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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Mai 2006: Arbeit braucht Spiritualität

„Als die Läufer zusammenbrachen, standen die Trainer ratlos; sie hatten alles trainiert, nur nicht die Niederlage.“ Von diesem Spruch auf unserer Homepage finden sich viele Menschen persönlich angesprochen: Ausgepowerte Manager, in der Insolvenz stehende Unternehmer, entlassene Arbeitnehmer, enttäuschte Gewerkschaftler.
Arbeit ist auf Erfolg ausgerichtet, auf die Erreichung von betrieblichen und auch persönlichen Zielen. Wo bleibt der Mensch, wenn die Arbeit keinen Sinn gibt, wenn Enttäuschung und Frust regieren? Menschen, die mit uns zwei Tage im Kloster waren, sagen: Arbeit braucht auch einen Glauben, ein Eingebettetsein in einen größeren Sinnzusammenhang,ein Festhalten an Werten auch in Niederlagen. Was sie erleben, ist Spiritualität, ist das Hineinnehmen in die Sphäre Gottes. Es sind die kurzen Andachten am Morgen, mittags, am Abend, die deutlich machen: Menschen können nicht immer nur geben, sie brauchen auch eine Quelle der Kraft, die ihnen Halt und Zuspruch gibt. Es ist das Ernstnehmen der eigenen Person, das Erkennen und Nutzen der eigenen Gaben und Fähigkeiten für das Leben, ohne sie gleich für den Arbeitsprozess zu instrumentalisieren. Der Mensch ist für sich unendlich viel wert, ist einzigartig geschaffen, ist ein Bild Gottes. Und es ist auch das Einüben einzelner Phasen von Veränderungsprozessen, die Zeit erfordern, die wie die einzelnen Stationen eines Gottesdienstes durchlebt und durchschritten werden müssen. Kloster auf Zeit, um die Grundlagen des Lebens und Arbeitens wiederzufinden, zu denen immer auch das Umgehen mit Niederlagen gehört. In der Geschichte von Jesus geht der Weg vom Dunklen ins Licht, von der Niederlage zum Sieg. Und es sind die Werte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die die Orientierung geben. Viele von denen, die mit uns im Kloster waren, erzählen von dem, was sie dort für sich neu erfahren haben: Dass sie sich nun mehr spirituelle Pausen im Tagesgeschäft nehmen, drei Minuten der Besinnung, bevor der PC hochgefahren wird, oder mittags vor dem Essen, oder beim Lesen der wöchentlichen Auslegung eines Bibelspruches. Aber sie machen auch die Erfahrung, dass andere dies nur sehr bedingt nachvollziehen können. Spiritualität braucht Training, braucht das eigene Erfahren. Da ist es wie bei der Arbeit: Mitreden kann nur der, wer auch einmal dabei war.
Der Monatsspruch für Mai macht dazu Mut: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“ (Gal 3, 26)

Pastor Ralf Reuter, Spiritual Consulting im KDA Hannover
reuter@kirchliche-dienste.de
www.spiritual-consulting.de

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