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Foto: Stephan Eimterbäumer

Augenhöhe in Emden

Nachricht 25. August 2017

 „Der Film macht Lust auf ein anderes Arbeiten“, so äußern sich immer wieder Besucher/-innen von Dialogveranstaltungen, auf denen der Film Augenhöhe gezeigt wird. So auch auf zwei Veranstaltungen in Emden.

Auf Einladung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt, des DGB und der IG Metall Emden diskutierte Mitautor Sven Franke zunächst im Upstalsboom Parkhotel mit dem interessierten Publikum im Anschluss an die Vorführung des Films Augenhöhe, der auch kostenlos im Netz verfügbar ist.

Der Ort war dabei zugleich Programm: Auch die Hotelkette Upstalsboom mit ihrem Geschäftsführer Bodo Janssen hat sich einer Arbeit auf Augenhöhe beschrieben. Was das konkret bedeutet, erzählten anschaulich die beiden Mitarbeiterinnen Johanna Brons und Marie Koch: Mitarbeitende können sich hier mit ihren Ideen einbringen, das Unternehmen ist von einer Kultur des Vertrauens bestimmt, verschiedene übliche Formen von Controlling existieren nicht.  

Ein Schwerpunkt in der Diskussion lag in der Frage, was eine intensivere Mitwirkung von Mitarbeitenden in Unternehmen für die betriebliche Mitbestimmung, die Tarifpartnerschaft und die Rolle der Gewerkschaften bedeutet. „Bei Upstalsboom gibt es keinen Betriebsrat, da ist noch nie der Wunsch geäußert worden“, so die Mitarbeiterinnen. Im Publikum wurde dies auch kritisch gesehen: „Sollte nicht gerade Usptalsboom auch einen Betriebsrat wählen und die guten Erfahrungen in einer kooperativen Unternehmensführung in gewerkschaftliche Diskurs einbringen?“ fragte Johann Saathoff (MdB). Sven Franke gab zu bedenken, dass er bei vielen seiner Gesprächen in Unternehmen mit Betriebsräten und Gewerkschaftler/-innen immer wieder auf eine eher verweigernde Haltung bei Betriebsräten trifft: „Das hilft niemandem weiter. Betriebsräte müssen erkennen, welche Chancen in einer kooperativen Haltung gegenüber den Unternehmensleitungen stecken.“ Die Gegenfrage ließ nicht lange auf sich warten: „Was mache ich denn als Abteilungsleiterin, wenn ich mich gerne auf den Weg machen möchte in Richtung Augenhöhe, meine Vorgesetzten bzw. die Unternehmensleitung aber nicht mitspielt?“ „Fahren Sie zweigleisig“, antworte Sven Franke, „bedienen Sie die Anforderungen der Hierarchie und fangen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten an, hier und da etwas in Richtung Kooperation zu verändern.“

Am nächsten Morgen Ortswechsel. In der VHS Emden versammelten sich etwa 200 Berufschüler/-innen mit ihren Lehrer/-innen, um ebenfalls den Film zu sehen. Für junge Menschen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn war sicher vieles fremd und schwer nachvollziehbar, was in dem Film zu sehen war. Dennoch war die Aufmerksamkeit während der Filmvorführung erstaunlich hoch, offenbar machten die Porträts auch bei den Azubis Eindruck. Die Größe der Gruppe und die Kürze der Zeit ließen anschließend eine Diskussion nicht recht in Gang kommen. Dennoch, einige trauten sich und  gaben Statements ab. „Ich kann mir das nicht vorstellen, dass das so möglich ist, miteinander im Betrieb zu arbeiten“, meinte einer. Andererseits wurde auf die Frage, was sie für Wünsche an ihre berufliche Tätigkeit haben, nicht nur gute Bezahlung, sicherer Arbeitsplatz und nette Kollegen genannt, sondern auch „ein geiles Klima in der Firma“ genannt. „Und was stellst du dir darunter vor?“ fragte Franke nach. Diese Frage blieb unbeantwortet, für den Augenblick, denn die Zeit war um.

„Spannende Fragen, spannende Diskussionen“, so äußerte sich Sven Franke auf der Rückfahrt Richtung Hannover im Nachgespräch mit Landessozialpfarrer Matthias Jung und Vikarin Kerstin Wackerbarth (die zur Zeit im Rahmen ihres Examens beim KDA hospitiert) immer wieder.

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Veranstaltung im Parkhotel Upstalsboom

Sven Franke, Matthias Jung, Johanna Brons, Marie Koch (v.l.)

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Veranstaltung in der VHS Emden

Sven Franke im Gespräch mit Berufsschüler/-innen

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