Tag für Frauen 2009
Über 200 Frauen aus allen Regionen der Landeskirche waren zum diesjährigen Tag für Frauen in die Neustädter Hof und Stadtkirche gekommen. Franziska Müller-Rosenau, Landespastorin für Frauenarbeit und Hanne Finke, ehrenamtliche Landesbeauftragte des Frauenwerks gaben in der Begrüßung ihrer Freude über das große Interesse Ausdruck.
Das Thema des Tages: „Der Name Gottes als Zufluchtsort – Beobachtungen und Reflexionen zum rabbinischen Gottesnamen Ha-Makom“ war bestimmt durch den gleichnamigen Hauptvortrag, der von Privatdozentin Dr. Magdalene Frettlöh gehalten wurde. Ausgehend von den menschlichen Grundbedürfnissen nach Wohnung und Beheimatung zeigte sie mit Hilfe des Gedichtes „Mutterland“ von Rose Ausländer wie die Sprache und das Wort zur Asylstätte heimatlos gewordener Menschen werden können. Eindrücklich konnte sie auf diesem Hintergrund die Entstehung des rabbinischen Gottesnamens Ha-Makom (= der Ort) als eines „Exilsnamens“ entfalten. Er spiegelt – so Frettlöh – das schmerzvolle und existentielle Ringen mit dem Verlust der Heimat und des Tempels als des zentralen Ortes verdichteter Gottesgegenwart und eröffnet gleichzeitig einen Erinnerungs- und Hoffnungsraum, in dem Menschen sich „u-topisch“ (ortlos) verorten und beheimaten können. Sie legte überzeugend dar, dass ein solcher Gottessprachraum kein Rückzugsort, keine „Arche“, sondern eher ein Gegenraum ist, der der „prekären und oft Lebensmindernden oder gar Lebensfeindlichen Raum-Wirklichkeit, wie sie uns vor Augen liegt“, widerspricht. Mit Bezug auf die so genannte „Sphärologie“ des zeitgenössischen Philosophen Sloterdijks stellte sie den Makom-Namen Gottes als einen Beziehungsraum dar, in dem „ganz und gar in Liebesdinge verwickelte“ (Sloterdijk) Menschen Befreiung, Heilung, Bergung erfahren können.
Aufregend war für viele Zuhörerinnen wie Magdalene Frettlöh von hier aus zu einem räumlichen Neuverständnis der christlichen Dreifaltigkeit aufrief und zeigte welche tief greifenden ethischen Konsequenzen für Asyl- und Wohnungspolitik eine christliche Gotteslehre hat, die die Beziehungen von Vater, Sohn und heiliger Geistkraft als eine „Urwohngemeinschaft“ denkt, in der jede „Person“ der anderen Raum gibt. In verschiedenen Workshops hatten die Teilnehmerinnen am Nachmittag Gelegenheit, diesen Gedanken auf unterschiedlichen Wegen nachzugehen und sie zu vertiefen.
Pastorin Franziska Müller-Rosenau und Pastorin Anne Rieck boten jeweils eine gut besuchte Bibelarbeit zu relevanten Textstellen des Vortrags an. Annedore Mischkowski ermöglichte meditative Annäherung an den Gottesnamen Ha- Makom im Tanz, Katrin Helbig und Christiane Muntschik von der „Goldgraben-WG“ in Göttingen stellten ein erfolgreiches Modell für „Wohnen im Alter“ vor. Gisela Punke als Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Horneburg gab Gelegenheit sich über „Demenz-Cafés“ zu informieren. „Geborgenheit am Lebensende“ stand bei Erika Ihnken vom Hospizdienst für den Landkreis Wittmund e.V. im Mittelpunkt und Äbtissin Bärbel Görcke stellte das gemeinsame Leben des Frauenkonvents im Kloster Mariensee vor. Hildegard Grosse rundete das Angebot ab und vertiefte mit dem Workshop „Kirchenasyl- Nächstenliebe oder Rechtsbruch?“ die politisch-ethische Dimension des Themas.
Hinzugewachsen waren zu diesen Workshops „in letzter Minute“ zwei weitere Angebote: Die Besichtigung der Skulptur „Echo-Echo“ des israelischen Künstlers Jesoph Semah, die hinter der Neustädter Hof- und Stadtkirche zu finden ist. Dr. Julia Helmke, Beauftragte für Kunst und Kultur der Ev-lutherischen Landeskirche Hannovers, die den Betrachterinnen durch ihre kenntnisreiche Kommentierung die Gestaltung erschloss, musste ihren Vortrag wegen des überwältigenden Interesses fünfmal wiederholen. Ähnlich begeistert waren auch die Teilnehmerinnen, die begleitet von der Landesbeauftragten Hanne Finke und Pastor Klaus Burckhardt (Arbeitsstelle Friedensarbeit des HkD) Gelegenheit hatten den Film „1000 FriedensFrauen weltweit“ anzusehen.
Der Tag schloss mit einer Andacht, in der heilsame Raumerfahrungen Gottes im Mittelpunkt standen. Noch einmal würdigten die Teilnehmerinnen die wunderbare musikalische Begleitung durch Gabriele Buisman (Violine) Susanne Jonda (Klavier), Johanna Kulenkampff (Cello und Saxophon) und Elfriede Wagner (Saxophon), die dem ganzen Tag atmosphärische Glanzlichter aufgesetzt hatte.
Die Kollekte von 580 € wurde für „Leben im Verborgenen“ gesammelt. Dieses Projekt der Arbeitsstelle Islam und Migration im Haus kirchlicher Dienste und des Diakonischen Werkes dient v.a. der medizinischen Hilfe für Menschen, die ohne Pass und Aufenthaltspapiere in Deutschland leben.
Anne Rieck
Tag für Frauen 2009 - Fotos
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