern muss, damit diese besser abgesichert sind. „Auch wer Zeit schenkt, braucht Ressourcen – Ehrenamt im Spannungsfeld von Geld und Liebe“ zeigt die Problematik auf, wie sich Menschen ehrenamtlich engagieren können, die alle ihre Zeit zur Sicherung ihres Einkommens brauchen. Eine weltweite Dimension hat der Kreativ-Workshop "Unsere Kleidung: (un-)tragbar“ auf, der einerseits die teilweise menschenunwürdigen Bedingungen bei der Herstellung von Textilien aufzeigt, andererseits Wege weist, was Verbraucherinnen tun können. Selbst tätig werden die Teilnehmerinnen beim „Upcycling“, wo Abfallprodukte und scheinbar nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt werden.

Der Tag endet um 15.30 mit Andacht und Segen. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Trio „Anna singt“ aus Hannover.

Teilnahme

Die Teilnahme am „Tag für Frauen“ ist kostenlos. Zwischen 9.15 und
10 Uhr werden Getränke im Leibnizsaal der Neustädter Hof- und Stadtkirche serviert. In der Mittagspause von 12.30 bis 14 Uhr wird ein vegetarisches Mittagessen für fünf Euro angeboten.

Anmeldung

Bei der Anmeldung bitte die Wahl des Workshops angeben und ob die Teilnahme am Mittagessen gewünscht wird. Anmelden können Sie sich bei

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Heike Hartwich
Tel.: 0511 1241-426
Abteilung / Referat:

Arbeitsfeld Arbeit mit Frauen (Landesstelle Frauenwerk)

Aufgabenbereich:

Verwaltungsangestellte