Foto: HkD

Workshops

Zeichen des Willkommens, international lesbare Symbole, nicht lange Lüften im Sommer, „unkorrekte Kunst“: Für Teilnehmer der Tagung gab es viele praktische Tipps in den zehn einstündigen Workshops. Die meisten fanden im Hanns-Lilje-Haus gegenüber der Marktkirche statt, doch auch der Kirchenraum wurde genutzt.

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Die Orgelempore als Sitzungsraum: Workshop "Zeichen des Willkommens". Foto: Susanne Ruge/HkD

Zeichen des Willkommens

Auf der Orgelempore ging es unter der Leitung von Jürgen Lojowsky, Referent für Kirche und Tourismus und für Offene Kirche im Haus kirchlicher Dienste (HkD) um „Zeichen des Willkommens in der Offenen Kirche“. Gesa Godbersen und Dagmar Freytag berichteten von ihren Erfahrungen aus dem Präsenzteam der Michaeliskirche in Hildesheim.

„In der Michaeliskirche  haben wir natürlich eine besondere Situation“, sagt Godbersen. „Die Kirche hat Weltkulturerbe-Status und jeden Tag haben wir viele Touristen auch aus anderen Ländern.“ Als die Kirche zur 1000-Jahr-Feier renoviert worden war, wurden neue Ehrenamtliche gesucht, die die Michaeliskirche als Offene Kirche begleiten - und viele blieben länger dabei als das Jubiläumsjahr. „Für alle Interessierten gab es zwei Seminare, in denen jeder sich orientieren konnte: Was stelle ich mir vor?“ Es wurden sowohl Menschen gesucht, die Kirchenführungen machen, die während der Öffnungszeiten in der Kirche und ansprechbar sind, aber auch solche, die kirchenpädagogische Arbeit leisten oder die täglichen Mittagsandachten gestalten.

„Besonders gut war, dass wir bei den Seminaren externe Referenten hatten“, erinnert sich Freytag. „Es kam zum Beispiel eine Theaterpädagogin, die mit uns Rollenspiele gemacht hat. Dabei haben wir festgestellt, dass es nicht gut ist, wenn der Tisch mit den Büchern und Prospekten gleich neben dem Eingang steht und wir jeden Besucher dort persönlich begrüßen.“ Jetzt steht der Tisch ein wenig an der Seite und die Besucher können selbst entscheiden, ob sie hingegen wollen.

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Die Teilnehmenden des Workshops "Schön inklusiv" schlüpften in die Rolle von Menschen, die mit Einschränkungen leben. Foto: Susanne Ruge/HkD

Schön inklusiv

Gleichzeitig erkundeten die Teilnehmenden des Workshops „Schön inklusiv“ die Kirche auf eigene Faust. Sabine Hettingen, Referentin für Inklusion im Diakonischen Werk Niedersachsen, und Christiane Neukirch, gebärdensprachliche Seelsorgerin, hatten kleine Rollenkärtchen verteilt, auf denen eine oder mehrere Einschränkungen beschrieben waren. Mit Ohrstöpseln, Augenklappen, Gehhilfen oder im Rollstuhl konnten die Teilnehmenden aus eigener Erfahrung erleben, wie Menschen mit solchen Einschränkungen die Kirche wahrnehmen.

Schwierigkeiten gab es mit den vielen Treppen und den Eingangstüren für diejenigen, die im Gehen eingeschränkt waren. Es gibt auch Hürden, die nicht so offensichtlich sind. „In meiner Rolle war ich eine Frau aus Kenia, die erst seit drei Monaten in Deutschland ist und noch sehr wenig Deutsch kann“, berichtet eine weitere Teilnehmerin. „Mir hätten Symbole geholfen, statt des Hinweises auf das ‚WC‘.“ Um solche versteckten Hürden zu entdecken, gibt es einen „Index zur Inklusion“, den die Workshop-Leiterinnen zusammen mit weiterem Material vorstellten. Bestellungen sind per Mail möglich.

Schön, das wir das hier sehen können

Wie man Kunstausstellungen in einer Kirche organisiert, war die Fragestellung im Workshop mit der Hittfelder Pastorin Imke Schwarz, die auch freie Mitarbeiterin im Arbeitsfeld Kunst und Kultur im HkD ist. Sie plädierte dafür, zunächst die eigene Kirche in ihren Eigenarten wahrzunehmen und nicht nur einfach als Ausstellungsraum nutzen zu lassen. Die Künstler sollten sich vielmehr mit diesem besonderen Ort auseinandersetzen und ihre Kunst bewusst in Beziehung zum Raum setzen. Hier sei das Gespräch mit den örtlichen Verantwortlichen wichtig und eine "heilige Ecke" – dies kann je nach Kirche beispielsweise der Altarraum sein – sei zu beachten und möglicherweise auszusparen.

"Die Kunst  muss nicht der Masse gefallen", meinte eine der 20 Teilnehmerinnen des Workshops. Schwarz stimmte ihr zu: Verstörendes könne zu produktiven Gesprächen führen. Sie ermutigte die Workshopteilnehmer, sich andere Ausstellungsorte von Kunst in der Umgebung anzusehen und örtliche Banken oder andere Sponsoren um finanzielle Unterstützung zu bitten. Über die Landeskirche könne man die Kunstwerke auch günstig versichern. Auf Nachfrage einer Teilnehmerin nach Ausstellungen verwies Schwarz auf das Arbeitsfeld Kunst und Kultur im HkD; Tipps und fertige Ausstellungen seien unter dessen Internetseiten unter kunstinfo.net zu sehen.

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Dr. Markus Zink zeigt beispiel für Kunst in Kirchenräumen. Foto: Noah Grossmann/HkD

Schön, aber umstritten

Dr. Markus Zink bot einen Workshop unter dem Titel „Schön, aber umstritten“ an. Der Untertitel der Veranstaltung lautete „Vom Wagnis zeitgenössischer Kunst in Kirchen“, und um eben jene Wagnisse und Abenteuer der Kunst sollte es gehen. Dass dieser Versuch scheitern und gelingen kann, bewies Zink, indem er zurück schaute auf diverse Beispiele: Mal war das Kreuz hinter dem Altar zu dünn, dann das rot der neuen Kirchenfenster zu teuflisch. Oder in einem anderen Fall einer Wolfsburger Kirche mussten die Figuren eines Künstlers aus dem Altarraum entfernt werden, da diese offensichtlich nicht Jesus darstellten.

„Warum wurde der Reiz des Kunstwerkes nicht begriffen“, fragte der Pfarrer Zink und fand postwendend die Antwort: „Weil der Tod der Kunst die Korrektheit ist.“ So seien laut Zink vor allem Mut und gelungene Kommunikation die entscheidenden Ingredienzien für Kunst in der Kirche. Des Weiteren gab der Referent für „Kunst und Kirche“ aus Frankfurt noch praktische Tipps für die Gestaltung der Kirchenräume: Auf die Frage einer Teilnehmerin nach Blumenschmuck antwortete er lapidar: „Grünpflanzen gehören in die Gärtnerei“.

Texte: Susanne Ruge/Noah Grossmann/Gunnar Schulz-Achelis/HkD

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"Entdeckungen mit Muße" - Kirchenführung mit Marion Wrede. Foto:Gunnar Schulz-Achelis/HkD

Schönheit auf den zweiten Blick

Zu "Entdeckungen mit Muße" lud Marion Wrede, Kirchenpädagogin der Marktkirche, vor Ort ein. Es ging ihr um die "Schönheit auf den zweiten Blick".

Natürliche Schönheit kommt von innen

Im Workshop „Natürliche Schönheit kommt von Innen“ diskutierten die Teilnehmer mit Pastorin Claudia Brandy aus Stade, inwieweit in offenen Kirchen geistliche Impulse gesetzt werden können. Denn oft sind Kirchengebäude zwar für Touristen zugänglich, aber die Gemeinde möchte es nicht bei bloßem Sightseeing belassen.

Daher kamen verschiedene Ideen zusammen: Von Zetteln in den Kirchenreihen, die zu Meditation und Besinnung einladen, über Kerzenbäume, an denen jeder seine eigenen Gedanken und Bedenken ablegen kann bis zu täglichen Kurzandachten um die Mittagszeit. Aus verschiedenen Kirchen berichteten Küster, Kirchenvorstände und Engagierte von ihren Erfahrungen. Brandy meinte: „Lassen Sie ihre Ideen nicht fallen. Seine eigene Kirche öffnen und gestalten; ich finde: Das kann jeder.“

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Workshop "Nachhaltigkeit und Klimaschutz". Foto: Susanne Ruge/HkD

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Im Workshop „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ erklärte Reinhard Benhöfer, Referent für Umwelt- und Klimaschutz im HkD, zunächst, was Nachhaltigkeit alles umfasst: Nachhaltig ist ein Bauprojekt, wenn es den Ansprüchen der Menschen genügt, wenn es wirtschaftlich ist und wenn ökologische Fragen bedacht werden. „Alles, was mit Heizung, Wärme und Energie zusammenhängt, ist eines der zentralen Themen für den Klimaschutz“, so der Umweltbeauftragte der Landeskirche.

Bei Kirchen sind Dämm-Maßnahmen zum Beispiel durch doppeltverglaste Fenster oft schwierig umzusetzen. Es ist sehr teuer und es müssen Fragen des Denkmalschutzes bedacht werden. Allerdings kann schon viel getan werden, wenn man das Verhalten ändert. Offene Türen im Sommer verstärken zum Beispiel die Gefahr der Schimmelbildung, weil warme und feuchte Luft in die Kirche strömt, in der Kirche abkühlt und das Wasser aus der Luft sich dann an den Wänden und Holzgegenständen der Kirche sammelt. Zu den Themen „Heizen“ und „Lüften“ gibt es genaue Hinweise, die alle kirchlichen Mitarbeitenden beachten sollten. Weitere Informationen auf  den Webseiten des Arbeitsfeldes Umwelt- und Klimaschutz des HkD.