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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Oktober 2007: Hauptsache (Lebens-)Qualität

„I have a dream . . .“ begann Martin Luther King 1963 seine mutige Rede zur Überwindung der Apartheid in den USA. Es gibt noch andere Träume. Ich z.B. stelle es mir machbar vor, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für gute Arbeit gut entlohnt werden, dass sie daran beteiligt werden, wenn „ihre“ Betriebe Überschüsse erwirtschaften, dass Börsengewinnler 2 % ihrer Gewinne weitergeben an die Gemeinschaft, von deren öffentlicher Infrastruktur auch sie profitieren.

Wie sähe es aus in unserem Land, wenn das Motto „Hauptsache Arbeit“, wirklich handlungsleitend für Unternehmer, Aktionäre und Politiker wäre?

Angesichts Millionen arbeitsloser Frauen und Männer treten die Qualität von Arbeit und ein Existenz sichernder Lohn faktisch in den Hintergrund. In Zeiten eines rasanten technologischen Fortschritts aber ist es legitim, ja ethisch geboten, auch nach dem sozialen Fortschritt zu fragen. Es ist heute möglich, mit immer weniger Menschen immer mehr zu produzieren und in immer kürzeren Zeiträumen Geldmengen zu verdoppeln. Sollte es da nicht möglich sein, auch die Lebensqualität von immer mehr Menschen zu verbessern? Die Humanisierung der Arbeitswelt und faire Löhne sind kein „soziales Gedöns“ aus alten Zeiten.

Die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens wie auch der Unternehmen hängt von gesunden, lebensfrohen Menschen ab. Von Menschen, die ein Existenz sicherndes Einkommen haben, aber auch Wertschätzung und Entwicklungsmöglichkeiten erleben. Arbeit um jeden Preis – beispielsweise „Pflege für 2,- Euro“ - macht krank.

Der gravierende strukturelle Wandel von Arbeit in den letzten 10–15 Jahren ist nicht naturgegeben mit dem Abbau von Arbeitsschutzgesetzen und der Entgrenzung von Arbeitszeiten verbunden. Das sind politische, das sind unternehmerische Entscheidungen. Nur verantwortliches Wirtschaften allen Beteiligten gegenüber ist auf Dauer zukunftsfähig.

Einige UnternehmerInnen in klein- und mittelständischen Betrieben haben das erkannt. Sie praktizieren eine Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Qualität von Arbeitsbedingungen, eine Vereinbarkeit von Gewinnorientierung und guter Entlohnung für gute Arbeit. Dies tut allen Beteiligten gut.

Z.B. eine Zeitarbeitsfirma, die Aufträge ablehnt, bei denen den Arbeitenden nicht wenigstens der Mindestlohn gezahlt werden soll, besteht so auf einem Mindestmaß an Qualität.
Ein privater Pflegedienst gibt den Pflegenden nicht abrechenbare Minuten für Gespräche bei Hausbesuchen. Das kostet ihn was, aber es steigert die Lebensqualität von MitarbeiterInnen und Kunden.
Ob Martin Luther King 1963 oder Martin Luther 1517: Beide zeigten, was es bewirkt, aufzustehen und die gewonnenen Überzeugungen mutig gegen die herrschende Meinung zu veröffentlichen. Die Ausmalung des Traumes bzw. die Verbreitung der Reformgedanken brachte etwas in Bewegung. Der Reformationstag am Ende des Monats erinnert daran. Kann er uns bewegen, unsererseits aufzustehen – beispielsweise für einen Mindestlohn und gute Arbeit für alle?

Waltraud Kämper,
Referentin im KDA Hannover
Waltraud.Kaemper@evlka.de

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