Leah-Malin Schröter und Lisa Feldkord von der Ev.-luth. Johannesgemeinde Völksen im Interview mit der FIFA Schiedsrichterin und dem 96-Sportdirektor am 29.06.2010 im Rahmen einer Pressekonferenz in der AWD-Arena Hannover.

Leah Schröter: Wieso haben Sie sich bereit erklärt  Schirmherrin und Schirmherr für den KonfiCup 2011  zu sein?

Bibiana Steinhaus: Ich finde die Kombination von Kirche und Sport, von Kirche und Fußball außergewöhnlich gut. Im Konfirmandenunterricht, und das kennt Ihr besser als ich, werden viele Werte und Normen vermittelt, vor allem mit christlichem und kirchlichem Hintergrund. Und im Fußball ist es auch so, dass Fair-Play und Respekt vorherrschen und die Spiele nach einem gewissen Regelwerk geleitet werden. Und das ist normaler Weise meine Aufgabe.

Jörg Schmadtke: Ich finde die Idee klasse. Ich glaube, dass beide, Kirche und Fußball, verbindende Elemente in sich tragen sollten. Außerdem bin ich von der Idee überzeugt  und glaube, dass Normen und Werte vermittelt werden sollten. Dazu dienen Kirche und  Sport.


Lisa Feldkord: Was möchten Sie als Schirmherrin bzw. Schirmherr für dieses Projekt tun?

Jörg Schmadtke: Ich denke, das eine oder andere Turnier werden wir vielleicht vor Ort anschauen können. Ansonsten versuchen wir zu unterstützen und Euch Rückenwind mitzugeben, damit Ihr ein schönes  und erfolgreiches Turnier erleben werdet, viele Leute zuschauen und teilhaben können an diesem tollen Event.


Leah Schröter: Engagieren Sie sich auch sonst für Kirche?

Bibiana Steinhaus: Meine Mutter arbeitet im Kirchenvorstand, in der St. Andreasgemeinde  in Bad Lauterberg  und sagt immer ganz liebevoll, sie gehört zum „Bodenpersonal“ der St. Andreasgemeinde. Ich bin christlich aufgewachsen und erzogen worden und kann mich noch gut an meinen Konfirmandenunterricht erinnern. Da haben wir allerdings noch nicht so tolle Sachen wie Fußballspielen gemacht.


Lisa Feldkord: Welche Bedeutung nimmt Kirche und Glauben in Ihrem täglichen Leben ein?

Jörg Schmadtke: Ich meine, als Jugendlicher bekommt man Werte vermittelt, auch durch die Kirche und durch das Elternhaus. Und ich bin selber Familienvater und versuche meinen Kindern bestimmte Dinge mitzugeben, wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Anstand, Fair-Play, auch den Schwächeren sehen. Diese Dinge spielen eine Rolle. Wobei ich nicht verhehlen will, dass hin und wieder, auch bei uns im Sport solche Dinge auch mal untergehen können. Das ist schade, aber das ist so. Da muss man ehrlich sein. Man kann natürlich versuchen, bei sich selber anzufangen und in seinem Umfeld so einzuwirken, dass das Miteinander ein Stück weit leichter wird.


Leah Schröter: Was ist Ihnen als Manager  im täglichen Umgang mit Mannschaft und Betreuerstab wichtig?

Jörg Schmadtke: (lacht) Dass wir eine vernünftige Atmosphäre haben. Dass wir respektvoll miteinander umgehen. Dass wir ehrlich miteinander sind. Und dass wir auch für bestimmte Dinge stehen, egal wie stark der Gegenwind ist, und dass wir uns nicht umwerfen lassen von äußeren Einflüssen, sondern dass wir Dinge, die wir für uns festgelegt haben und die uns wichtig sind, auch in der Öffentlichkeit vertreten.


Lisa Feldkord: Und was Ihnen als Schiedsrichterin bei der Zusammenstellung Ihrer Schiedsrichterteams und Schiedsrichterentscheidungen wichtig?

Bibiana Steinhaus: Vor allem ist es wichtig, dass das Schiedsrichterteam funktioniert; dass wir ein gutes Klima haben; dass wir einander vertrauen; dass wir ehrlich miteinander umgehen und ehrlich reflektieren - wie Fußballmannschaften auch. Nur ist unser Team ein bisschen kleiner. Und es ist einfach so, dass es für mich völlig unerheblich ist, welcher Religion oder Konfession die Mitglieder meines Schiedsrichterteams angehören. Ich glaube, dass es vor allem auf das Miteinander und den Umgang ankommt. Und in diesem Sinne, unter dem Fair-Play-Aspekt und dem respektvollen Gedanken, denke ich, sollten wir miteinander arbeiten.


Leah Schröter: Hier an den Tischen stehen ein ehemaliger Profifußballspieler und die einzige deutsche FIFA-Schiedsrichterin im Männerfußball. Erzählen Sie doch mal aus Ihrer Sicht, wie das ist als Frau in einem Männerspiel und -sport!

Bibiana Steinhaus: (lacht) Gut! Natürlich ist es so, dass wir uns mit der Männer-Fußball-WM in Südafrika und dann der sich anschließenden U-20-Frauen-WM hier im eigenen Land im Fahrwasser für die Frauen-Fußball-WM 2011 befinden und bewegen. Das sind ganz außergewöhnliche Turniere, die einfach noch mal sehr stark verdeutlichen, wie international der Fußball ist und wie leicht der Fußball Menschen zusammen bringt, Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Nationen, unterschiedlicher Konfessionen und Religionen. Und das bezieht sich auf Männer genauso wie auf Frauen. Und in diesem Fahrwasser den  KonfiCup auszutragen, finde ich eine außergewöhnliche tolle Idee, finde ich super und unterstütze das sehr gerne.

Jörg Schmadtke: Wobei man sagen muss, dass die Frauen in unserer Welt und im Fußballsport schon sehr unterrepräsentiert sind. Leider Gottes. Das ist immer noch so. Das ist nicht gut. Bibiana hilft ein bisschen, das aufzubrechen. Und ich hoffe, es wird noch weitere  geben, dass wir von der Männerdomäne im Fußball mal ein Stück weit wegkommen.


Lisa Feldkord: Haben Sie schon einmal eine rote Karte gezeigt?

Bibiana Steinhaus: (zögert leicht und lacht) Die eine oder andere. (alle lachen) Es hätte auch mal die ein oder andere mehr sein können. (lacht)

Jörg Schmadtke: Oder auch weniger. (lacht)

Bibiana Steinhaus: Ja, na klar. Ist schon vorgekommen.


Leah Schröter: Werden Sie auch den KonfiCup-Turnieren in der Landeskirche zuschauen?

Jörg Schmadtke: Ich hoffe ja, dass der Terminkalender das irgendwie zulässt. Ich denke, dass wir über Stefan Kiefer immer gut über die Termine informiert sind. Und wenn es irgendwie reinpasst, würde ich gerne mal vorbeischauen.

Leah Schröter: Und Sie auch?
Bibiana Steinhaus: Auf jeden Fall. Ich denke, dass wir gemeinsam die ein oder andere Veranstaltung besuchen werden.


Lisa Feldkord: Sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen der WM und dem KonfiCup, außer dass der Ball rund ist?

Jörg Schmadtke: (lacht) Ja, ich hoffe, es geht nicht ganz so verbissen zu wie so oft bei so großen Turnieren. Die Freude und Fair-Play sollten im Vordergrund stehen. Das gelingt bei großen Turnieren, wenn es um wichtige Dinge geht, nicht immer. Im Moment, muss ich sagen, sieht es bei der WM relativ gut aus. Ich hoffe, dass es im KonfiCup ähnlich sein wird. Vor allem dass Ihr Freude haben werdet, keine Verletzungen haben werdet und dass Ihr Eure Mitkonfirmanden aus Niedersachsen auch gut kennen lernen werdet und dann auch bundesweit.


Leah Schröter: Durch das KonfiCup-Turnier wollen wir auch auf den Fair-Play-Gedanken hinweisen. Was bedeutet Fair-Play für Sie?

Jörg Schmadtke: Mir ist Fair-Play wichtig. Es gibt ein paar Dinge im Fußball, die ich unangenehm finde. Z.B. wenn ein verletzter Spiele auf dem Boden liegt, der Ball ins Aus gespielt wird und die gegnerische Mannschaft den Ball dann wieder ins Aus spielt. Und dann beim anschließenden Einwurf keine Anspielstationen zulässt. Das sind Dinge, die ich nicht mag. Die ich auch versuche, in den Clubs, in denen ich bin, zu unterbinden. Genauso mag ich es nicht, wenn geschauspielert wird; wenn Fouls vorgetäuscht werden. Man wird nicht alles unterbinden können. Ein paar Dinge gehören auch einfach dazu. Fair-Play sollte schon Bestandteil sein in unserem Sport.


Lisa Feldkord: Wenn für Sie Fair-Play wichtig ist, würden Sie auch eine von Ihnen getroffene Fehlentscheidung zurücknehmen und sich bei dem Geschädigten entschuldigen?

Bibiana Steinhaus: Selbstverständlich treffen Schiedsrichter fast nie Fehlentscheidungen (lacht). Aber ich muss gestehen und das ist mir ja auch schon passiert, natürlich,  dass man im Nachhinein Dinge vielleicht auch anders bewertet, als man sie im ersten Augenblick wahrnimmt. Ich denke, dass gehört auch zum Fußballsport. Persönlich ist es mir wirklich schon passiert, dass ich mal auf Strafstoß entschieden habe und nach Beratung mit meinem Assistenten diese Entscheidung zurückgezogen habe. Das fand bei den Beteiligten Anklang. Wichtig ist unterm Strich, dass die richtige Entscheidung steht. Wie man manchmal da hin kommt, da gibt es viele Wege.


Leah Schröter: Sind Sie nur fair, wenn Sie auf dem Fußballplatz stehen oder fühlen Sie sich auch außerhalb des Fußballplatzes an Fairness gebunden?

Jörg Steinhaus: Ich fühle mich grundsätzlich an Fairness gebunden. Ich bin ja nicht nur Fußballschiedsrichterin, sondern auch Polizeibeamtin. Und auch da ist für mich respektvoller Umgang natürlich total wichtig.


Lisa Feldkord: Wer entscheidet für Sie, was fair ist? Gibt es eine Organisation, die das festlegt? Oder muss sich jeder selbst fragen und Fairness in seinem eigenen Leben umsetzen?

Jörg Schmadtke: Die Regeln bei uns werden vom internationalen Board festgelegt. Da sind wir (schmunzelt) nicht immer ganz glücklich drüber. Denn es gibt da immer ein paar Dinge, die wir albern finden. Z.B. eine Gelbe Karte für das Trikot ausziehen nach einem Tor finden wir schade. Oder dass Spieler, wenn sie ein entscheidendes Tor schießen, nicht mehr auf die Zäune hoch können, um mit den Zuschauern zusammen feiern zu können. Das schafft Distanz. Aber das sind die Regeln. Die haben wir zu befolgen. Letztendlich sind die Protagonisten, die teilhaben, natürlich dafür verantwortlich, wie Fair-Play gelebt wird und wie man miteinander umgeht. Das Regelwerk wird festgelegt. Aber wie es ausgelebt wird, dafür sind dann die Spieler und wir Offiziellen verantwortlich.

Bibiana Steinhaus: Ich denke, das ist ganz wichtig. Die Regeln werden vom internationalen Board vorgegeben. Das bedeutet auch: die Regeln gelten weltweit! Für alle gleich, egal ob man in Südafrika, in Südamerika oder in Europa Fußball spielt. Die Regeln sind immer identisch. Und da sind dann solche Dinge wie z.B. Trikotausziehen zur Unterstützung des Jubels und zum Ausdruck der Freude bei uns in Europa sicherlich gängiges Mittel. Das gilt aber dann vielleicht auch nicht für alle Teile der Welt.


Leah Schröter: Was erwarten Sie oder wünschen Sie sich für den KonfiCup in unserer Landeskirche?

Bibiana Steinhaus: Ich wünsche Euch, dass Ihr ganz viel Spaß habt. Keine Verletzungen. Dass Ihr die Möglichkeit habt, viele Konfirmanden aus ganz Deutschland zu treffen, Euch austauschen und gemeinsam ein tolles sportliches Ereignis zu feiern. Das wünsche ich Euch.


Leah Schröter: Danke!!
Lisa Feldkord: Danke für das Interview!
 

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