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Foto: Stephan Eimterbäumer

33 Jahre für den KDA

Nachricht 15. Februar 2017
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Wulf Gräntzdörffer geht nach 33 Jahren als Sozialreferent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in den Ruhestand. Foto: Jens Schulze/HkD

Nach 33 Jahren Einsatz für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) geht Sozialsekretär Wulf Gräntzdörffer zum 1. März in den Ruhestand. Seit 1984 war er zunächst im Amt für Gemeindedienst (AfG) und später im Haus kirchlicher Dienste (HkD) für den KDA im Sprengel Stade und für den Bereich rund um Lüneburg tätig.

„Angefangen habe ich mit einem Karteikasten voller Kontakte!“, erinnert sich der gelernte Einzelhandelskaufmann und Maschinenbauer. „Die Stelle des Sozialsekretärs für den KDA in Stade war vorher einige Jahre vakant gewesen war und der Zettelkasten war alles, was geblieben war. Ich habe dann viel telefoniert und Betriebe besucht, um ein Netzwerk aufzubauen.“ Zusammen mit den Pastoren Otto Lange und nach ihm Walter Punke entwickelte Gräntzdörffer Bildungsangebote zu ökologischen Themen und zur Humanisierung der Arbeit. „Teilweise sind wir auf Frachtseglern über die Elbe oder ins Wattenmeer geschippert“, erzählt der 65-Jährige. „Wenn man auf so engem Raum zusammenlebt, stärkt das den Zusammenhalt ungemein. Beim Segeln aber auch in der Kombüse mussten alle mit anfassen. Im Hafen haben wir dann inhaltlich gearbeitet.“

Viele Anfragen

Anfang der 90iger Jahre war Gräntzdörffer einer der ersten, der sich mit dem Thema Mobbing beschäftigte. „Es begann mit einer Ausstellung zum Thema ‚Moderne Zeiten – Gesunde Zeiten‘“, so Gräntzdörffer. „Einer der begleitenden Vorträge beschäftigte sich mit Mobbing. Der Andrang war so groß, dass Udo Möckel, der Referent und mein Kollege aus Hamburg sagte: ‚Du musst mehr zu dem Thema anbieten!‘“ Gräntzdörffer bot daraufhin Fortbildungen für Betriebsräte an ebenso wie Einzelberatungen. Die Nachfrage war groß: „Das war wie eine Lawine! Es riefen Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet an“, erinnert sich der Sozialsekretär. Für die Beratungstätigkeiten ließ er sich auch zum Telefonseelsorger und Mediator fortbilden. Auch für Beratungen in Konfliktfällen kamen Mitarbeitende aus Betrieben zum KDA nach Stade. „Im ganzen Sprengel wussten Betriebsräte, dass wir in solchen Fällen Beratung anbieten“, so Gräntzdörffer. Er selbst war von 1993 bis 2003 in der Mitarbeitervertretung des HkD tätig.

Zusammen mit Walter Punke entwickelte er auch den Workshop „Prima Klima“, der sich an Mitarbeiter-Teams richtet, die ihr Betriebsklima verbessern möchten. „Es finden nacheinander zwei Workshops statt, zunächst auf der Ebene der Mitarbeitenden, dann auf der Ebene der Leitenden“, erklärt Gräntzdörffer. „Dann wird eine Steuerungsgruppe gebildet, die Maßnahmen zur Veränderung plant, und nach einem dreiviertel Jahr findet ein Treffen statt, bei dem geschaut wird, was sich verändert hat.“

Einer der letzten Sozialsekretäre

Mit Gräntzdörffer geht einer der letzten Sozialsekretäre in den Ruhestand, ein Berufsbild, das Landesbischof Hanns Lilje einst ins Leben gerufen hatte. Menschen mit zehn oder mehr Jahren Berufserfahrung wurden mit einer Zusatzausbildung darauf vorbereitet, Seelsorge und Beratung an der Schnittstelle zwischen Kirche und Arbeitswelt zu leisten.

Auch Gräntzdörffer kam aus dem Arbeitsleben. Nach einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann in Lüneburg war er zur Deutschen Bahn gegangen. Dort arbeitete er zunächst als  Werkshelfer, später als Maschinenbauer und Bohrwerksdreher im Ausbesserungswerk in Harburg. Gleichzeitig war er in seiner Kirchengemeinde in Lüneburg als Kindergottesdiensthelfer und Kirchenvorsteher aktiv und unterstützte Treffen für Arbeitslose, die der KDA dort anbot. Dadurch wurde er auf die Stelle eines Sozialsekretärs in Stade aufmerksam und begann seinen Dienst zunächst mit einem zehnmonatigen Wirtschafts-Studium an der Sozialakademie in Dortmund. Parallel zur Tätigkeit in Stade folgte dann noch ein zweijähriges Teilzeit-Studium an der Evangelischen Fachhochschule in Hannover. Die eigene Berufserfahrung war oft hilfreich. „Mir wurde oft gesagt: ‚Du kennst Dich ja auch in der Arbeitswelt aus!‘ Ich konnte sogar bei technischen Fragen teilweise mitreden“, freut sich der zukünftige Ruheständler, der von sich sagt, er habe immer gern gearbeitet.

Auch im Ruhestand wird Gräntzdörffer in begrenztem Umfang noch beratend tätig sein. Außerdem möchte er ehrenamtlich bei der Seemannsmission mithelfen, bei der er bisher im Vorstand saß. Vor allem freut sich der Vater von drei erwachsenen Kindern darauf, mehr Zeit zum Fahrradfahren und zum Reisen zu haben. Ein Ziel wird Südafrika sein, die Heimat seiner Frau.

Die  Verabschiedung von Wulf Gräntzdörffer findet am 17. Februar um 15 Uhr in der Ev.-luth. Johanniskirche in Stade statt.