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Gott als Handwerker

Nachricht 19. Juli 2018

„Im Grunde war Gott der erste Handwerker“, sagt Pastorin Hille de Maeyer, die zum 1. September neue Handwerkspastorin im Haus kirchlicher Dienste wird. Sie tritt die Nachfolge von Claus Dreier an, der zum 1. Mai auf eine Pfarrstelle in Ostfriesland wechselte. Als Referentin für Kirche und Handwerk wird sie im Fachbereich Kirche.Wirtschaft.Arbeitswelt eng zusammenarbeiten mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) und dem Kirchlichen Dienst auf dem Lande (KDL).

Im ersten Buch Mose im zweiten Kapitel heißt es: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus  Staub von der Erde. Und Gott der Herr baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm.“ „Dem Handwerk wird dadurch eine besondere Würdigung zu Teil“, findet die Theologin, die selbst in einem Familienbetrieb groß wurde. Ihre Familie führte seit vielen Generationen einen Gasthof in Marx in Ostfriesland. „Mir ist von Kindheit an vertraut, was es heißt, wenn ein Betrieb die Existenzgrundlage für die Familie bildet. Meine Mutter war für die Küche verantwortlich, mein Vater hat die Gäste bewirtet“, so de Maeyer. „Schon als Kind habe ich mitgeholfen und mir so mein erstes Geld verdient.“ Im Handwerk gibt es noch immer viele Familienbetriebe und viele Angehörige, die mitarbeiten, etwa Ehefrauen, die die Buchführung übernehmen.

Hingabe und Leidenschaft

„Das Handwerk finde ich einfach faszinierend“, sagt de Maeyer. „Wenn ich überlege, welche Handwerker ich in meiner Nähe kenne – einen Frisör, Tischler, Goldschmied und eine Optikerin – dann fällt mir auf, dass sie vieles gemeinsam haben. Sie arbeiten mit Hingabe und Leidenschaft. Sie verstehen es, auf die Wünsche ihrer Kunden einzugehen und kreativ nach Lösungen zu suchen.“ Handwerksbetriebe bieten überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze an und sind auch in strukturschwachen Regionen vertreten. Das Handwerk kennt eine lange Tradition der Willkommenskultur. Hier sieht de Maeyer Anknüpfungspunkte für die Arbeit mit Geflüchteten, die ihr Vorgänger, Claus Dreier ja bereits begonnen hat.

Kirche und Handwerk miteinander ins Gespräch bringen

Als Handwerkspastorin wird sie bei Freisprechungsfeiern und Meisterehrungen die Kirche repräsentieren und Kontakt zu Innungen und Handwerkskammern halten. Ebenfalls wird sie die Themen des Handwerks in den kirchlichen Kontext einbringen. Für die ersten 100 Tage hat de Maeyer sich vorgenommen, erst einmal Besuche zu machen. Sie möchte hören, was Handwerkerinnen und Handwerker bewegt, welche Fragen sie haben und wie Kirche sie begleiten kann. „Ich würde auch gern dem einen oder der anderen bei der Arbeit über die Schulter schauen!“, gesteht die Pastorin. Vor allem aber möchte sie Kirche und Handwerk miteinander ins Gespräch bringen.

Erste Ideen hat sie dafür auch schon. Über die bestehenden Angebote wie die Freisprechungsfeiern, Handwerksgottesdienste oder Betriebsbesuche hinaus kann sie sich zum Beispiel Kirchenführungen zusammen mit Handwerkern vorstellen. „Ich würde gerne Handwerker einladen und sie fragen: Wie entsteht eine Orgel? Was ist das Besondere am Mauerwerk? Wie arbeitet ein Steinmetz? Ich glaube, dass Menschen neugierig sind und das wissen möchten“, so die 56-Jährige. Auch wenn nach einer Restaurierung eine Kirche wieder eingeweiht wird, könnten Handwerkerinnen zu Wort kommen. „Ebenso würde ich gerne in Gottesdiensten Handwerkern die Gelegenheit geben, von ihrer Arbeit zu erzählen.“

Menschen an ihren Arbeitsplätzen besuchen

Schon in ihrer Gemeindezeit in der Kirchengemeinde St. Michaelis in Bissendorf hat de Maeyer gern Menschen in ihren Häusern und an ihren Arbeitsplätzen aufgesucht. „Mich interessierte, wie die Menschen leben und unter welchen Bedingungen sie arbeiten“, erzählt sie. Sie hat sogar ein dreiwöchiges Industriepraktikum in einem Autozuliefererbetrieb gemacht. „Wir bekamen lange Bestelllisten und mussten dann aus riesigen Regalen Einzelteile für Autowerkstätten zusammensuchen. Die Kollegin sagte irgendwann zu mir: ‚Du bist einfach zu langsam!“, erinnert sich de Maeyer schmunzelnd.

Von 2005 bis 2008 versah sie die Pfarrstelle der Kapernaum-Kirchengemeinde in Resse. Hier legte sie besonderes Gewicht auf die Vernetzung innerhalb des Dorfes. „Es war mir wichtig, die Gemeindegruppen, aber auch die im Dorf ansässigen Vereine, den Ortsrat und die Grundschule miteinander ins Gespräch zu bringen, sie in ihren Kompetenzen zu bestärken und gemeinsame Ziele in den Blick zu nehmen“, berichtet de Maeyer.

Ein Geschenk, wenn Menschen von sich erzählen

De Maeyer ist zur Zeit noch Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Lehrte und im Klinikum Wahrendorff. „Die Seelsorge liegt mir am Herzen und ich wollte Zeit haben für die Menschen“, erklärt die Theologin ihren Wechsel aus der Gemeinde in die Seelsorge. Neben den Gesprächen mit den Patienten erlebte sie hier auch die Kontakte zu den verschiedenen Berufsgruppen, die in einer Klinik tätig sind, als Bereicherung. Sie erfuhr von der Situation der Pflegekräfte, deren Arbeit immer dichter wird, von dem Arbeitsethos, mit dem die Mitarbeitenden in der Hauswirtschaft ihre Aufgaben erfüllen und führte Gespräche mit den Auszubildenden über ihre Motivation für den Beruf und ihre ersten Erfahrungen in der Arbeitswelt. „Es ist für mich ein Geschenk, wenn Menschen von sich erzählen und wenn sie mir ihr Vertrauen schenken“, sagt die Seelsorgerin.

De Maeyer hat drei erwachsene Töchter. Sie arbeitet gern im Garten, mag gutes Essen, lange Spaziergänge, Italien und Handwerkskunst in alten Kirchen.

Termin der Einführung wird noch bekanntgegeben

Aus ihrem Dienst als Klinikseelsorgerin wird Hille de Maeyer am Donnerstag, 16. August um 13 Uhr im Speisesaal des Klinikums Lehrte verabschiedet. Die Einführung als neue Handwerkspastorin wird zusammen mit der Verabschiedung ihres Vorgängers Claus Dreier stattfinden. Der Termin wird noch bekanntgegeben.