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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

August 2005: Quo vadis? - Wie orientieren wir uns?

Quo vadis? Wo wollen wir mit unserem Land eigentlich hin? Zwischen Vertrauensfrage und Arbeitslosenzahlen fragen sich das manche. Zurück in die gute alte Zeit der sicheren Arbeitsplätze und der abgeschotteten Märkte wünschen sich einige. Aber den günstigen Kaffee und die Haushaltselektronik möchte jeder mitnehmen! Nein! Die gute alte Zeit ist eine verklärte Sicht der Vergangenheit. Dahin kann keiner zurück, weil es das alles so nie gegeben hat. Nach vorne wollen heißt Quo vadis fragen: Wo soll es hingehen? Wo ist das Ziel, der Horizont, auf den wir zugehen? Der scheint mir im Hickhack um Macht und Einfluss bei vielen abhanden gekommen zu sein. Zeitungen titeln: „Politiker ohne Orientierung!“. Was heißt das eigentlich? Orientieren ist ein altes Wort und hat den Orient als Land im Osten im Wortstamm. An Kirchen kann man gut studieren, was das heißt. Sie sind alle mit dem Altar nach Osten ausgerichtet, aus dem Jesus, das Licht der Welt, erwartet wird. Orientierung als Zielbestimmung für Leben und Sterben. Man kann das auch geostet nennen. Heute wird wenig geostet. Wenn ein Mensch in eine neue Umgebung kommt, dann wird er eingenordet. Einnorden ist vom Kompass abgeleitet, der die Himmelsrichtung nach dem Unterschied von Nord- und Südpol magnetisch bestimmt. Wir wissen dann, wo die Pole sind. Das bedeutet aber noch nicht, das Ziel zu kennen. Ist es Zufall, dass das Hauptwort dazu Polarisierung heißt?

Einnorden polarisiert – osten orientiert!

Wenn alle Welt nach Orientierung sucht, darf man nicht nach den Polen suchen. Polarisierung hilft da nicht weiter, sondern führt in die Kälte der Pole. Orientierung fehlt mir z. B. in der wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussion um die soziale Markwirtschaft.

Orientieren heißt quer zu den Polen denken

Da geht es mir zu häufig:
• um die reine Angebots- oder Nachfragepolitik.
• um die reine Marktwirtschaft oder die gegängelte Planwirtschaft.
• um Globalisierung als Alptraum oder Heilbringer.

Quergedacht ist soziale Marktwirtschaft ein Rahmen, der in der globalisierten Herausforderung orientiert und befreit:
• auskömmliches Einkommen
• effiziente Arbeitsstrukturen
• faire Arbeitsbedingungen
• kreative Mitbestimmung
• effektiver Arbeitsschutz
• offensives Angehen der Globalisierung

Das Wie orientiert das Was:

• Arbeitsstrukturen können effizient sein, ohne ungebührlich zu beanspruchen.
• Mitbestimmung wird von Geschäftsleitungen als kreative Bereicherung erlebt.
• Arbeitsplatzverlagerung ist kein offensives Angehen der Globalisierung.

Die orientierende Frage heißt: Wo liegt die „Win-win“ – Situation?

Eine nur freie Marktwirtschaft wird von der Globalisierung herausgefordert und ihr nicht gerecht. Es bleiben zu viele Menschen auf der Strecke. Eine sozial, ökologisch und global verpflichtete Marktwirtschaft ist das Ziel, an dem wir uns orientieren können. So ermöglichen wir zukunftsfähige Gesellschaft.

Dr. –Ing. Uwe Brinkmann,
Industriepastor für die Region Niedersachsen-Süd

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