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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Februar 2005: Bildung fängt unten an !

Neben Hartz IV kaum bemerkt :
Zum 1. Januar 2005 ist auch ein Bundesgesetz zum Ausbau der Betreuungsangebote für unter Dreijährige in Kraft getreten . Damit sollen bis zum Januar 2010 ca. 250.000 zusätzliche Plätze in Kindertagesstätten und Krippen geschaffen werden.

Ein wohllöbliches Vorhaben. Der Haken ist: Eine Finanzierung aus Bundesmitteln ist nicht vorgesehen. Dafür sollen die ohnehin klammen Länder und Kommunen aufkommen. Und es wäre höchst bedauerlich, wenn die Umsetzung daran scheitern würde.
Dabei liegen die Fakten längst auf dem Tisch: Seit Jahrzehnten klagen Arbeitgeber darüber, dass ein großer Teil der Jugendlichen nicht die Voraussetzungen mitbringt, um eine Ausbildung zu beginnen bzw. erfolgreich abzuschließen. Bemängelt werden Arbeitshaltung und Leistung. Und das zu recht.
Die Pisa-Studien von 2000 und 2003 belegen eindrucksvoll, wie es dazu kommt. Für fast ein Viertel der 15-jährigen Haupt-schüler wird eine problematisch schwache Kompetenz in den Bereichen Mathematik, Lesefähigkeit und Naturwissenschaften festgestellt. Die Prognose für sie lautet: schlechte Chancen für eine nachfolgende Ausbildung und ge-sellschaftliche Teilhabe. Und noch schärfer: Für einige dieser Jugendlichen ist anzunehmen, dass sie bei diesen Voraussetzungen im Alltagsleben nicht werden bestehen können !
Wie kann es dazu kommen?

In der Hauptschule stammen fast 45 % der Schüler aus den untersten ökonomischen, sozialen und kulturellen Schichten. Der Blick ins Klassenzimmer zeigt: Diese "bildungsfernen Kinder" werden häufiger ermahnt, müssen schon im Grundschulalter Klassen wiederholen, haben die schlechteren Zensuren....
Wie ist das zu ändern? Die Bildungsbarriere "Sozialschicht" muss dringend abgebaut werden, sagen die Fachleute. Und weisen zugleich darauf hin, dass die größte Bildungsfähigkeit in der Phase der frühkindlichen Entwick-lung gegeben ist – also etwa bis zum 10. Lebensjahr.
Also: Bildung fängt unten an – bei den Kleinen. Sie müssen frühzeitig und individuell gefördert werden. Und wo dies im Elternhaus nicht genügend geschieht, sind die Erzieherinnen (Erzieher?) in den Kindertagesstätten gefragt. Denn sie haben für einen Teil der Kinder nicht mehr nur familien-ergänzende, sondern familien-ersetzende Funktion. In den Kitas wird die Basis für die Bildung aller sozialen Schichten gelegt. Deshalb sollten wir weniger über die Gründung von Elite-Unis nachdenken, sondern darüber, wie frühkindliche Förderung optimiert und finanziert werden kann.
Denn: Bildung fängt unten an! Das hat übrigens auch schon der Reformator Martin Luther gewusst: "Für die Bildung der Jugend ist mehr aufzuwenden als für Kanonen, Wege, Stege..."

(aus den "Tischreden")

Hans Finette

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