Die Ausstellung
Die achtjährige Miri (Namen geändert) darf nicht in die Schule gehen, weil ihre Eltern keine gültigen Aufenthaltspapiere haben. Ewa lebt seit 15 Jahren illegal in Deutschland, sie ist an Darmkrebs erkrankt und hat keine Krankenversicherung. Mohammed hilft unter falschem Namen bei der Ernte, seinen Schlafplatz hält er geheim, damit er nicht denunziert und abgeschoben wird. Drei Beispiele für Menschen ohne Pass und Papiere aus Niedersachsen.
In Deutschland leben nach Schätzungen 500.000 – 1.000.000 Menschen ohne Pass und Papiere. Allein in Hannover sollen es mehrere Tausend sein. Wie viele es tatsächlich sind, weiß niemand.
Menschen ohne Pass und Papiere oder "Illegale", wie sie oft genannt werden, sind Teil unserer Gesellschaft. Wer durch die Stadt läuft, ist ihnen schon begegnet. Es kann die junge Frau sein, die den Kinderwagen schiebt. Der Handwerker, der im Haus nebenan den Fußboden verlegt hat. Die Putzfrau des Friseursalons oder der junge Mann, der im Restaurant um die Ecke die Teller wäscht. Menschen ohne Pass und Papiere leben unerkannt mitten unter uns. Sie leben in ständiger Angst, entdeckt und in ihre Herkunftsländer abgeschoben zu werden.
Es gibt verschiedene Gründe für ein Leben in der Illegalität. Manche sind, nachdem ihr Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, untergetaucht. Andere sind Bürgerkriegsflüchtlinge, die trotz abgelaufener Duldung in Deutschland geblieben sind. Wieder andere sind mit einem Touristenvisum eingereist, um hier zu arbeiten und haben nach Ablauf des Visums einfach weitergemacht. Andere sind illegal über die Grenze gekommen, auf der Suche nach einem besseren Leben oder einfach nur, um bei Kind, Tochter oder Mutter sein zu können. Sie alle suchen ein menschenwürdiges Leben, das sie in ihren Herkunftsländern nicht finden konnten.
Die rechtliche Lage
In Deutschland wird der illegale Aufenthalt bestraft. Wer keine gültigen Papiere besitzt, hat keinen Zugang zu Bildung. Er bleibt von der staatlichen Gesundheitsversorgung weitgehend ausgeschlossen. Legale Erwerbsmöglichkeiten gibt es nicht. Ohne Papiere kann man weder eine Wohnung mieten noch staatliche Hilfen bekommen.
Kinder, deren Eltern sich illegal in Deutschland aufhalten, haben kein Recht, eine Schule oder einen Kindergarten zu besuchen. Tun sie es dennoch, laufen sie Gefahr, entdeckt zu werden. Öffentliche Einrichtungen sind verpflichtet, illegale Einwanderer der Ausländerbehörde zu melden.
Zur Zeit bewegen sich Ärzte, Sozialarbeiter, Berater in Diakonie und Caritas, Pastoren, Lehrer und andere Helfer in einer rechtlich schwierigen Situation, wenn sie Menschen ohne Pass und Papiere unterstützen. Hilfeleistungen zum illegalen Aufenthalt sind strafbar.
Die Ausstellung
Die Ausstellung ‚Leben im Verborgenen’ schafft Öffentlichkeit für die miserable Lebenssituation von Menschen ohne Pass und Papieren. Sie nimmt Einfluss auf die politische Debatte. Ziel ist es, soziale Mindeststandards und ihre Menschenrechte für illegalisierte Migrantinnen und Migranten in Deutschland einzufordern.
Die Ausstellung zeigt, wie kirchliche und diakonische Einrichtungen den betroffenen Menschen helfen, trotz der strengen rechtlichen Rahmenbedingungen. Wir sind der Überzeugung: Die Menschenrechte müssen für alle Menschen gelten, auch für diejenigen, die kein gesetzliches Aufenthaltsrecht haben. Ihre medizinische Versorgung muss sichergestellt werden. Ihre Kinder müssen zur Schule gehen dürfen. Sie haben ein Recht auf faire Arbeitsbedingungen. Hilfeleistungen müssen straffrei sein. Alle Menschen haben ein Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde.
‚Leben im Verborgenen’ ist eine multimediale Ausstellung. In Bild-, Text- und Tondokumenten wird die Lebenssituation von Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung dargestellt. Für die Ausstellung wurden persönliche Interviews mit Menschen ohne Pass und Papiere in Niedersachsen, Hamburg und Bremen geführt. Die Interviews sind exemplarisch und wurden für die Ausstellung anonymisiert.
An fünf Säulen dokumentieren großflächige Bildtafeln und Texte die Lage der „Illegalen“. Ihre Aussagen werden konfrontiert mit dem Text der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Jede Säule widmet sich einem Schwerpunktthema: Einführung in das Thema, Alltag (Wohnen/Schlafen), Arbeit, Gesundheit, Bildung. Zusätzlich können die Besucher/innen den persönlichen Erfahrungen von Menschen ohne Pass und Papiere über Einohrhörer zuhören. Die Eingangstafel ist eine sprechende Tafel, der man sich mit dem Ohr nähern muss, um die Aussagen zu verstehen.



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