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Tagung 1.-3.3.2012 in Loccum

Landeskirche und Migrationsgemeinden machen sich gemeinsam auf den Weg

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Foto: Anna-Christina Petermann
Tagung 1.-3.3.2012 in Loccum

„Jesus sagt: ‚Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben.’ Eine helle Rebe kann nicht zu einer dunklen sagen: ‚Ich will nicht neben dir hängen.’ Sie gehören zusammen.“ Mit diesem Bibelwort bringt Abayomi Bankole, Vorsitzender des Afrikanischen Dachverbandes Norddeutschland, es auf den Punkt. Christin oder Christ ist ein Mensch dadurch, dass er zu Christus gehört. Und das heißt automatisch: Irgendwie hängt er mit den anderen, die auch zu Christus gehören, zusammen.
Was das für das Verhältnis von Migrationsgemeinden und landeskirchlichen Gemeinden bedeutet, war Thema einer Tagung, zu der mehr als 70 Interessierte vom 1. bis 3. März in die Evangelische Akademie Loccum kamen. Ghanaische, ägyptische und finnische Christinnen aus Hannover trafen zusammen mit einheimischen aus Achim und Bremerhaven. Indonesische und koreanische Christen aus Göttingen begegneten deutschen aus Neustadt und Soltau. Unter dem Thema „Glauben leben – vielfältig, international, interkulturell“ feierten sie gemeinsam Gottesdienst, tauschten sich aus, wie aus dem Nebeneinander ein Miteinander werden kann, und ließen sich hierzu von Fachleuten aus anderen Teilen Deutschlands und Europas Tipps geben.
 
Einander wahrnehmen, Vorurteile überwinden, Unterschiede akzeptieren
Zuerst einmal, so Ökumenepfarrer Dietmar Will aus Frankfurt, geht es darum, den „eingeborenen“ Deutschen die Augen dafür zu öffnen, dass Christinnen und Christen aus aller Welt in Deutschland leben und dass ihre Bedeutung zunimmt. Er schätzt, dass in Großstädten wie Frankfurt und Hamburg sonntags ebenso viele Zugewanderte wie Einheimische einen Gottesdienst besuchen. 
„In vielen Migrationsgemeinden“, ergänzte die Ökumenebeauftragte der Nordelbischen Kirche Martina Severin-Kaiser, „begegnen wir den Nachfahren derjenigen, die von unseren Vorfahren missioniert worden sind.“ Und die, betonte Pastor Peter Mansaray vom African Church Council in Hamburg, sind oft schockiert, wenn sie nach Deutschland kommen und feststellen, welch geringe Bedeutung der christliche Glaube im öffentlichen Leben hat. Es gelte, Vorurteile zu überwinden, kulturelle Unterschiede zu verstehen und zu akzeptieren: Eine laute afrikanische Predigt zeugt ebenso wenig davon, dass der Prediger mit Lautstärke den Mangel an Argumenten wettmachen will, wie eine leise vorgetragene deutsche Predigt Indiz dafür ist, dass Gottes mächtiger Geist hier nicht wirkt.
 
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Foto: Anna-Christina Petermann  

Interkulturelle ökumenische Aktivitäten in der Landeskirche

Mehr als 50 Gemeinden der hannoverschen Landeskirche haben Gemeinden anderer Sprache und Herkunft in ihren Räumen zu Gast oder haben Kontakt zu ihnen. Das hat eine Umfrage der Arbeitsfelder Migration/Integration und Ökumene im Haus kirchlicher Dienste ergeben. Teilweise erwachsen hieraus ökumenische Initiativen wie der „Internationale Gottesdienst“ in Göttingen, das „Interkulturelle Weihnachtsfest“ in Hannover oder der Open-Air-Gottesdienst zum Abschluss des Afrika-Festival in Osnabrück. Mitunter sind es aber auch schlichte Mieter-Vermieter-Verhältnisse. Es lohnt sich, so Pfarrer Will, hieraus „ökumenische Lernorte“ zu machen und gemeinsam den Reichtum des Leibes Christi zu entdecken.
 
Beitrag von Kirchen und Glaube zur Integration
Werner Kahl hob den Beitrag hervor, den die Kirchen und der christliche Glaube für die Integration spielen können. „Vom Kern unseres Glaubens her können wir hier Akzente setzen“, unterstrich der Hamburger Professor und Initiator des „Internationalen Gospel-Gottesdienstes“. Im Glauben an Christus, der Grenzen überwindet, habe die frühe Kirche eine „Inklusion“ von Juden und Heiden erreicht. Ebenso sei die Kirche heute dazu aufgerufen, die globale Migration in den Gemeinden vor Ort abzubilden.
Dass es hierhin noch ein langer Weg ist, darin waren sich die Teilnehmenden einig. Einig waren sie sich aber auch darin, dass dieser Weg lohnt.
 
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Quelle: HkD

Publikation Glauben leben

Glauben leben - vielfältig,international, interkulturell