Von Liebe und Gastfreundschaft - Doppeljubiläum des Klosters Bursfelde

Nachricht 18. Juli 2018

„Ich werde hier menschenfreundlich und liebenswürdig behandelt. Eine große Liebe ist die Grundlage für diese Lebensführung“, so beschreibt im Jahr 1457 ein Reisender seine Erfahrungen im Kloster Bursfelde. 561 Jahre später blickt Bursfelde zurück auf 925 Jahre Klosterkirche und 40 Jahre Geistliches Zentrum. „Mit einem bunten Strauß an Veranstaltungen wollen wir dies festlich begehen“, so beschrieb Dr. Silke Harms, Referentin im Geistlichen Zentrum, das Programm für das Festwochenende am 14. und 15. Juli. Im Frühjahr hatte bereits die Vortragsreihe „Weserklöster“ das Jubiläumsjahr eingeleitet.

Ehemaligentreffen und „Click im Kloster“

Mit einem Treffen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begannen die Feierlichkeiten am Samstagmittag. Anschließend eröffnete Diakon Klaas Grensemann eröffnete dann am Nachmittag die Foto-Installation „Click im Kloster“ der Klosterkammer Hannover. „Wir möchten mit dem Projekt ‚Click im Kloster‘ Menschen die Klöster und Stifte der Klosterkammer behutsam näher bringen“, sagte Kristina Weidelhofer von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Klosterkammer. Unter der Leitung des Fotografen Uwe Stelter kamen im Dezember 2017 elf Amateurfotografen zu einem Workshop zusammen. Ihre unterschiedlichen fotografischen Sichtweisen auf das Klosterensemble und die Umgebung sind nun auf einer 3 mal 4 Meter großen Fotoinstallation mit 28 Einzelbildern bis Ende November auf dem Klostergelände zu sehen.

„Resonanzen. Künstlerische Perspektiven auf das Kloster Bursfelde“

„Was für eine gute Idee, dass hier jetzt Bilder hängen, die einen neuen Blick auf das Haus ermöglichen!“ So begrüßte Klaus-Gerhard Reichenheim, Leiter des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde, die Gäste abends zur Vernissage „Resonanzen. Künstlerische Perspektiven auf das Kloster Bursfelde“ mit Bildern des aus Bremen stammenden fotografischen Künstlers Olaf Schlote. In seinem Einführungsvortrag betonte der Kunsthistoriker Dr. Frank Laukötter, „dass in den Bildern von Olaf Schlote etwas Größeres hindurchscheint.“ In den Lichtskulpturen in der Kirche zum Beispiel komme das Licht von hinten, ähnlich wie in einem Kirchenfenster. Ralf Tyra, der Direktor des Hauses kirchlicher Dienste, erzählte, dass nach anfänglicher Skepsis das Verhältnis zwischen dem Künstler und Bursfelde „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen sei.

„Ich habe hier eine wunderbare Solidargemeinschaft erlebt“, berichtete Schlote selbst, der das Kloster seit Februar vier Mal für etwa eine Woche besucht hatte. Um für die Eingangshalle, die Flure und die Westkirche jeweils passende Motive zu finden, hat er sich den Menschen und den Gebäuden über Gespräche und lange Spaziergänge angenähert. Die Bandbreite der Bilder reicht von figürlichen Darstellungen, etwa drei Schwarz-weiß-Fotografien, bis zu Lichtskulpturen in der Westkirche, die zunehmend an Gegenständlichkeit verlieren und so eine große Offenheit für verschiedene Deutungen zulassen. Ermöglicht wurde das Projekt durch die finanzielle Unterstützung der Klosterkammer, des Kunstreferats der Landeskirche und durch weitere kirchliche Mittel.

Anschließend an die Vernissage konnten sich die Besucher an den Köstlichkeiten der Klosterküche bei einem „Sommerabend im Klostergarten“ mit Livemusik des Künstlers Christian Möller erfreuen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tagungshauses und die Mitglieder des Förderkreises sorgten für ein stimmungsvolles Ambiente.

Festgottesdienst mit Abendmahl

„Von Anfang an waren unzählige Mitarbeitende, hauptamtliche und ehrenamtliche, am Aufbau des Geistlichen Zentrums beteiligt mit ihrer Arbeit, ihrer Zeit, ihrem Gebet und ihren Spenden.“ Mit diesen Worten begrüßten Klaus-Gerhard Reichenheim und Dr. Silke Harms, die Gemeinde zum Festgottesdienst am Sonntagmorgen in der Westkirche des Klosters. „Sie bauten auf dem auf, was Benediktinermönche hier vor ihnen geschaffen haben. Die Gebäude helfen, den Glauben zu stärken und aufzurichten, auch in Wüstenzeiten und Durststrecken.“

In seiner Festtagspredigt verglich Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident des Landeskirchenamtes, die Angebote zur Einkehr und geistlichen Begleitung in Bursfelde mit dem, was der Prophet Elia erlebt. Der Prophet in der Wüste erfährt nach anstrengenden Aufgaben die Möglichkeit, Auszuruhen und wird durch einen Engel gestärkt. In Bursfelde fänden „Menschen eine Oase, einen Raum der Stille, wo sie allein sein können, um sich selbst und möglicherweise auch Gott zu begegnen.“ Dies sei möglich durch die Gastfreundschaft, die hier durch die Jahrhunderte bis heute gelebt worden sei. „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kloster Bursfelde, hauptamtliche und ehrenamtliche, denken Sie bitte nicht zu gering von sich. Man sieht es Ihnen vielleicht nicht immer an, aber Sie können zum Engel für anderen Menschen werden, weil Gott Sie in Dienst nimmt, ob Sie nun an der Pilgerscheune sitzen, im Garten tätig sind, an der Pforte oder in der Küche, ob Sie Seminare leiten und Kurse anbieten.“

Der Abendmahlsgottesdienst wurde musikalisch mitgestaltet von Birgit Linnemann an der Orgel und Julia Brüggemann an der Violine.

"Wir brauchen Bursfelde heute, morgen und übermorgen"

Die Klosterkammer Hannover, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert, verwaltet rund 800 Gebäude in Niedersachsen. „Wir sind dazu da, dass in diesen Gebäuden der äußere Rahmen in Ordnung ist“, sagte Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer, in seinem Grußwort nach dem Gottesdienst. „Wir freuen uns, wenn – wie in Bursfelde – in den Klöstern das geschieht, wozu sie ursprünglich gegründet wurden.“

Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt aus Hannover würdigte Bursfelde als einen Ort, dessen Impulse zum geistlichen Leben in die ganze Landeskirche ausstrahlten. „Bursfelde ist auch ein Ort der Bildung. Die Menschen geben hier weiter, was sie glauben und erfahren haben“, so der Theologe. „Eine lebendige Spiritualität kann dem Ausbrennen vorbeugen. Deshalb braucht die Landeskirche Bursfelde heute, morgen und übermorgen!“

Herzliche Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte Superintendent Thomas Henning aus dem Kirchenkreis Hannoversch Münden, in dessen Trägerschaft das Tagungshaus bis 2007 stand. Als die Arbeit des Tagungshauses immer weiter über den Kirchenkreis hinaus ausstrahlte, ging die Trägerschaft im Jahr 2007 an die Landeskirche über.

Bursfelde als "Anders-Ort"

Professor Dr. Thomas Kaufmann, Abt von Bursfelde und Professor der Kirchengeschichte in Göttingen, leitete mit launigen Worten über zum Festvortrag von Schwester Dr. Nicole Grochowina von der Christusbruderschaft Selbitz, die als Privatdozentin für Neuere Geschichte und Kirchengeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt. Unter dem Thema „Bursfelde als ‚Anders-Ort‘: Perspektiven für Gegenwart und Zukunft“ beschrieb sie „Anders-Orte“ als „Segensorte“, an denen Menschen als Segensträger leben und so dem pilgernden Gottesvolk eine „Oase der Stille und Rekreation“ bieten könnten.

Die Gefahr solcher Anders-Orte bestehe darin, nostalgisch vergangenen Zeiten nachzutrauern. „Konkret heißt dies, dass wir heute gut daran tun, die 925 Jahre von Kloster Bursfelde und die 40 Jahre des Geistlichen Zentrums zu würdigen“, so Grochowina. „Doch dies ist zugleich ein Auftrag, in der Wachsamkeit für die Zeichen der Zeit nicht nachzulassen.“

Stimmen der Gäste des Jubiläums-wochenendes

„Die Klosterkirche predigt von ganz allein“, erinnert sich Diakon i. R. Werner Anisch, der das Geistliche Zentrum von 1978 bis 1999 mit viel Hilfe an Ehrenamtlichen aufbaute. „Eines habe ich hier gelernt: Wir müssen nicht den Ort tragen, der Ort trägt uns.“

Klaus und Renate Dettke haben von 1998 bis 2017 das Leben im GZ mitgeprägt. „Schon als ich das erste Mal hier war, wusste ich, dass dies ein guter Ort ist!“, erinnert sich Diakonin Renate Dettke. Pastor Klaus Dettke ist noch immer beeindruckt, „wie wohltuend Menschen aus einem säkularen Umfeld den Rhythmus der vier Gebetszeiten erlebt haben, die wir hier anbieten.“ An dem Jubiläumswochenende hat sie gefreut, „wie achtsam die Kollegen ernstnehmen, was an diesem Ort an Geschichte war und wie sie es weiterentwickeln!“

Jannis Frerichs, 23, Auszubildender, Teilnehmer des Workshops Click im Kloster: „Vor dem Wochenende hätte ich nicht gedacht, dass man bei der Jahreszeit und dem Wetter gute Fotos machen kann. Ich bin überrascht, wie interessant die Fotos geworden sind.“

Björn Herzfeldt und Sigrid Linke, Mitglieder im Förderkreis
Björn Herzfeldt kam das erste Mal zu Schweigeexerzitien nach Bursfelde: „Ich erlebe hier große Liebe und Gastfreundschaft, deshalb komme ich immer wieder hier her.“ Sigrid Linke ist dem Haus schon seit den Anfangszeiten verbunden. Immer wenn ich durch die Pforte vor dem Tagungshaus gehe, habe ich das Gefühl, in eine andere Sphäre einzutreten.“

Inge Kelterborn, 72, lebte von 1979 bis 1980 mit fünf anderen Familien hier in einer Familiengemeinschaft. „Als wir einzogen, war die Wohnung noch gar nicht fertig. Wir wohnten zunächst in einem Zimmer. In dieser Zeit habe ich gelernt, mit wie wenig Dingen man auskommen kann.“