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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

August 2006: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen." Johannes 10,10

Das Bild vom Guten Hirten zählt zu den bekanntesten Bibelstellen. Jesus unterscheidet zwischen sich als guten Hirten, der für seine Schafe sorgt, sogar sein Leben für sie gibt, und Dieben und Räubern, die nur ihren eigenen Interessen folgen.

Jesus stellt klar: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ Eine herausfordernde Aussage, damals wie heute. Alle Verheißungen des Neuen Testaments münden in dieser Aussage: Jesus will den Menschen das Leben und volle Genüge bringen. Leben ist das Gut der Güter schlechthin - im wesentlichen Sinn und in Ewigkeit. Jesus bringt den Menschen das gute Leben, Glück, volle Genüge. Aber was bedeutet diese Verheißung für uns heute?

Leben in Fülle ist viel mehr als eine rhetorische Floskel. Leben in Fülle ist ein Angebot, das uns, wenn wir es richtig ernst nehmen, die Politik, unser Wirtschaften und unsere Gesellschaft
überdenken lässt.

In weiten Teilen unserer Erde sind Armut und sogar Hunger verbreitet, gibt es sehr große wirtschaftliche, politische und oft auch religiöse Konflikte und Verwerfungen. Und bei uns in Deutschland? In vielen Bereichen unseres persönlichen Lebens hierzulande wächst die Unsicherheit. Reicht mein Einkommen auch morgen noch? Was wird aus meinem Arbeitsplatz? Mit 45 Jahren zu alt für Arbeit? Sozialhilfe, die jetzt Hartz IV heißt, als Antwort auf Arbeitslosigkeit? Hauptschüler, die keine Ausbildungsstelle finden? Steigende Steuern und steigende Ausgaben bei sinkenden Einkommen? Eltern, die ihren Kindern keinen Mut mehr machen können, weil sie selbst keinen mehr haben? Selbst Menschen, die gesund sind, einen guten Arbeitsplatz, genügend Einkommen und Familie und Freunde haben, strahlen keine richtige Zufriedenheit mehr aus und flüchten sich in Zukunftsängste. Sieht so etwa das gute Leben aus?

Wenn man Menschen heute fragt, was ihre größte Hoffnung und Sehnsucht ist, hat ihre Antwort fast immer etwas mit erfülltem Leben, mit Glück und Liebe zu tun. Wir fragen heute kaum noch: “Wie kriege ich Sünderin oder Sünder einen gnädigen Gott?“ Aber wir fragen uns umso intensiver: „Wie komme ich zu Leben in reicher Fülle?“ Dahinter steht vielleicht das Wissen, dass man das Leben auch verfehlen kann.
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen“.

Durch Jesus Christus und sein Wort wird deutlich, das wir unsere Lebensqualität nicht aus uns erreichen können, sondern sie wird uns durch IHN zugesprochen und damit auch durch IHN garantiert. Und es regt zum Nachdenken an, was „genug“ heißt für uns in einer gerechten und solidarischen Gesellschaft. Und denken Sie an die lieben Schafe, die doch ein Bild der Zufriedenheit abgeben, wenn ihr Hirte bei ihnen ist. Ich finde, wir brauchen diesen Hirtendienst auch, die Geborgenheit, die Jesus gibt. Die Verbundenheit mit Jesus gibt uns klare Orientierung im Leben und Vergebung unserer Schuld.

Brigitte Siebe, Ev.-luth. Kirchenkreis Celle, Leiterin Beratungsstelle für arbeitslose Bürger

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