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Erstes interreligiöses Frauenmahl in Hannover

Nachricht 15. März 2017
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Foto: Insa Hagemann

Am 7. März feierten über 200 Frauen in der Marktkirche, Hannover, auf Einladung des Frauenwerks der Hannoverschen Landeskirche und mehrerer Kooperationspartnerinnen ein interreligiöses Frauenmahl – quasi als Auftakt zum Internationalen Frauentag. FRAUEN.MACHT.WORTE – unter diesem Motto riefen Vertreterinnen aus drei Religionen die anwesenden Frauen auf, sich gemeinsam auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit zu machen.

Festlich gedeckte Tische, Schwesternhauben und Kopftücher, bunte Vielfalt und fröhliche Erwartungen bestimmen die Atmosphäre in der Kirche. Begegnung und feiern stehen im Mittelpunkt. Mindestens fünf Religionen sind vertreten. Neben dem Genuss eines vegetarischen 5-Gänge-Menüs werden drei Tischreden gehalten.

Dr. Hamideh Mohagheghi, aus dem Iran stammende Juristin und islamische Theologin, weist besonders hin auf  die Kraft der Worte Gottes im Koran, die zum Nachdenken und Handeln aufrufen. Für die Sprecherin im Rat der Religionen  gehört die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern, die je ihre Gaben entfalten können und sollen, zur Grundlage des Korans. „Wenn Ungleichheit propagiert wird, sprechen Sie dagegen“, ermutigt sie die Zuhörerinnen.

Von der Macht der Worte und der Kraft,  gemeinsam das Wort zu ergreifen, spricht Ingrid Wettberg, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Es ist die beste Verständigung – das Gespräch von Mensch zu Mensch. Sie berichtet aber gleichzeitig von den tiefen Wunden der Verletzungen an ihren Glaubensgeschwistern in der Vergangenheit, benennt die verhängnisvollen Auswirkungen der Judenfeindlichkeit Martin Luthers und beschreibt den zunehmenden Antisemitismus, mit dem Jugendliche in der Schule heute konfrontiert werden. Gegen  Ausgrenzung und Populismus verweist sie auf die Frauen, die in großer Zahl in Amerika auf die Straße gehen, um die Freiheit zu verteidigen. „Vielleicht müssen auch wir Frauen uns zusammenschließen um unser Europa zu verteidigen. Denn es sieht nicht gut aus. Wehret den Anfängen.“

Die Frauen nutzen die Pausen zu intensivem Austausch über ihr Leben, ihre Kultur und ihren Glauben. Hier treffen sich Frauen, die sonst keine Berührungspunkte haben. Es werden Adressen ausgetauscht. Die Frauen wollen mehr voneinander erfahren und in Kontakt bleiben.

Die evangelische Theologin und Schriftstellerin Christina Brudereck ist wortmächtig und Wortkünstlerin zugleich. Sie spielt mit den Wörtern, die die Frauen förmlich aufsaugen: „ Frauen füttern die Herzen mit Hoffnung. -  MACHT. Ermächtigte Frauen – sehen prophetisch. Hören zwischen den Welten. Sie mischen sich ein. Frauen kämpfen darum – in allen Kulturen, Ländern und in allen Religionen – um Freiheit und Rechte.“

Einen musikalischen Genuss und Höhepunkt bilden die vier Frauen vom Quartett Plus 1.  Nacheinander legen sie  die Instrumente aus der Hand und übernehmen je eine Saite, eine Melodie, einen Rhythmus am Cello. Miteinander verwoben entsteht achthändig am Cello ein überraschender Wohlklang. Gespräch ohne Worte. Ein Bild der Vielfalt.

NDR Info über das Frauenmahl

"Blickpunkt Diesseits", Sendung am 12.3.2017, 12.05 Uhr
(Beginn nach ca. 19 Minuten)

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