Foto: HkD

Dort sein, wo Menschen leben und arbeiten

Nachricht 04. April 2018

Handwerkspastor Dreier geht zurück nach Ostfriesland

„Als Pastor dort zu sein, wo Menschen leben und arbeiten, war mir schon immer wichtig“, sagt Claus Dreier, der zum 30. April seine Tätigkeit als Referent für Kirche und Handwerk im Haus kirchlicher Dienste (HkD) beendet. Der 63-Jährige war seit November 2014 „Handwerkspastor“ und wechselt zum Mai in den Kirchenkreis Aurich. Seine Nachfolge steht noch nicht fest, die Stelle ist neu ausgeschrieben worden.

„Ich war immer fasziniert von Handwerkern und ihrer Arbeit!“, sagt Dreier. „Mir gefällt ihre Einstellung. Statt zu verzweifeln, sehen sie Probleme als Herausforderungen: ‚Irgendwie kriegen wird das hin!‘ Dabei sind sie sehr kreativ.“ Für den Theologen sind Handwerker so etwas wie „Mitschöpfer“ in der großen Schöpfung Gottes. Ihr Auftrag sei es, die Welt zu gestalten und zu erhalten. So sehen dies auch viele Handwerker selbst.

In seiner Zeit als Handwerkspastor hat Dreier viele Betriebsbesuche durchgeführt und auch in Gemeinden und Kirchenkreisen solche Besuche organisiert und begleitet. „Es ist wichtig, dass Kirche auf Handwerker zugeht und Handwerker in ihrem Lebensumfeld kennenlernt“, betont der Pastor. Zusätzlich zu Betriebsbesuchen und Vorträgen auf Kirchenkreiskonferenzen entwickelte er Materialien für Gottesdienste und für Gesprächskreise.

Großes Aufsehen erregte die Aktion „5000 Brote“. Konfirmanden gingen in Bäckereibetriebe und backten unter Anleitung Brote, die gegen eine Spende für „Brot für die Welt“ in Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen verschenkt wurden. Eine ähnliche Stoßrichtung hatte die ökumenische Aktion der „Reformationsbrötchen“ im Reformationsjahr 2017. In diesem Fall beteiligten sich Prominente an der Backaktion, der Erlös ging an „Brot für die Welt“ und Misereor.

Dreier pflegte viele Kontakte zu den Organisationen des Handwerks, den Kammern, Kreishandwerkerschaften und Innungen und Kreishandwerkerschaften. Oft wurde er zu Vorträgen bei Versammlungen und zu Festreden bei Freisprechungen und Meisterfeiern eingeladen. Er war Geschäftsführer des Ökumenischen Landesarbeitskreises Kirche und Handwerk in Niedersachen. Gemeinsam mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) richtete der Landesarbeitskreis zum Beispiel 2017 das Ökumenische Wirtschaftsforum in Osnabrück aus, bei dem es darum ging, wie sich die Digitalisierung in der Wirtschaft auf die Menschen auswirkt.

Dreier war Mitglied im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Handwerk im  Verband „Kirche – Wirtschaft – Arbeitswelt“ der Evangelischen Kirche in Deutschland. Gemeinsam mit der Landesvertretung der Handwerkskammer Niedersachsens gestaltete er jedes Jahr eine Tagung für die Vizepräsidenten der Handwerkskammern von der Arbeitnehmerseite. „In der Vorbereitung gab es immer intensive Gespräche über ethische Themen wie etwa den Wert von Arbeit.“ Ein wichtiges Thema war auch die Flüchtlingsfrage: "Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hinwill" , so lautete das Motto der Jahrestagung in Caputh, im September 2015.

Grundsätzlich beobachtet Dreier eine große Offenheit im Handwerk gegenüber geflüchteten Menschen. „Handwerkern ist es wichtig, dass Menschen gut ausgebildet sind und sie sehen in der Arbeit eine Grundvoraussetzung für Integration“, so der Pastor. So entstand 2015 die „Initiative Lernwerkstatt für Flüchtlinge“ (ILF). Hier geht es darum, Geflüchteten die Möglichkeit zu geben, Grundlagen des Handwerks kennenzulernen. „Das ist eine wichtige Stufe vor der eigentlichen  Berufsorientierung. Die Menschen lernen Arbeitsabläufe und Sicherheitsstandards kennen und sie haben die Möglichkeit die deutsche Sprache anzuwenden“, erläutert Dreier, "und sie haben eine sinnvolle Beschäftigung." Die Lernwerkstatt in Utlandshörn bei Norden besuchte sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in Niedersachsen. Drei weitere Werkstätten in Ostfriesland bestehen bereits oder sind im Aufbau.

Dreier kennt die Arbeitswelt jenseits des Pastorendaseins aus eigener Anschauung. Nach einer Lehre als Industriekaufmann hatte er bereits sechs Jahre gearbeitet, bevor er als 25-Jähriger ein Theologiestudium an der Theologischen Akademie in Celle begann. „Ich hatte zum Beispiel als Vertreter Menschen besucht, um ihnen Versicherungen zu verkaufen. Das war toll – die Menschen erzählten mir ihre Lebensgeschichte und mir gefielen diese Besuche. Nur – Versicherungen habe ich keine verkauft“, erinnert sich der Pastor schmunzelnd. „Als mir auf einem Pfadfinderlager dann jemand sagte, so wie ich von Gott spräche, müsste ich eigentlich Pastor werden, habe ich gekündigt. Mein Chef war nicht wirklich erstaunt. ‚Das passt auch besser zu ihnen!‘ war sein Kommentar.“

Dreier fuhr dann ein Jahr lang Taxi, um sich auf die Eignungsprüfung für das Studium vorzubereiten, und auch im Taxi kam es immer wieder zu intensiven Gesprächen. „Irgendwie sprach sich das rum, dass da ein Taxifahrer war, der Pastor werden wollte. „Es hat mir einfach immer Freude gemacht, mit Leuten über die Dinge zu reden, die ihnen wichtig sind! Sie brauchen die Möglichkeit, vertraulich von Schuld, Krisen, aber auch von Glück zu erzählen.“

Nach dem Studium in Celle war Dreier dann über 20 Jahre lang Pastor in Ostfriesland, die meiste Zeit in Steenfelde, zuletzt in Pogum. Auch in dieser Zeit übte er eine Nebentätigkeit aus und fuhr immer wieder Schul- und Reisebusse und hatte so Kontakt zur Arbeitswelt. Von 2010 bis 2014 arbeitete er unter anderem mit in der damaligen Heimvolkshochschule Potshausen. Seit 2009 hatte er für fünf Jahre eine Beauftragung für Notfallseelsorge im  Sprengel Ostfriesland. Als er 2014 ins HkD wechselte, übernahm er als Nebentätigkeit die Psychosoziale Notfallseelsorge (PSNV) beim Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Er gibt Fortbildungen für den Umgang mit dem Tod und mit Krisensituationen und begleitet die Rettungskräfte auf Einsätzen. Ehrenamtlich ist er Fachberater für Seelsorge bei der Feuerwehr im Landkreis Leer.

Für die letzten drei Jahre seiner Dienstzeit wird er nun wieder in der Gemeinde tätig sein. „Ich werde immer dort eingesetzt, wo ein Pastor gebraucht wird, weil zum Beispiel eine Pfarrstelle vakant ist“, erläutert der fünffache Familienvater seine zukünftigen Einsatzgebiete. „Ich freue mich darauf, wieder zu predigen, zu beerdigen und Menschen seelsorgerlich zu begleiten.“ Vor allem aber werden die Wege nach Holtland, wo seine Familie wohnt, nicht mehr so lang sein. „Vielleicht finde ich sogar wieder die Zeit, um im Posaunenchor zu spielen!“

Die Verabschiedung von Handwerkspastor Claus Dreier wird zusammen mit der Einführung seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin stattfinden. Da das Bewerbungsverfahren erst jetzt beginnt, steht der Termin noch nicht fest.