Geistlich begleiten

Nachricht 05. Juli 2018

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildung "Geistlich begleiten" berichten von ihren Erfahrungen

Schweigen – das ist etwas, was in unsere Welt und in unsere Zeit nicht so richtig zu passen scheint. Doch es lässt sich erlernen und kann dann ganz neue Gedankenwelten eröffnen und lässt geistig zur Ruhe kommen. Das jedenfalls haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Weiterbildung „Geistlich begleiten“ im Kloster Bursfelde erfahren.

Drei Jahre lang machten sich haupt- und ehrenamtlich in der Kirche Tätige in sieben Kurseinheiten auf einen gemeinsamen geistlichen Weg. Und dabei kam sowohl der eigene Glaube und die persönliche Beziehung zu Gott in den Blick wie auch die Ausstrahlung der eigenen Glaubensüberzeung auf die Arbeit in der Kirchengemeinde. Begleitet wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Dr. Silke Harms, Regina Gerlach-Feilen, Klaus Dettke und Burkhard Merhof, die der aus 16 Personen bestehenden Gruppe Exerzitien, also geistliche Übungen, für den Alltag nahebrachten.

"Den Blick in die Weite führen!

Darunter unter anderem auch das gemeinsame Schweigen, das geübt werden muss, weil es so gänzlich anders ist als die ständige Kommunikation, die sonst den Alltag prägt. „Dabei geht es nicht um Weltabgewandtheit“, macht Silke Harms deutlich, „sondern vielmehr darum, achtsam und bewusst einen freigehaltenen Raum zu schaffen und letztlich besser zuhören zu können.“ Es geht um Entschleunigung, eine Reflexion des Tages und um die intensive Auseinandersetzung mit Bibeltexten, wie es in dieser Intensität allein und neben dem normalen Alltag kaum möglich ist, sagt die Theologin.

„Glaube braucht unbedingt auch andere Menschen“, stellt Superintendentin Dr. Andrea Burgk-Lempart fest, eine der Teilnehmerinnen. „Für mich war es eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre“, sagt Pastor Hans-Jürgen Strübing mit einigem Nachdruck. Dem stimmt auch der Richter i.R. und Prädikant Wolfgang Godglück zu und erklärt: „Ich kann heute nicht mehr ohne die hier erlernten Rituale, sie gehören für mich inzwischen zum Alltag dazu.“ Das Einüben fester Gebetsformen hilft , eigene Worte für Gottesdienste zu finden und schafft einen Rahmen, der einerseits Kraft gibt, andererseits aber auch den Blick in die Weite führt.

"Menschen auf ihrem geistlichen Weg begleiten"

So zählte beispielsweise eine Schriftbetrachtung in sechs Schritten zu dem, womit sich die Teilnehmer beschäftigten. Sie beginnt mit einer Vorbereitung aufs Lesen, beinhaltet die Imagination dessen, was passiert, also sozusagen eine innere Verfilmung des Textes, und auch die Identifikation mit den handelnden Personen. Was sich für Außenstehende mühsam anhören mag, ist aber eine erprobte Methode die davor bewahrt, Texte zu oberflächlich zu lesen. Darüber schreiben Silke Harms und Klaus Dettke auch in ihrem Buch „Hier bin ich“, das dem Kurs für das von den Teilnehmenden in verschiedenen Gemeinden durchgeführte „Praxisprojekt“ zugrunde liegt. Hier erprobten die Teilnehmenden, andere Menschen auf ihrem geistlichen Weg zu begleiten und mit Übungen zu unterstützen.

Daneben machte jeder auch eigene Entdeckungen, welche Kursinhalte sie oder ihn auf dem persönlichen geistlichen Weg weiterbringt. „Spirituelles Körperlernen als ein Bestandteil der Weiterbildung finde ich wichtig“, sagt Pädagogin Heidrun Schulze, „da Geistliches mit Körperlichem vereint erfahrbar ist.“ Und auch die Schweige-Exerzitien gehörten zum Schönsten dieser intensiven gemeinsamen Zeit, darin sind sich die Vier einig.

Gemeinschaft im Glauben schweißt zusammen

Das Anstrengendste hingegen war am Ende nicht die lange Zeit, die die Weiterbildung dauerte, sondern – so kommt es von allen unisono – „die Kälte in der Klosterkirche im Winter“. Es gab da also auch etwas, was die Gruppe ganz offensichtlich auch über die Übungen hinaus zusammenschweißte, eben diese Gemeinschaft im Glauben, von der Andrea  Burgk-Lempart spricht.

Genau diese Intensität ist es, was den Kurs ausmacht, ist auch Silke Harms überzeugt. Daher wird die Kursgruppe nach einem ersten  Informationstreffen sehr bewusst ausgewählt. Das führte dazu , dass innerhalb der drei Jahre niemand abgesprungen ist, sondern alle überzeugt dabei geblieben sind.

Die drei Jahre habe mir viele wertvolle Anregungen gegeben, über mein (Glaubens-)Leben nachzudenken und haben auch einige Änderungen desselben verursacht. Vielleicht haben sie mich sogar zu einem geistlichen Begleiter gemacht. Zeitweise fand ich es schade, erst so spät im Leben einen solchen Kurs besucht zu haben, komme dann aber zu Erkenntnis: „Besser spät als gar nicht“.

"Geistlich begleiten"

Ab Herbst 2019 soll es eine nächste Weiterbildung „Geistlich begleiten“ im Kloster Bursfelde geben. Interessierte können sich dafür ab sofort in Bursfelde melden. Ein Informations- und Klärungstreffen findet statt vom 1.-2. April 2019.

Zur Internetseite des Klosters Bursfelde