Eritreisch-orthodoxe Gemeinde feiert Georgsfest

Nachricht 30. April 2018

Ein ungewöhnliches und farbenfrohes Bild an der Auferstehungskirche in Hannover-Döhren: In einer feierlichen Ladeprozession umkreisen zwei Mal bei strahlendem Sonnenschein Priester in prächtigen Gewändern und in weiße Tücher gehüllte Eritreer das lutherische Gotteshaus. Erstmals feierten die 70 Mitglieder der eritreisch-orthodoxen Gemeinde das Georgsfest in ihrer evangelischen Gastkirche am Sonntag, 29. April.

Seit 6 Uhr feiern die afrikanischen Christen zunächst im Weihrauchnebel ihren Gottesdienst gemeinsam mit einem dutzend deutscher Christen der Ortsgemeinde. Dann segnet ein Priester alle Gemeindeglieder persönlich mit der Hand, die Männer auf der rechten Kirchenseite, dann die Frauen auf der linken und mit ihnen ein dutzend Babies, die selbstverständlich an der Feier teilnehmen. Die Prozession um 10 Uhr wird von einem Kreuzträger angeführt, es folgt ein Priester zusammen mit Ortspastor Dr. Michael Wohlers, dann eine unter prächtigem Stoff auf dem Kopf getragene Altartafel mit Ikone gefolgt von einem Priester unter einem Baldachin. Dahinter geht Priester Tadese, der eigens aus Mailand gekommen war, flankiert von zwei Trommlern. Es schließen sich Männer an, die großformatige Bilder, unter anderem von Christus, Märtyrern und dem heiligen Georg tragen. Dann kommen die anderen Männer, von denen viele ein T-förmiges ägyptisch-koptisches Kreuz an langen Stäben tragen und schließlich die Frauen, die bald Lieder anstimmen. 

Nach der Prozession tanzen vier Männer mit ihren koptischen Kreuzen. Priester Tadese spricht in seiner Predigt über die Legende des Drachentöters Georg. Er wünscht den Deutschen Frieden und gutes Wetter und dankt für die ökumenische Gastfreundschaft. „Junge Flüchtlinge brauchen ein religiöses Zuhause; das hilft ihnen, in der neuen Welt nicht unter die Räder zu kommen“ sagt Brsaf Kahsay vom Vorstand der eritreisch-orthodoxen Gemeinde St. Giorgis in Hannover. Diese ist seit kurzem als Verein anerkannt und strebt langfristig ein eigenes Gemeindezentrum in Hannover an, so ihr Priester Yonas Habte Araya. Superintendent Karl-Ludwig Schmidt freut sich in seinem Grußwort, „dass wir in dieser Vielfalt Kirche sein dürfen“. Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Claudia Meier sagt: „Wenn wir miteinander lernen und feiern können, dann können wir alle nur gewinnen“. 

Die Gemeinde feiert alle zwei Wochen in der Auferstehungskirche ihren Gottesdienst. Ortspastor Michael Wohlers ist zugleich als Referent im Haus kirchlicher Dienste für Gemeinden anderer Herkunft und Sprache zuständig und pflegt die Kontakte zu Migrationsgemeinden in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.