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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Februar 2006: Liebe "auf Arbeit"

Nadine und Daniel sind beide im ersten Ausbildungsjahr. Sie wissen schon lange, dass sie sich mögen. Nadine sieht zu, dass sie möglichst oft den Straubstock neben Daniel bekommt. Dann wird der Arbeitstag schön. Daniel freut sich darüber. Jeden Morgen Schmetterlinge im Bauch der beiden 17jährigen. Den Meister freut es. Die beiden passen zusammen. Liebe „auf Arbeit“ - das gibt Schwung.

Uschi und Manni arbeiten in der Verpackung. Sie sehen sich nur im Frühstücksraum. Uschi bringt Manni manchmal ein Fischbrötchen mit. Uschi ist geschieden. Sie leidet unter der Scheidung. Sie muss oft weinen. Bei Manni traut sie sich das. Ihm kann sie vieles erzählen. Auch seine Ehe ist kaputt. Neulich waren sie zusammen in der Disko. Und nächstes Wochenende wollen sie zusammen nach Holland. Liebe „auf Arbeit“ – das macht Mut.

Kaya ist Servicemann. Er ist gläubiger Muslim. Er leidet darunter, dass viele den Islam für eine gefährliche Religion halten. Er weiß nicht, mit wem er darüber reden soll. Einmal hat er mit Thorsten darüber gesprochen. Thorsten ist Gewerkschaftler und im Kirchenvorstand seiner Gemeinde. (Das passt für Thorsten gut zusammen!) Da ging es Kaya besser. Seitdem reden sie öfter. Thorsten versteht immer mehr vom Islam. Neulich hat er Kaya in den Kirchenvorstand eingeladen. Er könnte da doch auch mal erzählen, hat er gesagt. Liebe „auf Arbeit“ – da fängt man an, zu verstehen.

Dagmar stottert. Darum sagt sie meistens nichts. Viele machen sich über sie lustig. Vor allem die, die sie nicht kennen. Dagmar ist eine richtig klasse Kollegin. Sie versteht etwas von ihrem Job. Und von Motorrädern. Wer damit ein Problem hat, ist bei ihr richtig. In der Zentralwerkstatt wissen alle um Dagmars Problem. Aber weil sich alle daran gewöhnt haben, ist es eigentlich keins mehr. Dagmar fühlt sich wohl unter ihren Kollegen. Sie hat kaum noch Angst, stecken zu bleiben. Liebe „auf Arbeit“ – da hat man weniger Angst.

Liebe „auf Arbeit“ – da tut sich etwas. Sie gibt Schwung, sie macht Mut, sie hilft zu verstehen und sie vertreibt Angst. Diese Liebe schafft gelingende Beziehungen und Kollegialität. Sie ist stärker als Ausgrenzung und Diskriminierung. Sie macht aufmerksam für die Ängste der anderen. Sie schafft ein besseres Klima. Auch im Betrieb.

Heute schon geliebt? Heute schon jemanden Mut gemacht? Jemanden die Angst genommen oder versucht, zu verstehen? Heute schon am Betriebsklima gearbeitet – durch Liebe? Wer an Gott glaubt, versucht es mit Liebe.

In der Bibel heißt es: „Die den Herren lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht“. Richter 5,31.

Durch die Liebe den anderen zur Sonne werden. Wärme schenken. Vertrauen. Geborgenheit. Streit schlichten und Versöhnung schaffen. Warum eigentlich nicht! Streit, Traurigkeit, Schatten, Kälte, Dunkelheit, gibt es genug auf der Welt und im Betrieb. Darum brauchen wir: Liebe „auf Arbeit“.

Rolf Adler, Pastor des kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt in der Region Osnabrück und Ostfriesland

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