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Wortmeldung

Eine Informationsschrift des KDA der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Juli 2004: Schleudergefahr!

Abbildung zum Beitrag Juli 2004: Schleudergefahr!Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Tatsächlich? Unsere Lebenserfahrung bestätigt dies im Alltag immer wieder. Das Erkennen von Problemen ist das Erste und Wichtigste. Dann kommt das gezielte und besonnene Handeln. So erleben wir das im Straßenverkehr, so sehen wir das beim Fußballspiel. Was wird uns auf der politischen Bühne geboten, gegen Massenarbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und Wachstumsschwäche?
Unsere Mannschaften im Gesellschaftsspiel von Wirtschaft und Politik verhalten sich häufig überraschend anders, scheinen auf Crashkurs programmiert. Dabei wird viel über Chancen und Probleme der Globalisierung in Deutschland gesagt und geschrieben. Oft so, als könne man da wenig tun. Wir können uns tatsächlich der Entwicklung zu globaler Konkurrenz nicht entziehen. Als Exportweltmeister sind wir im übrigen die Hauptprofiteure dabei. Das bleibt nicht automatisch so.
Noch ist Deutschland nicht verloren. Wir können und müssen viel tun, um uns besser für diese globale Herausforderung "aufzustellen". Entweder wir werden zur Standortsicherung in aller Bescheidenheit ein Billiglohnland, wie es Siemens, Conti u.a. vormachen, oder wir setzen langfristig wirksame Wachstumsimpulse dort, wo Deutschland stark ist oder (wieder) werden kann.
Es muss reformiert werden, aber nicht einfach mit der Bremse, es müssen Ungerechtigkeiten und Effizienzdefizite beseitigt werden, um Wachstumsprobleme zu bekämpfen. Insbesondere im Gesundheitswesen, im Bildungssystem, in der Familienpolitik.
Das Gesundheitssystem ist ein Wachstumsbereich mit schrumpfender traditioneller Finanzierungsbasis. Höchste Zeit, es umzustellen für alle Bürger und als Beitragsbasis dabei alle ihre Einkünfte, nicht nur das Arbeitseinkommen zu nehmen.
Ein Zwei-Klassen-System hat sich auch im Bildungssystem breitgemacht. PISA hat gezeigt, Bildungschancen sind in Deutschland von der sozialen Stellung Eltern abhängig. Viele Talente aus einfachen Elternhäusern bleiben unter ihren Möglichkeiten und zu viele schaffen ihren Abschluss nicht - mit all den bekannten negativen sozialen Folgen.
Auch Familienpolitik hat ein Wachstumspotenzial für Gerechtigkeit und Arbeitsmarkt, wie Skandinavien zeigt. Angesichts der gewollten und unterhaltssichernden Berufstätigkeit der Eltern sowie der Förder- und Betreuungslosigkeit von (Einzel-) Kindern am Nachmittag müssen Ganztagsschulen und Ganztagskindergärten die Regel werden. Natürlich übernehmen die erwachsenen Profis dort damit stärker auch persönlichkeitsbildende Aufgaben ergänzend oder ersatzweise von den Eltern. Ist das immer noch unerwünscht?
Eine weitere Parallele zum Gesundheitssystem drängt sich hier auf: teuer, nur mäßig effektiv und reformresistent. Reform- und Einsatzfreude entsteht aber auch nur dort, wo sich Gestaltungschancen eröffnen, wo sich persönliches Engagement lohnt!
Wenn’s brenzlig wird: Augen offen und - mit kühlem Kopf Gas geben!

Hubert Rieping

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