Wortmeldung
Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
August 2007: Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert
Dieses große Reformprojekt Erwerbsarbeit für alle muss nun endlich begonnen werden. Es wird Menschen das bieten, was sie wollen und brauchen - nicht irgendeine Arbeit, sondern gute Arbeit; also sichere Arbeitsplätze, Einkommen für ein Leben ohne existentielle Sorgen, Schutz der Gesundheit, Mitbestimmung am Arbeitsplatz und im Unternehmen sowie Arbeit mit Sinn,... Dazu gehört auch die Festlegung von Mindestlöhnen für Branchen, in denen es keine Tarifverträge gibt oder sie nicht greifen.
(Kirchlich-Gewerkschaftliche Initiative Soziale Ungerechtigkeiten als Herausforderung für Gewerkschaften und Kirchen)
Die Situation
Wolfgang K. (Name geändert) arbeitet in einer Bäckerei in Dauernachtschicht von Sonntag bis Freitag, alle zwei Wochen bis Sonnabend. Die tägliche Arbeitszeit beträgt zwischen 9 und 12 Stunden. Als Verdienst erhält er ein Nettoeinkommen von ca. 780 und damit liegt Herr K. weit unter der Armutsgrenze, ja er ist sogar armutsgefährdet. Zum Glück ist Herr K. alleinstehend. Zu einer Familiengründung ist dieses Einkommen auch nicht geeignet, von einer zukünftigen Altersabsicherung bzw. entsprechenden Vorsorgeleistungen einmal ganz abgesehen.
Arm trotz Arbeit
Diese kurze Geschichte ist kein Extrembeispiel, sondern spiegelt die Einkommenssituation breiter Schichten in Ostdeutschland wieder. Die Rechenexempel der Bundesregierung, die für gewöhnlich von dem Familienvater ausgehen mit einem Einkommen von 3000 Brutto, sind für Ostdeutschland jenseits von gut und böse. Wer hier die Hälfte bekommt, gehört schon zu den einigermaßen gut verdienenden Arbeitnehmern.
Es ist schwer vermittelbar, wie man sich bei diesen Einkommensverhältnissen gegen den Vorschlag eines Mindestlohnes von 7,50 pro Stunde entscheiden kann. Hier geht es im Endeffekt um einen Nettomonatsverdienst von ca. 1000 für ein Vollzeitarbeitsverhältnis. Dieses Einkommen liegt in der Bundesrepublik immer noch unter der Armutsgrenze.
Was heißt Teilhabe?
Wo das Problem liegt, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass quasi zeitgleich mit der Entscheidung gegen einen Mindestlohn die größte Absenkung der Unternehmenssteuern durch den Bundesrat gewunken wurde.
Wir haben kein Arbeitsplatzproblem, sondern ein Verteilungsproblem, das breite Schichten von einer gerechten Verteilung in unserer Arbeitsgesellschaft ausschließt.
Gottes Güte
Wie eine sinnvolle und menschenwürdige Verteilungsgerechtigkeit aussehen könnte, wird im Matthäusevangelium im 20. Kapitel beschrieben. Ein Weinbergbesitzer stellt den ganzen Tag über Arbeitssuchende ein. Er entlohnt sie am Abend aber nicht nach ihrer Leistung oder ihrer Arbeitszeit, sondern danach, was sie für sich und ihre Familie zu einem guten Leben in der Gesellschaft brauchen.
Damit ist das Ziel allen gesellschaftlichen Handelns definiert: ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen, das auch die Belange der ganzen Schöpfung immer mit einbezieht.
Matth. 20 handelt nicht vom Mindestlohn und der Mindestlohn löst nicht alle unsere Probleme, aber er wäre ein kleiner Beitrag zu mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.
Jürgen Morgenstern, KDA Sachsen
jm@kd-sachsen.de
Weitere Ausgaben
- 01.02.12: Februar 2012: Achtet die Menschenwürde!
- 21.12.11: Januar 2012: Neues Jahr - Neue Kraft
- 01.12.11: Dezember 2011: Du darfst Du sein!
- 09.11.11: November 2011: Firma verpfeifen?
- 01.10.11: Oktober 2011: Ich zahle gerne Steuern
- 01.09.11: September 2011: Armes reiches Deutschland?
- 01.08.11: August 2011: Griechenland - über den Verhältnissen gelebt?
- 01.07.11: Juli 2011: Das "deutsche Jobwunder" und die Statistik
- 01.06.11: Juni 2011: Mach dich mal frei
- 01.05.11: Mai 2011: Arbeit Plus ...
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- 01.03.11: März 2011: Mach dein Ding?! Vom Leben zwischen Erfolg und Scheitern
- 01.02.11: Februar 2011: Betriebsstoff: Vertrauen
- 01.01.11: Januar 2011: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
- 01.12.10: Dezember 2010: Licht am Horizont
- 01.11.10: November 2010: Der feste Platz zwischen allen Stühlen
- 01.10.10: Oktober 2010: (Aus-)Bildung zum Leben
- 01.09.10: September 2010: Gewalt ist (zu) billig
- 01.08.10: August 2010: Wenn Onkel Dagobert nicht nur an sich denkt...
- 01.07.10: Juli 2010: Fair teilen statt sozial spalten
- 01.06.10: Juni 2010: Ein Kamel und ein Nadelöhr
- 01.05.10: Mai 2010: "Wir gehen vor?"
- 01.04.10: April 2010: "Arbeitest Du noch oder lebst Du schon?"
- 01.03.10: März 2010: "Betriebsratsbeglückt"
- 01.02.10: Februar 2010: Freisprechungen
- 01.01.10: Januar 2010: Das Erschrecken hat ein Ende!
- 01.12.09: Dezember 2009: Advent - einen Schritt voraus
- 01.11.09: November 2009: Wenn die Zeit der Arbeit davonläuft
- 01.10.09: Oktober 2009: Menschenwürdige Arbeit Ein interreligiöses Gespräch
- 01.09.09: September 2009: Sie haben die Wahl!
- 01.08.09: August 2009: Alle rufen nach Verantwortung
- 01.07.09: Juli 2009: Umsteuern jetzt!! - Wettlauf mit dem Klimawandel
- 01.06.09: Juni 2009: Die Wüste blüht
- 22.05.09: Mai 2009: Menschenwürde im Krisenmanagement
- 01.04.09: April 2009: Gottes Balance
- 09.03.09: März 2009: StarreWorteZukunft...
- 01.02.09: Februar 2009: "Darum fürchten wir uns nicht..."
- 01.01.09: Januar 2009: Unbegrenzte Möglichkeiten
- 01.12.08: Dezember 2008: "Gottes Gegenbewegung"
- 01.11.08: November 2008: Hab-Gier? Hab-Seligkeit!
- 01.10.08: Oktober 2008: Fanny und Freddy von Freiheiten und Grenzen
- 01.09.08: September 2008: Wer nicht aufhören kann, mit dem ist auch nichts anzufangen
- 01.08.08: August 2008: Der Speck muss weg!
- 01.07.08: Juli 2008: Liberalisierung um jeden Preis?
- 01.06.08: Juni 2008: Nie wieder 2. Liga!
- 01.05.08: Mai 2008: "Wie im Himmel, so auf Erden"
- 01.04.08: April 2008: Sind Sie gut beraten?
- 03.03.08: März 2008: Solidarität
- 01.02.08: Februar 2008: Den Menschen stärken
- 08.01.08: Januar 2008: Jesus Christus spricht: ich lebe und ihr sollt auch leben.
- 01.12.07: Dezember 2007: "... wenn der Zeitdruck chronisch wird"
- 01.11.07: November 2007: Einheit - Freiheit - Teilhabe
- 01.10.07: Oktober 2007: Hauptsache (Lebens-)Qualität
- 01.09.07: September 2007: Wenn die Normaluhr abläuft...
- 01.07.07: Juli 2007: Gute Wirtschaft - Corporate Social Responsibility
- 01.06.07: Juni 2007: Moderne Armut - "Die haben nichts - die bringen nichts"
- 10.05.07: Mai 2007: Arbeitstag - Tag der Arbeit
- 01.04.07: April 2007: Volksentscheid
- 01.03.07: März 2007: Rente mit 67?
- 01.02.07: Februar 2007: Was lohnt
- 01.01.07: Januar 2007: Also dann - auf ein Neues!
- 01.12.06: Dezember 2006: "Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils." Jesaja 12, 3
- 01.08.06: August 2006: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen." Johannes 10,10
- 01.07.06: Juli 2006: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen
- 06.06.06: Juni 2006: Zur Freiheit befreit - von der Sklaverei der Umstände
- 09.05.06: Mai 2006: Arbeit braucht Spiritualität
- 03.04.06: April 2006: Schritte zur Versöhnung
- 03.02.06: Februar 2006: Liebe "auf Arbeit"
- 03.01.06: Januar 2006: Stabilitätspakt für 2006
- 01.12.05: Dezember 2005: Kind. Macht. Zukunft.
- 01.11.05: November 2005: Haben oder Sein?
- 01.10.05: Oktober 2005: Planspiele oder Perspektiven?
- 29.08.05: September 2005: Wahl - Los!
- 02.08.05: August 2005: Quo vadis? - Wie orientieren wir uns?
- 03.06.05: Juni 2005: Loosing durch "Winning"
- 01.05.05: Mai 2005: Beten. Arbeiten. Würde.
- 01.02.05: Februar 2005: Bildung fängt unten an !
- 06.01.05: Januar 2005: Das Jahr der Familie?
- 20.10.04: November 2004: Lebensarbeitsleistung
- 30.09.04: Oktober 2004: Armut und Reichtum
- 01.09.04: September 2004: Hartz weg! Das ist zu einfach!
- 10.07.04: Juli 2004: Schleudergefahr!
- 10.06.04: Juni 2004: Lob der Steuer
- 10.05.04: Mai 2004: Mehr arbeiten!
- 10.04.04: April 2004: Lehrstellen(fehl)abgabe
- 10.03.04: März 2004: Die Maut-Connection
- 10.02.04: Februar 2004: PYRAMIDEN
- 10.01.04: Januar 2004: Alles Gute für 2004!
- 10.10.03: Oktober 2003: Eigentum verpflichtet.
- 10.09.03: September 2003: ver.di, IGM & Co. - Deutsche Dinosaurier?
- 10.07.03: Juli 2003: Geben und Nehmen
- 10.06.03: Juni 2003: Kaufen oder Sparen - Politik und Wirtschaft in der Krise
- 10.05.03: Mai 2003: Dumm - nachhaltig
- 10.04.03: April 2003: Frieden und Reformen
- 10.03.03: März 2003: Ich-AG: Unwort des Jahres 2002



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