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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Juni 2006: Zur Freiheit befreit - von der Sklaverei der Umstände

Immer wieder bekomme ich es zu hören: „Das war notwendig!“, „Der Markt ließ uns keine Wahl!“ Eine Produktlinie wird nach Osten verlagert oder Personal „dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt“.
Das TINA – Prinzip (There Is No Alternative) begegnet mir überall. Menschen sehen sich ohne Wahlmöglichkeiten und Aussichten.
Gleiches kann man quer durch die Hierarchiestufen und auch bei Menschen am Rande unserer Gesellschaft beobachten. Menschen, die sich als Sklaven einer Struktur sehen. Wirtschaft und Globalisierung werden wie ein Gewitter erlebt. Da bleibt die Frage: Leben und arbeiten wir in einem sich selbst steuernden Prozess, in dem sich alle, vom Politiker, über die Führungskraft bis zum Arbeiter, als Getriebene präsentieren und es keine Treiber gibt? Das könnte einem Angst machen. Die Bibel setzt dagegen: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Sklaverei auflegen!“ (Gal. 5,1) Dieser Satz wird Menschen gesagt, die sich gerade in einer aussichtslosen Struktur verfangen und er wirft die Frage auf: Sind Wirtschaft und Globalisierung wirklich Prozesse, die die Menschen vor sich hertreiben?
Zunächst könnte es wie Hohn klingen, wenn einer Führungskraft in ihrer Sandwichposition gesagt wird: zerbreche das Joch der Sklaverei der Umstände - nutze Deine Freiheitsgrade für die Menschen, die dir anvertraut sind.
Bei genauem Hinschauen gibt es jedoch für jede Führungskraft und jeden Menschen Freiräume.
Viele Bedingungen liegen fest. Das ist im Leben so. Aber neben vielen Festlegungen gibt es auch Freiheiten, die zu nutzen oder zu erkämpfen sind.
Ganz praktisch kann das so aussehen, wie bei dem Personalchef eines Betriebes in einem internationalen Konzern. Er muss Menschen entlassen. Das ist seine Festlegung, doch in den Sozialplan schreibt er mit dem Betriebsrat eine Beratungsmöglichkeit für
die zu Entlassenen hinein und hängt sich selbst ans Telefon und sucht Ersatzstellen für seine Leute. Ein zusätzlicher Kostenfaktor, der gegenüber den Vorgesetzten und dem Konzern durchgesetzt werden muss. Am Ende des Prozesses sind jedoch über die Beratung Menschen schneller wieder in eine neue Arbeit gekommen oder haben Starthilfen in die Selbständigkeit bekommen – der Betrieb hat unter dem Strich sogar Geld gespart. Nur eine Idee Freiheit gegen die Sklaverei der Umstände zu setzen.
Wer genau hinschaut sieht viele solcher Beispiele. Gut, wenn viele ihnen folgen und zur Freiheit befreit kreative Ideen entwickeln.

Pastor Uwe Brinkmann

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