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Orgeln bringen Musik vom Himmel

Nachricht 06. März 2018
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Pastorin Antje Wachtmann zeigte bei Sprengelempfang Schnittmengen von Kirche und Tourismus auf und stellte kirchliche Aktionen vor. Der Norder Superintendent Dr. Helmut Kirschstein (rechts) hört interessiert zu. Foto: Hannegreth Grundmann

„Arp Schnitger steht stellvertretend für die Orgelkultur in Norddeutschland“, sagte Pastorin Antje Wachtmann, Referentin für Kirche und Tourismus in der Region Nord, als sie den stellvertretenden Vorsitzenden der Arp-Schnitger-Gesellschaft, Pastor i.R. Helmut Bahlmann aus Golzwarden bei Brake im Kreis Wesermarsch zum Vortrag begrüßte.

Er war wie die Kurdirektoren und Vertreter von Tourismusorganisationen aus der Region im Rummel des Ostfriesischen Teemuseums in Norden zu einem Empfang des Evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems gekommen. Das diesjährige Treffen fand in Vorbereitung auf den 300. Todestag des Orgelbauers Arp Schnitger 2019 statt. Die Orgel in der Ludgeri-Kirche in Norden ist die zweitgrößte erhaltene Schnitger-Orgel. Mit 3110 Pfeifen ist sie die größte Orgel in Ostfriesland. „Es gibt Touristen, die gezielt unsere historischen Orgeln aufsuchen“, sagte Regionalbischof Dr. Detlev Klahr und machte damit auf eine besondere Schnittmenge von Kirche und Tourismus aufmerksam. In Ostfriesland gibt es rund 150 Original-Instrumente. Das zeichne Ostfriesland weltweit als besondere Orgellandschaft aus, so Klahr.

Bahlmann wies anlässlich des Schnitger Jubiläumsjahres 2019 auf besondere Förderprogramme des Landes Niedersachsen hin. Das könne dazu verhelfen, die ganze Orgellandschaft im Norden Deutschlands als Orgelkulturland besonders herauszustellen. Ostfriesland habe bereits durch das Organeum in Weener als Orgellandschaft einen hohen Rang erreicht. Harald Vogel entwickelte nun zum Jubiläumsjahr mehrere Orgelstraßen, die in einer Region besondere Orgeln miteinander verbinden. So etwa die Orgelstraße Ostfriesland mit elf Orgeln, die Orgelstraße Krummhörn mit 17 Orgeln, darunter auch die in Rysum, die älteste spielbare Orgel weltweit aus der Renaissance-Zeit.

„Orgeln bringen Musik vom Himmel“, so Pastor Bahlmann. Orgeln seien Instrument der Superlative. Sie hätten den höchsten und tiefsten Tonumfang. Sie könnten eine Klangvielfalt ähnlich wie ein Orchester zum Klingen bringen.

Von den 170 Schnitger-Orgeln seien noch 30 erhalten. Arp Schnitger (1648-1719) sei ein „Global Player“ gewesen, so Bahlmann. Er habe in allen Herrschaftshäusern Europas von St. Petersburg bis nach Lissabon Orgeln gebaut. Schnitger war damals der einzige ökumenische Orgelbauer. Mit seinen Werkstattfilialen konnte Schnitger so aktiv sein wie kein anderer europäischer Orgelbauer zu der Zeit. Er habe in der Orgelbaukunst gewagt, was sich sonst niemand traute. Dafür sei die Orgel in Norden ein Beispiel. Diese sei in der Orgelbaukunst einmalig. Nirgendwo sonst auf der Welt sei die Orgel wie in Norden um den Kirchenpfeiler herum in der Mitte des Kreuzschiffes platziert, so dass der Klang nach allen vier Seiten hin den Hörer erreiche.

Davon vermittelte Kantor Thiemo Janssen in der Ludgeri-Kirche einen musikalischen Eindruck und gab eine Einführung in die 1687 und 1693 erbaute Orgel. Schnitger sei es hervorragend gelungen, jeder Situation hier klanglich gerecht zu werden. Für alle vier Teilschiffe der Kirche habe dieser ein Teilwerk in der Orgel gebaut und diese dann um ein weiteres ergänzt. Der Organist könne sich dadurch zielgenau darauf einstellen, wo die Zuhörer sitzen. In Norden stehe eine weltweit bekannte Orgel. Diese internationalen Kontakte seien sehr bereichernd für seine Arbeit, sagte Thiemo Janssen. Im kommenden Jahr seien besondere Konzerte mit vielen Schnitger-Organisten geplant. Zudem ein Orgelkurs für junge Organisten und ein Theaterstück des Organeums Weener über den Orgelbauer Schnitger in der Ludgeri-Kirche in Norden. Das Gedenkjahr werde gemeinsam mit der Kirchengemeinde Osteel begangen. Dort stehe die älteste Orgel der Landeskirche Hannovers aus dem Jahr 1619. Die Vorgängerorgel in Norden sei 1618 von Edo Evers und 1619 in Osteel gebaut worden. So seien in Osteel Orgelpfeifen zu finden, die nach Norden gehörten, so Janssen.

Im Gespräch zwischen den Kirchenvertretern und Touristikern stellte Ludger Kalkhoff (Greetsiel) die Bedeutung der Kirchen für den Tourismus heraus. Beim Krummhörner Orgelfrühling erlebe er internationalen Tourismus. Kalkhoff machte darauf aufmerksam: „Wir müssten mal überlegen, wie wir Menschen der Region, besonders die Kinder, an diese Kulturgüter heranführen, damit diese Kultur nicht ausstirbt.“

Es sei die Frage, wie man mehr Organisten ausbilden könne. Es gebe zu wenige, sagte Kurdirektor Christian Klamt von der Insel Borkum.

Landessuperintendent Dr. Klahr wies auf Förderprogramme der Kirchengemeinden, Kirchenkreise und des Sprengels hin, die die Organistenausbildung unterstützten.

Antje Wachtmann stellte zum Abschluss des Gesprächs einige Aktionen aus dem Arbeitsfeld von Kirche und Tourismus im Haus kirchlicher Dienste (HkD) vor. An verschiedenen Orten werde im Sommer mit Kirchenzelten auf Campingplätzen „Kirche unterwegs“ angeboten, Kur- und Urlauberseelsorger kommen zur Unterstützung in die Ferienregionen und der Nordseelauf werde kirchlicherseits begleitet.

Zudem findet die Ausbildung neuer Kirchenführer statt. Klaus Stemmann, Arbeitsfeldleiter von Kirche und Tourismus im HkD in Hannover wies darauf hin, dass es sinnvoll sei, die Kirchenführungen auch mit musikalischen Hinweisen zu versehen.