Landesbischof Meister zum Thema auf der Herbstsynode 2011

Nachricht 24. November 2011

Landesbischof Meister zum Thema auf der Herbstsynode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers 2011

Ralf_Meister
Foto: www.landeskirche-hannovers.de

In seinem Bericht vor der Landessynode im November 2011 erklärte Landesbischof Ralf Meister zur Erinnerung an die NS-Vergangenheit und zum Widerstand gegen alle rechtsextreme Tendenzen:

"Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Gedenkstätte Esterwegen, Prof. Faulenbach beschrieb als Aufgabe für die Gedenkarbeit: „Jede Generation muss ihr Verhältnis zum Geschehen der NS-Zeit selbst bestimmen. Dabei geht es um das Bewusstmachen der dünnen Schicht, die die Zivilisation von der Barbarei trennt.“ (Die Gedenkstätte Esterwegen – ein Werkstattbericht, 2011, 11) Diese „dünne Schicht“ müssen wir stärken. Sie trennt uns von dem Verhängnis, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann. Sie muss zu besonderer Wachheit führen gegenüber allen rechtsradikalen und neofaschistischen Tendenzen, die in irgendeiner Weise die Untaten der Vergangenheit uminterpretieren, national deuten wollen und von der Schuld und der Verantwortung unseres Landes nichts wissen wollen. In diesen Tagen sind viele Menschen entsetzt über das Ausmaß rechtsextremistischer Gewalt in unserem Land. Ich teile diesen Schrecken und denke an die Menschen, die in diesem Zusammenhang Opfer des rechten Terrors geworden sind. Die Hintergründe und Verstrickungen, die dazu geführt haben, müssen in allen Bereichen konsequent aufgeklärt werden. Zugleich müssen wir unsere präventiven Anstrengungen verstärken, um zu verhindern, dass sich rechtes Gedankengut und Gewalt weiter ausbreiten. Das ist eine Anfrage auch an die Kirche. „Unser Kreuz hat keine Haken“ ist das Motto eines Netzwerks gegen rechts, das in unserer Landeskirche im Dezember 2010 gegründet wurde. Es steht wie das Gewaltpräventionsprojekt „Schritte gegen Tritte“ und wie das Schulungsprogramm „Jugendliche werden Friedensstifter“ und regionale Initiativen wie das „Kugelkreuzprojekt“ der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis Hittfeld für ein kontinuierliches Engagement von Christinnen und Christen gegen Gewalt und für ein friedliches Miteinander, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Kultur und Religion. Das christliche Menschenbild nimmt uns in die Verantwortung, jeden Menschen als Gottes Geschöpf und Ebenbild wahrzunehmen und für den Schutz seiner Würde einzutreten. Deshalb ist und bleibt es unsere Aufgabe, unsere Sinne gegenüber jeder Form von menschenverachtender Ideologie und Gewalt zu schärfen und uns an der friedensstiftenden Kraft des Evangeliums zu orientieren. Nicht nur in Tagen wie diesen."

Bischofsbericht im Wortlaut