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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Juli 2006: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen

Alle reden von den Jobchancen, die die Fußball-WM in Deutschland bietet, keiner spricht darüber, dass es sich zumeist um kurzfristige und unsichere Beschäftigungen handelt. Der Trend zur Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen und zum Outsourcing ganzer Dienstleistungsbereiche, wie beispielsweise die Reinigungsdienste in großen Hotels, kostet sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Solche
Hotelbetreiber waschen nach Razzien, bei denen illegale Beschäftigte entdeckt werden, ihre Hände in Unschuld, da es sich bei den Anstellungsträgern um Subunternehmen handelt. Und oft haben die Hotels keine Klarheit darüber, dass die beauftragten Subunternehmen Schwarzarbeiter beschäftigen. Durch den zusätzlichen Arbeitsanfall während der WM geht der Überblick dann gänzlich verloren. Häufig sind auch die Arbeitsbedingungen der legal Beschäftigten von prekären Arbeitszeiten und Verstößen gegen den Arbeitsschutz geprägt. Diese Menschen arbeiten, damit die ganze Welt feiern kann. Und wo finden sie Gehör?

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

So einfach ist das? Jesus bietet jedem, der kommt, seine Gegenwart und Zuwendung an? Der Ausspruch steht im Zusammenhang mit den Predigten Jesu vom Brot des Lebens: „Ich bin das Brot des Lebens“. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten“.

Wenn Jesus davon spricht, dass Hunger und Durst gestillt werden, meint es das im wörtlichen und im übertragenen Sinne: Jede/r soll satt werden, und jede/r soll die Chancen erhalten, ein sinnvolles Leben zu führen. Jesus trennt die materiellen und spirituellen Seiten unseres Lebens nicht.

Er sieht die alleinerziehende Mutter mit den drei Kindern, die nicht weiter weiß. Er sieht den alten Mann, der einsam ist und auf Zuwendung wartet. Er sieht die arbeitslose Entfünfzigerin, der bei jeder Bewerbung gesagt wird, sie sei zu alt. Und er sieht das Unrecht auf dieser Welt. Deshalb geht uns das Unrecht und das Leid etwas an.

Es kommt darauf an, dass die Menschen teilhaben. Erwerbsarbeit ist Mittel zur Existenzsicherung und zur Teilhabe.
Es ist wichtig, dass der Mensch selbst für seine Existenzgrundlage und die seiner Familie sorgen kann. Aber: Zu fairen Bedingungen; denn Arbeit ist mehr als ein bloßes Mittel zur Existenzsicherung und kann nicht auf Dauer durch Unterstützungsleistungen ausgeglichen werden.

Erwerbsarbeit ermöglicht menschliche Beziehungen. Sie bedeutet Beteiligung am gesellschaftlichen Leben. Aber die Bedingungen müssen auch so sein, dass es Beteiligung bedeutet.

Jesus hat unsere Bedürftigkeit im Blick. Doch er sagt uns, dass die Befriedigung körperlicher und materieller Bedürfnisse allein kein sinnerfülltes Leben ausmacht. Sein Angebot an uns gilt immer noch, ohne Vorbedingungen und Vorleistungen von unserer Seite: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“.

Otto Böschen, Sozialsekretär
Region Niedersachsen Nord

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