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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Februar 2007: Was lohnt

Wir treffen Herrn B. im Parkhaus: Er hat einen Arbeitsplatz als Sicherheitsmitarbeiter einer deutschlandweiten agierenden Firma, verdient 6,57 € brutto in der Stunde und hat dabei noch Glück, weil sein Arbeitgeber Tariflohn zahlt. Er steht in einem kleinen Überwachungsraum im Untergeschoß eines riesigen Parkhauses in der Innenstadt mit tausenden von Stellplätzen. Die Luft ist Abgas-stickig. „Bei unserer Arbeit muss man Nerven wie Stahlseile haben“, sagt er. Vier Monitore sind an einer Wand montiert, drei Telefone und ein Fax können sich auch mal gleichzeitig melden. Eine Frau will am Tresen ihren Parkschein abstempeln lassen, weil der Automat mal wieder nicht funktioniert. „Wir haben uns jetzt auf Kurzpausen am Arbeitsplatz geeinigt, weil Pausen-Vertretungen nicht möglich sind.“ Im Klartext heißt das:
12 Stunden im Autogestank durcharbeiten und den Bissen vom Frühstücksbrot schnell runterschlucken, wenn ein Kunde auftaucht, höchstens in der Nachtschicht bleibt ein wenig mehr Zeit. 20 Schichten a 10 Stunden macht er im Monat, viele seiner Kolleginnen brauchen 23 Schichten, damit sie mit dem Geld klar kommen. „Urlaub?“ Das kann sich hier keiner leisten, die bleiben alle zu Hause“. „Private Altersvorsorge? – das ist doch eine Lachnummer! Wenn ich rechne: ein Auto brauche ich, um zur Arbeit zu kommen, schon

wegen der Nachtschichten, das kostet mich allein 250 € im Monat.“ Sein Chef sagt: „Die Motivation ist schon ein Problem, die Leute bei dem Gehalt bei der Stange zu halten. Da muss man viel tun. Ein Mindestlohn von 7,50 € würde ich sehr begrüßen, denn die Kunden, die unsere Dienstleistungen wollen, könnten auch mehr zahlen; die wollen nur nicht.“

Beeindruckend, wenn man den Menschen zuhört! Gehen Sie mal mit wachen Augen durch ihr Parkhaus. Ich stelle mir vor, wie die Erzählung aussähe, wenn Herr B. auch noch drei Schulkinder hätte… Der Mindestbedarf ist dann bei ca. 1800 € definiert. Dafür müsste er 12 Stunden an jedem Arbeitstag im Jahr arbeiten. Niedriglöhne werden vor allen Dingen im Wachdienst, in der Landwirtschaft und im Gartenbau, in der Floristik, in Hotels und Gaststätten, bei den Gebäudereinigern und im

Friseurgewerbe gezahlt – so sagt es die Bundesregierung.

Alles Branchen, die ihre „Produktion“ nicht verlagern können. Da wundert mich die Diskussion: Mindestlöhne oder Kombilöhne oder negative Einkommenssteuer oder, oder… würden eine Abwanderung der Arbeitsplätze ins Ausland hervorrufen. Gute Idee, denke ich, fahren wir doch zum Haare schneiden nach Bangkok und unser Auto könnten wir doch auch in China in die Parkgarage stellen.

Für frisierte Haare, saubere Büros und Hotelzimmer, bewachte Garagen und gepflegte Gärten in Deutschland muss das Wort Jesu gelten: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert!“ Und der ist gerecht, wenn er auskömmlich ist.

Dr. - Ing. Uwe Brinkmann,
Industriepastor in
Niedersachsen-Süd
brinkmann@kirchliche-dienste.de

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