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Wechsel beim „Kirchlichen Dienst auf dem Lande“

Nachricht 15. Mai 2013
„Bauernpastor“ Karl-Heinz Friebe wird am 23. Mai verabschiedet und seine Nachfolgerin Ricarda Rabe in ihr neues Amt eingeführt.
Foto: Gunnar Schulz-Achelis

„Der Faktor Mensch in der Nutztierhaltung“ war eines der Themen, über das „Bauernpastor“ Karl-Heinz Friebe in einer der Arbeitsgruppen im Landwirtschaftsministerium gesprochen hat, in der er die evangelischen Kirchen Niedersachsens vertreten hat. Der Tierschutz und die Sorgen von landwirtschaftlichen Familien waren zwei der Schwerpunkte des 65-jährigen Seelsorgers, der am kommenden Freitag, 23. Mai, um 14 Uhr in einem Gottesdienst in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover verschiedet wird. In dem Gottesdienst predigt seine Nachfolgerin als Leiterin des „Kirchlichen Dienstes auf dem Lande“ Pastorin Ricarda Rabe, die Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer zugleich in ihr neues Amt einführen wird. Ein Empfang im benachbarten Haus kirchlicher Dienste, in dem die beiden als Referenten arbeiten, schließt sich an.
Sein Urgroßvater arbeitete auf der Werft, sein Großvater und Vater auch. Friebe lernte Maschinenschlosser. So schien sein Weg vorgezeichnet und er wollte Maschinenbau studieren. „Über die evangelische Jugend ist die Theologie dazwischen gekommen“, sagt er und wurde über den zweiten Bildungsweg Pastor. 12 Jahre lang war er Gemeindepfarrer, zuerst in Soltau, dann 10 Jahre in  Resse in der Wedemark und blieb dabei als Kirchenkreisjugendpastor der evangelischen Jugend treu. 1987 wechselte er als Referent unter dem Dach des damaligen Amtes für Gemeindedienst ins Landesjugendpfarramt, war dort der ständige Vertreter des Landesjugendpastors und für die Aus- und Fortbildung von Hauptamtlichen in der Jugendarbeit zuständig. Mit Jugendlichen kümmerte er sich im Jugendhof Sachsenhain um eine Heidschnuckenherde. Seine Frau Dorothee Lüdeke und er bewirtschaften bis heute immer noch zu Hause in der Wedemark eine Herde grau gehörnter Heidschnucken – zurzeit ungefähr 60 Tiere. 
Dann arbeitete er 14 Jahre lang als Industriepfarrer im Sprengel Hannover und absolvierte eine Zusatzausbildung in systemisch-lösungsorientierter Supervision und Organisationsberatung. Er sprach mit Arbeitnehmern, Gewerkschaftern und Führungskräften über ethisch-theologische Arbeitsweltfragen, wie zum Beispiel „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Vor 6 Jahren wurde Friebe schließlich Leiter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande in der evangelischen Landeskirche Hannovers. Vielen Menschen, nicht nur im ländlichen Raum, ist er durch seine Fachvorträge bekannt.
Für die Landessynode bereitete er maßgeblich die großen Stellungnahmen zu landwirtschaftlicher Nutztierhaltung, grüner Gentechnik und Bioenergie am Beispiel von Biogasanlagen vor. In vielen Arbeitsgruppen und Beiräten im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium wirkte er mit und hat sich vor allem für den Tierschutz und eben die Menschen in der Landwirtschaft eingesetzt.
Belastend waren für ihn die vielen Konflikte, die er als neutrale Stelle in den Dörfern moderierte, wenn es etwa um große Stallbauten oder Biogasanlagen ging. Viele Ortspfarrer und Kirchenvorstände waren dankbar für seine ausgleichende Moderation, zumal sie oft zwischen gegensätzlichen Positionen zerrissen waren. Friebe lag daran, dass die Diskussionen in „guter und in menschenachtender Form“ geführt wurden.
„Ich bin eingeheiratet“, sagt er schmunzelnd mit Blick auf die Landwirtschaft. Seine Frau stammt aus einer landwirtschaftlichen Familie. So kennt er die Sorgen und Nöte in Landwirtsfamilien und unterstützte seinen Kollegen Götz Schumacher beim Aufbau der evangelischen landwirtschaftlichen Familienberatung. 
In der Diskussion um Tier- und Verbraucherschutz sieht er Fortschritte. Sie müsse „weiterhin mit ganzer Kraft betrieben werden“, so Friebe.  
Die 48-jährige Ricarda Rabe stammt von einem Hof. Nahezu ihre gesamte Familie wie auch die ihres Mannes leben in und von der Landwirtschaft. Die frühere Steimbker Pastorin  ist bereits vielfältig im Themenfeld „Kirche und Landwirtschaft“ engagiert und arbeitet seit Anfang April im Haus kirchlicher Dienste. Sie ist die erste Frau auf dieser Stelle.
Das Haus kirchlicher Dienste unterstützt und ergänzt als übergemeindliche Einrichtung die Arbeit der Kirchengemeinden in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Aktuelle Themen und Fragestellungen werden hier aufgegriffen und zentral bearbeitet, so dass die Inhalte für die kirchliche Arbeit vor Ort zur Verfügung stehen. Zu den wesentlichen Aufgaben der Referentinnen und Referenten gehören die Entwicklung und Bereitstellung von Materialien, die Weiterbildung von Haupt- und Ehrenamtlichen, die individuelle Beratung sowie der inner- und außerkirchliche Dialog.