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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Juni 2005: Loosing durch "Winning"

„Die Bibel für ganze Managergenerationen…“ – „Sie müssen kein anderes Managementbuch mehr lesen!“: Das sind zweifelhafte Empfehlungen für das soeben erschienene Buch „Winning“ von Jack Welch.

Jack Welch, genannt „Neutronen-Jack“, trimmte den US-Konzern General Electric (GE) während seiner mehr als 20 Jahre langen Führerschaft zur weltweiten Nummer eins. Nach dem Motto „Siegreiche Unternehmen verbessern die Welt“ wurden Geschäftsfelder, die es nicht schafften eine erste oder zweite Position am Markt zu erzielen, fallengelassen. Schadenfreude geht an die Adressen von Companies, die ihre Verschlankung offenbar verpennt haben: General Motors z.B. oder Ford, deren Aktien in Brookerkreisen nur noch als Schrott bewertet sind.

Besondere Akzente setzte der „Manager des (vergangenen) Jahrhunderts“ aber im Personalwesen. In seinem Streben nach Einfachheit beförderte Welch während der ersten Jahre seiner Regentschaft 100.000 Mitarbeiter vor die Tür. Mit Einführung der „20-70-10-Regel“ genoss ein Fünftel seiner Mitarbeiterschaft jede denkbare Förderung, während das schwächste Zehntel entsorgt wurde. Er bezeichnet sich selbst als „Lehrer, der das Beste aus seinen Leuten herausholt“. – Was wohl dann noch von diesen Leuten übrig bleibt…?

Jack Welch – ein autoritärer Führer, Charismatiker und Wirtschafts-Superstar der Vergangenheit als Maßstab und Leitbild zukünftiger Managergenerationen? - Was macht ihn für viele Führungskräfte derart anziehend?

In Zeiten, in denen ein steter sich selbst beschleunigender Wandel das einzig Beständige ist, wächst die Sehnsucht nach eindeutiger Orientierung und kompromisslosen Regeln. Bei vielen Entscheidungsträgern entsteht der Wunsch nach schlichten Lösungen in einer unübersichtlichen Welt. Doch die enden angesichts immer komplexer werdender Systeme irgendwo in der Sackgasse. Deshalb braucht diese Welt keinen polarisierenden Führer und dessen zweifelhaftes Vermächtnis aus dem Zeitalter des Imperialismus.

„Führungs-Kraft“ entsteht weder durch die Kopie von Idolen noch durch antrainiertes Charisma. Jede Führungskraft ist einzigartig und bezieht nachhaltig Anerkennung durch Echtheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit – quasi als Geschenk und Zuwendung.

Profit als reiner Selbstzweck und zum Schaden anderer, exzessiver Umgang mit Kapitalvermögen und Vernichtung von Konkurrenz führt dauerhaft zum Loosing. - „Winning“ entsteht auf lange Sicht durch Bemühen um Gerechtigkeit, Teilhabe und verantwortungsbewusstes Handeln – ganz im Sinne der Werte des biblischen Menschenbildes.


Peter Greulich
Referent im KDA, Region Niedersachsen-Süd

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