Nick Cave und das Kino

Nachricht 14. September 2017

Zum sechzigsten Geburtstag des Künstlers Nick Cave veranstaltet das Kommunale Kino Hannover (Koki) eine Filmreihe in enger Zusammenarbeit mit dem Arbeitsfeld Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste (HkD) der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers  mit seinen Arbeitskreisen „Kirche und Film“ sowie „Popmusikkultur und Kirche“. Vom 22. September bis 29. November werden sechs Filme gezeigt – sowohl Dokumentationen als auch Spielfilme –, zu denen es jeweils eine Einführung oder ein Nachgespräch durch Mitglieder des Arbeitskreises „Popmusikkultur und Kirche“ gibt. Zu sehen sind die Filme mit verschiedenen Anfangszeiten im „Kino im Künstlerhaus“ in der Sophienstraße 2.

Am 22. September 2017 wird der Künstler Nick Cave 60 Jahre alt. „Er ist einer der produktivsten und spannendsten Songpoeten in der Generation nach Bob Dylan“, sagt Pastor Dr. Matthias Surall, der als leitender Referent im Arbeitsfeld Kunst und Kultur im HkD die Filmreihe initiiert hat. „Eine Kirche, die sich dem Dialog mit zeitgenössischer Kunst und Kultur öffnet, kann sich der Popmusikkultur nicht verschließen. Denn Popmusik prägt den Lebensalltag und die Biographien vieler Menschen. Und Nick Cave ist ein Popkünstler ersten Ranges, der die großen Fragen, Spannungen und Abgründe des menschlichen Lebensdramas behandelt.“ Nick Cave stammt aus Australien, lebte in den 80er Jahren in Berlin und seit längerem in Südengland. Der Wandel ist das Beständige in seinem Werk, dessen roter oder schwarzer Faden durch die Themen Liebe und Tod, Gott, Glaube und Zweifel geprägt ist. Seit Jahrzehnten schon wirkt Nick Cave auch an zahlreichen Filmproduktionen mit, komponiert Soundtracks, schreibt Drehbücher und hat seine Auftritte als Darsteller.

Am Geburtstag des Künstlers, Freitag, 22. September um 19.30 Uhr beginnt die Werkschau mit dem Film „20.000 Days on Earth“, in dem Nick Cave als Musiker und Nick Cave als Darsteller seiner selbst 24 Stunden lang begleitet wird. „Der Film ist keine herkömmliche Dokumentation, sondern ein rohes und überraschend ehrliches Portrait über Nick Cave, das uns intime Einblicke in seinen künstlerischen Schaffensprozess gibt“, heißt es im Veranstaltungsprogramm. Mit „The Road to God knows where“ steht am 30. Oktober um 20.15 Uhr eine weitere Dokumentation auf dem Plan, diesmal begleitet der Filmemacher Uli M Schueppel die US-Tour von Nick Cave und „The Bad Seeds“ aus dem Jahr 1989. Am Ende der Reihe wird am 29. November um 19.30 Uhr in „One More Time With Feeling“ die Entstehung des Albums „SKELETON TREE“ aus dem Jahr 2015/16 dokumentiert. Mit dem Album verarbeitet Cave den Tod seines 15-jährigen Sohnes, der während der Aufnahmen verstarb.

In dem Film von Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“ von 1986/87, zu dem Cave die Musik schrieb, hat er auch als Künstler einen Cameo-Auftritt. Der Film, in dem Bruno Ganz einen Engel spielt, der freiwillig Mensch wird, da er sich nach Liebe sehnt, wird am 27. September um 19.30 Uhr gezeigt.

Am 4. Oktober um 20.15 Uhr kommt „The Proposition – Tödliches Angebot“ auf die Leinwand, zu dem Cave Musik und Drehbuch beisteuerte. In dem Western im Australischen Outback geht es um Themen wie Schuld und Sühne, Vergebung und Vergeltung. Musik und Drehbuch stammen ebenfalls von Cave in dem Film „Lawless – die Gesetzlosen“. Er spielt zu Zeiten der Prohibition in den 30er Jahren im Hinterland von Virginia. „Das Script von Nick Cave hält unbarmherzig daran fest, dass ‚Gut‘ und ‚Böse‘ hier ganz anders verteilt sind“, so das Veranstaltungsprogramm. Zu sehen ist der Film am 20. November um 19.30 Uhr.

„NICK CAVE – Ein Popkosmos in Songs und Literatur“

Rechtzeitig zum Geburtstag von Cave erscheint auch eine Broschüre des Arbeitsfeldes Kunst und Kultur. Unter dem Titel „NICK CAVE – Ein Popkosmos in Songs und Literatur“ sind zehn Beiträge versammelt, die verschiedene Werkstücke des Künstlers aus drei Jahrzenten seines Schaffens beleuchten und untersuchen. Auf  eine Einführung, die eine kurze Lebensbeschreibung und Einordnung Caves enthält, folgen Beiträge zu acht sehr verschiedenen Songs sowie zu Nick Caves erstem Roman, den er 1989 veröffentlichte.

Manche Songs stellen eine bewusste Auseinandersetzung mit religiösen Themen dar, wie etwa  „We Call Upon The Author“, der in provokanter Art die Frage nach dem gerechten Gott stellt, oder  „God Is In The House“, in dem Cave sarkastisch bestimmte Formen der kleinbürgerlichen Vereinnahmung Gottes beschreibt. Andere Texte enthalten biblische Anspielungen und immer geht es um die großen Fragen des Lebens. Mit den Worten von Surall, der die Broschüre herausgegeben hat: „Gleichzeitig eröffnet sich bei Nick Cave, in der Beschäftigung mit seinem Werk ein wahrer Popkosmos in Songs und Literatur, ein Kosmos voller Liebe und Leid, Glaube und Zweifel, Erotik und Spiritualität, Abgründigkeiten und Gegensätze, Gewalt und Tod, Sehnsucht und Spannungen – kurzum: ein Kosmos des Lebens in seiner Fülle aus Erbärmlichkeit und Pracht."

Die 70-seitige Broschüre kann im Haus kirchlicher Dienste bestellt werden über www.hkd-material.de . Bis zu zwei Hefte werden kostenlos abgegeben, bei größeren Bestellungen wird um eine Spende gebeten.

Broschüre

NICK Cave - Ein Popkosmos in Songs und Literatur

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