Foto: HkD

"Im HkD kenne ich jede Schraube"

Nachricht 02. März 2018

Nach 17 Jahren als Hausmeister im Haus kirchlicher Dienste (HkD) geht Raimund Schultz zum 1. April in den Ruhestand. „Ich bin einer, der gern mit den Händen arbeitet!“, sagt der 64-Jährige. Deshalb begann er 1969 eine Lehre als Büromaschinenmechaniker. „Den Beruf gibt es heute gar nicht mehr!“, sagt Schultz und lacht. „Wir haben mechanische Rechenmaschinen repariert und Diktiergeräte mit einer Art Schallplatte, die man mit einer Fußtaste bedienen konnte.“ Nach der Ausbildung und 15 Monaten bei der Bundeswehr war er im Kundendienst der Firma Olympia tätig, bis die Filiale in Hannover 1976 schließen musste, da die Zeit der mechanischen Büromaschinen an ihr Ende kam.

„An der Eisenbahnerfachschule habe ich dann zweieinhalb Jahre Elektrotechnik gelernt“, erinnert sich Schultz. „Dass ich mich auf beiden Gebieten auskannte, in der Mechanik und in der Elektronik, das war dann mein großer Vorteil!“ 30 Jahre lang reparierte er dann im Außendienst Spielautomaten in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometer nach Hannover. „Da wusste ich nie, ob ich nachmittags um vier oder erst abends um 23 Uhr nach Hause kam.“ Diese unregelmäßigen Arbeitszeiten führten auch dazu, dass er sich schließlich 2001 im HkD als Hausmeister bewarb. Hier waren die Arbeitszeiten geregelt und die Dienstwohnung im Haus erleichterte die abendlichen Rundgänge, nachdem das Haus geschlossen wurde.

Auch die geschickten Hände kamen ihm hier wieder zugute. Auf die Frage, was es denn hier zu reparieren gab, lautet die Antwort: „Alles! Hier im Haus kenne ich jede Schraube!“ Türen, Heizungen, Beleuchtung hat er repariert, auch Möbel mussten aufgebaut werden und Büro-Umzüge im Haus durchgeführt werden. „Die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht. Es war immer abwechslungsreich“, sagt Schultz. „Ganz besonders hat mir das Miteinander gefallen, das hat man ja nicht überall!"

Im Ruhestand wird Schultz mehr Zeit für seine beiden Hobbies haben, für das Reparieren und Restaurieren von alten Fahrrädern und für den Sport. „Mit dem Sport - das ist eine eigene Geschichte!“, sagt er schmunzelnd. „1995 hatte ich einen Herzanfall. Ich wog 104 Kilo. Danach habe ich aufgehört zu rauchen und angefangen zu laufen. Am ersten Tag kam ich nur 400 Meter weit, dann bin ich zusammengeklappt.“ Doch nun entwickelte er einen eisernen Willen und lief jeden Tag etwas länger. Nach einem halben Jahr lief er seinen ersten Marathon und ein Jahr später nahm er zum ersten Mal an einem Triathlon teil. „Ich war eine Art Maskotchen bei den Zuschauern – die haben immer gefragt: ‚Ist der Dicke noch dabei?‘ Ich kam als letzter durchs Ziel – da hatten sie die Ziellinie schon seit einer halben Stunde abgebaut.“ Zwei Jahre später qualifizierte er sich für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im „Ironman“ auf Hawaii, der Königsdisziplin im Triathlon. Dazu muss man eines der weltweiten Turniere im Vorfeld gewinnen. Inzwischen war er dreimal Europameister in seiner Altersklasse und sechsmal auf Hawaii. Und der Plan für den Ruhestand steht fest: „Wieder nach Hawaii!“

Raimund Schultz wird zusammen mit Renate Schäfer am 7. März um 12 Uhr in der Mittagsandacht im Haus kirchlicher Dienste verabschiedet werden.