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Italienischer Botschafter zu Besuch in Wolfsburg

Nachricht 05. Juni 2014

"Multisprachlichkeit ist heute lebenswichtig"

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KDA-Leiter Peer-Detlev Schladebusch (von rechts) freute sich über den Besuch von Botschafter Elio Menzione und begrüßte auch Paolo Brullo, der sich um Italiener in Wolfsburg kümmert. Foto: Privat

Botschafterbesuch erhielt kürzlich der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in Wolfsburg.

An die Anfänge der Arche in Wolfsburg 1958 können sich noch viele erinnern. Das erste Industriepfarramt der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers wurde Zentrum für die Anliegen der Arbeitnehmer. Als dann ab 1962 die ersten von VW angeworbenen Italiener nach Wolfsburg kamen, entwickelte der KDA für sie spezielle Angebote wie Beratung, Freizeiten, Tagungen und vor allem Bildungsurlaube.

Erinnerung an schwere Zeiten

Im Jahr 2012 feierte man gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst. Dabei wurde im Rückblick auch nicht die dunkle Zeit ausgespart. Denn bereits 1938 waren schon einmal Italiener nach Wolfsburg gekommen. Als Bauarbeiter der von den Nationalsozialisten sogenannten „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ und des Werks waren sie nach dem Auseinandergehen Italiens und Deutschlands quasi in der Situation von Zwangsarbeitern.

Gutes Miteinander in Wolfsburg

Heute freut man sich in Wolfsburg über das gute Miteinander, das durch viele gemeinsame Anstrengungen erreicht worden ist. Bereits 1962 kam der evangelische Pastor Vito Brullo im Auftrag der Inneren Mission und in Anstellung der Hannoverschen Landeskirche nach Wolfsburg, um die Italiener in geistlichen, familiären und sozialen Fragen zu betreuen. Nach seinem plötzlichen Tod im Jahre 1971 fand sich sein Sohn Paolo Brullo bereit, die Arbeit ehrenamtlich fortzusetzen.

Bis heute berät er als ehrenamtlicher Mitarbeiter des KDA Italiener, gerade auch bei Problemen in der Familie und des Alters. In der Stadt kennt ihn jeder, auch als Vorsitzenden von ComItEs, der gewählten Vertretung aller Italiener im Konsularbezirk Wolfsburg.

Integration ist der Stadt ein Anliegen

In der jungen Stadt Wolfsburg ist Integration seit der Gründung des Ausländerreferats der Stadt 1974 auch offiziell ein großes Anliegen. Die nun seit 21 Jahren bestehende Deutsch-Italienische Schule Leonardo da Vinci setzt sich für mehrsprachigen Unterricht für alle ein.

Besuch des Botschafters ist eine besondere Ehrung

Eine besondere Ehrung der Arbeit des KDA in Wolfsburg war nun der Besuch des italienischen Botschafters Elio Menzione. Hierüber freuten sich besonders der Leiter des KDA Lüneburg-Wolfsburg, Pastor Peer-Detlev Schladebusch und Paolo Brullo, die beide jedes Jahr den Bildungsurlaub für Italiener in Wolfsburg gestalten. Menzione war extra für die italienischen Arbeitnehmer des diesjährigen KDA-Bildungsurlaubs von Berlin nach Wolfsburg angereist.

Das italienische Kulturinstitut unter Leitung von Frau Marlies Ottimofiore stellte dazu seine Räume zur Verfügung. Aus aktuellem Anlaß war die Weiterführung des Instituts dabei ein zentrales Thema.

"Multisprachlichkeit ist heute lebenswichtig"

Der Botschafter betonte, Multisprachlichkeit sei heute lebenswichtig, in einer Welt, die immer Global denke und handele. Wolfsburg sei das beste Beispiel gelungener Integration in Deutschland, wo Multisprachlichkeit täglich gelebt werde. Die italienische Sprache sei eine Sprache der Europäischen Union, vermittele ein Stück Kultur und trage in ihrer Pflege zu einem Europa der Bürger bei.

In Wolfsburg sei Italien auch mit vielen Institutionen, Geschäften, Restaurants, Pizzerien präsent. Die Politik und Verwaltung hätten das erkannt. Auch das VW Werk, wo viele italienische Arbeiter und Angestellte in vielen wichtigen Bereichen arbeiten. Die deutsch-italienische Schule sei hier nicht mehr wegzudenken.

Auch das italienische Kulturinstitut sei sehr anerkannt. Leider sei die formale Schließung nach einer Entscheidung des Ministeriums nicht mehr zu verhindern. Er garantiere jedoch, daß die Arbeit in Wolfsburg in einer anderen Form weiter geführt werde, zumal auch die Stadt und das Volkswagenwerk dies auch finanziell unterstützten. Die Resolution, die das ComItEs am 28.04.14 gemacht habe, sei dabei ein sehr konstruktiver Beitrag, der die Richtung einer Lösung aufzeige. Im Ministerium würde gerade daran gearbeitet und in ungefähr drei Wochen könnte er von dem Ergebnis berichten. Über diese Ankündigung freute sich insbesondere auch Herr Siegfried Trogisch als Vorsitzender der Freunde des italienischen Kulturinstituts, auch wenn er eine Fortführung in alter Form vorgezogen hätte.

Offenes Ohr für Probleme der deutsch-italienischen Schule

Rektorin Dorothea Frenzel und Lehrerinnen der deutsch-italienischen Schule Leonardo da Vinci Wolfsburg fanden ebenfalls ein offenes Ohr bei dem Botschafter für eine angemessene Lehrerversorgung zur weiteren erfolgreichen Erfüllung ihres Bildungsauftrags. Problematisch seien die manchmal vorzeitige Rückkehr von Lehrern nach Italien und die zeitnahe Neubesetzung der Stellen.

Der italienische Konsularagent Lo Iudice, der Geschäftsführer des ComItEs Dr. Franco Matteucci, Vorsitzende mehrerer italienischer Vereine sowie Lorenzo Annese, Deutschlands erster ausländischer Betriebsrat stimmten mit allen Teilnehmenden der Veranstaltung überein, dass italienische Kultur und Sprache auch weiterhin gefördert werden müßten.

Gute Arbeit fortsetzen

Pastor Peer-Detlev Schladebusch, Leiter des KDA Lüneburg-Wolfsburg betonte, dass auch der VW-Konzern gerade hiervon heute sehr profitiere. Die Integration der Italiener und anderer ausländischer Mitarbeitender hätte mit Sicherheit zum besseren Verständnis der Kulturen und so auch zum Unternehmenserfolg im Ausland wesentlich beigetragen. Die Italiener wären für Wolfsburg ein Segen.

Mit der Tageslosung vom 13. Mai aus Psalm 115,14 machte er am Ende Mut, nach der schwierigen Zeit unter den Nationalsozialisten die danach erfolgreichen Schritte der Integration weiter fortzusetzen: „Der Herr segne euch je mehr und mehr, euch und eure Kinder!“