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Freude über motivierte Ehrenamtliche

Nachricht 05. Februar 2018
Der Landespastor für Ehrenamtliche Albert Wieblitz wird am Freitag, 16. Februar in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Jens Schulze / HkD

„Wir brauchen verlässliche Strukturen, in denen es Ehrenamtlichen Freude macht, mitzuarbeiten“, sagt Albert Wieblitz, Landespastor für Ehrenamtliche der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers, der zum 1. März nach 26 Jahren im Haus kirchlicher Dienste (HkD) in den Ruhestand geht. Wieblitz leitet seit 2006 das Arbeitsfeld Ehrenamt und Gemeindeleitung, zuvor war er seit 1992 Leiter der Arbeitsstelle Kindergottesdienst. Die Verabschiedung findet am Freitag, 16. Februar um 15 Uhr in der Neustädter Hofkirche mit anschließendem Empfang im Foyer des Hauses kirchlicher Dienste statt.

„Das Arbeitsfeld Ehrenamt und Gemeindeleitung vernetzt die vielfältigen Fortbildungsangebote für ehrenamtliche Mitarbeit in der Landeskirche, bietet Fortbildungen und Beratung für beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitende an. Darüber hinaus erstellt das Arbeitsfeld geeignete Arbeitshilfen und fördert strategische Entscheidungen der Landeskirche, um die ehrenamtliche Arbeit in Gemeinden und Einrichtungen weiterzuentwickeln.“ So ist es zu lesen im Infoportal der Landeskirche „Kirchliches Leben im Überblick“ im Internet.

„Die Landessynode hat 2001 die Kirchenverfassung dahingehend geändert, dass ehrenamtliche Mitarbeit gleichrangig mit Beruflicher sei“, erinnert sich Wieblitz an die Vorgeschichte der Gründung des Arbeitsfeldes. „Beide dienen dem Aufbau der Gemeinde Jesu Christi auf je eigene Weise.“ Zusammen mit den Referentinnen Perdita Wünsch und Henning Schlüse ging es ihm nun darum, diese neue Haltung gegenüber Ehrenamtlichen in der Landeskirche und den Gemeinden zu verankern. Zu dieser Haltung gehört es, „Ehrenamtlichen zuzutrauen, dass sie etwas bewegen. Sie bringen Lebenserfahrung und Kenntnisse in den verschiedensten Bereichen mit, vor allem aber eine hohe Motivation“, weiß Wieblitz. „Unsere Aufgabe war es nun, Rahmenbedingungen für die ehrenamtliche Arbeit zu entwickeln und zu verstetigen, so dass Ehrenamtliche diese Motivation behalten.“

So entstand ein Freiwilligenmanagement-Verfahren. Zu den einzelnen Instrumenten für eine bessere Ehrenamtskultur gehört es zum Beispiel, dass Ehrenamtliche eine verlässliche Ansprechperson haben sie über die Vorgänge in der Kirchengemeinde zu informieren, und dass sie frei sind, selbst zu gestalten. „Was du brauchst, bekommst du von uns. Diese Haltung ist die wertvollste Form der Wertschätzung“, betont Wieblitz. „Dazu gehört ein Schlüssel zu den Gemeinderäumen ebenso wie die Möglichkeit, Reisekosten ohne ein schlechtes Gewissen abrechnen zu können.“ So können sich Ehrenamtliche in Leitungspositionen inzwischen kostenlos coachen lassen. „Aber so wie man eine Sprache verlernt, wenn man sie nicht regelmäßig spricht, so braucht auch diese ehrenamtsfreundliche Haltung regelmäßige Übung“, beobachtet der Pastor. „Das ist eine Daueraufgabe auch für uns als Arbeitsfeld.“ Als Hilfe dienen hier die zwölf Standards für das Ehrenamt, die zusammen mit der Diakonie entstanden.

 „Mir war es auch wichtig, Ehrenamtliche theologisch sprachfähig zu machen“, so der Pastor. „In meinen Seminaren habe ich auch immer einen Überblick darüber vermittelt, was heute zum Glauben zu sagen ist.“ Durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Bibel und den theologischen Aussagen der Tradition ermöglichte er den Ehrenamtlichen eine eigene Haltung zu Glaubensfragen einnehmen zu können.

Besondere Freude machte Wieblitz die Entwicklung der Ausbildung für Gemeindekuratoren und -kuratorinnen, ein gemeinsames Projekt mit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Ehrenamtliche werden dazu qualifiziert, dass sie für ihre Kirchengemeinde eine Ansprechperson sein können und sich in Absprache mit dem Kirchenvorstand um ein bestimmtes Thema in der Gemeinde kümmern.

In seiner Funktion als Leiter der Arbeitsstelle Kindergottesdienst  setzte sich Wieblitz unter anderem dafür ein, dass Kinder am Abendmahl teilnehmen können. „Theologisch gesehen ist jeder Christ aufgrund der Taufe zum Abendmahl eingeladen, erst die Tradition hat die Teilnahme am Abendmahl mit der Konfirmation verknüpft“, so der Theologe. Die Möglichkeit zur Teilnahme von Kindern bestand in der Landeskirche schon seit 1978, aber erst zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde das Thema stärker ins Bewusstsein der Gemeinden gebracht. Dies geschah unter anderem durch eine Kampagne der Kindergottesdienst-Arbeit. „Wir haben an alle Gemeinden, die das Kinderabendmahl einführen wollten, Kelche und Teller verschickt und so das Thema in den Gemeinden wieder zur Sprache gebracht“, erinnert sich Wieblitz. Er veröffentlichte unter anderem ein Praxis-Heft zum Thema „Abendmahl mit Kindern“, in dem Liturgievorschläge stehen, die zeigen, wie Kinder in das Abendmahl mit einbezogen werden können.

Als Leiter der Arbeitsstelle Kindergottesdienst, damals noch im Amt für Gemeindedienst (AfG) war Wieblitz auch Leiter des Arbeitsbereiches, zu dem neben der Kindergottesdienst-Arbeit noch die Arbeitsstelle für Gottesdienst und Kirchenmusik und das Posaunenwerk gehörten. Alle drei Arbeitsstellen befinden sich inzwischen im Michaeliskloster in Hildesheim. Seit 2009 ist er Leiter des Fachbereichs „Gemeindeentwicklung. Mitarbeitende. Ehrenamt“, von 1999 bis 2013 war er auch stellvertretender Direktor des AfGs und später des HkDs. So hat er die Entwicklung des Hauses auch mitgeprägt.

Vor seiner Zeit im Amt für Gemeindedienst war Wieblitz von 1980 bis 1992 zwölf Jahre Gemeindepastor in Molzen bei Uelzen. „Ich habe es genossen, Gemeindepastor zu sein, es gab eine große Nähe zu den Menschen“, sagt der Vater zweier Kinder. In dieser Zeit organisierte er bereits Kinderkirchentage für den Kirchenkreis. Im Vikariat, das er in Wittingen absolvierte, schrieb er seine Abschlussarbeit über Gottesdienste im Kindergarten. „Das war eine große Aufbruchsstimmung damals“, erinnert sich der Theologe. „Auch im Studium in Göttingen. Wir wollten etwas in der Kirche verändern und ich konnte in meinen ersten Gemeinden viel ausprobieren.“ Doch auch heute noch ist ihm eine kritische Haltung wichtig: „So ein bisschen Luther sollte in jedem von uns schlummern“, sagt er mit einem Schmunzeln. Und fügt ernst hinzu: „Es ist für diese Kirche lebensnotwendig, ihr eigenes Handeln immer wieder in Frage zu stellen.“

Geboren und aufgewachsen ist Wieblitz in Brome bei Gifhorn. Auch während der 26 Jahre im AfG und HkD blieb er in der Heide wohnen. „Ich bin ein Heidjer!“, sagt der 64-Jährige. „Das Dorfleben hat mich geprägt.“ So wird er sich im Ruhestand weiterhin in einem Verein zur Dorfentwicklung engagieren und im Chor singen. Auch als Coach wird er weiterhin tätig sein. Vor allem freut er sich darauf, Zeit für die Familie zu haben: Seit zehn Monaten hat er zwei Enkelkinder.