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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Januar 2005: Das Jahr der Familie?

Nun ist es da, das Neue Jahr. Voller Hoffnung schauen alle hin, denn nun soll alles besser werden. Die Konjunktur, die Finanzen und der Arbeitsmarkt. Aber besonders haben sich Politiker aller Couleur die Familie auf die Fahnen geschrieben. Sie soll gestärkt werden, unterstützt in allen Bereichen, denn Deutschland braucht mehr Kinder, dringend! Fieberhaft wird überlegt, wie man die Menschen zur Familiengründung animiert.

Ein wichtiger Punkt ist dabei natürlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Bundesregierung will diverse Milliarden Euro bereitstellen, um die Betreuung von Kindern unter drei Jahren zu verbessern. Das ist ein ganz wichtiger Schritt! Man sollte sich jedoch davor hüten, darin die Lösung des Problems zu sehen.

Es ist doch so: Der gesetzliche Kindergartenanspruch beläuft sich auf einen Vormittag. Damit schafft man mit sehr viel Glück einen Halbtagsjob. Ganztagsplätze sind rar, flexible Betreuungszeiten sowieso. Es wird auch nicht wirklich besser in der Schule: Fünf Stunden garantieren „Betreute Grundschulen“. Nachmittags- und Ferienbetreuung, Mittagessen, Schulaufgabenbetreuung - Fehlanzeige!

Was nützt aber die flexibelste Tagesmutter, wenn die Eltern spätestens in der Schulzeit voll im Regen stehen?

Alltag in einer großen deutschen Krankenkasse : Eine Mutter bittet um Urlaub, weil der Kindergarten geschlossen hat. Obwohl kein Engpass vorliegt, wird ihr Antrag mit den Worten abgelehnt: „Dafür hat man doch eine Oma“. Die Oma wohnt 400 km entfernt. Die Mutter sucht händeringend kurzfristig eine Alternative. Wie es wohl ihr und dem Kind bei dieser „Abschieberei“ geht?

Jüngste Umfragen haben auch gezeigt, dass es schlicht falsch ist, für fehlende Geburten ausschließlich die Betreuungsmöglichkeiten verantwortlich zu machen. Diese Diskussion reduziert Kinder auf Betreuungsobjekte und zukünftige Rentenzahler. Wo bleibt eigentlich die Familie?

Trotz Kindergeld sind die finanziellen Belastungen ernorm, wenn plötzlich ein Einkommen ganz oder halb wegfällt.
Familienfreundliches Wohnen? Höchstens in Neubaugebieten am Stadtrand oder im Umland. Familienpause? Eine lästige Auszeit. Flexibilität am Arbeitsplatz für Mütter und Väter? Eine Seltenheit. Orte auch für Kinder? Das „Kinderparadies“ am Eingang. So „lieb“ ist uns unsere Zukunft.

Und obendrein macht die allgemeine wirtschaftliche Verunsicherungden Kinderwunsch nicht gerade leichter. Ob Paare wirklich Kinder bekommen, wenn der eine Arbeitsplatz gerade gestrichen und der zweite in Gefahr ist? Und ob man Lust auf „Familie“ bekommt, wenn in der schönen, neuen, „betreuten“ Arbeitswelt die Familie nur noch am Wochenende stattfinden darf?

Wir haben gerade wieder die Geburt eines Kindes gefeiert, das mit seinem Kommen Hoffnung für die ganze Welt brachte. Wäre Jesus 2000 Jahre später geboren, so frage ich mich, was hätte die heilige Familie wohl bewegt, nachdem die Weisen sie verlassen hatten? Ob es denn
wirklich nur eine geeignete Kinderbetreuung gewesen wäre?

Anja Klinkott

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