Sojaanbau vertreibt indigene Völker

Nachricht 30. November 2017

Argentinien und Paraguay: Zwei Länder, die von Agrarexporten und großflächigem Soja-Anbau geprägt sind. Luciano Wolff, Lars Bedurke und Uwe Becker von Brot für die Welt (BfdW) haben eine zehnköpfige Delegation aus Politik, Kirche und Landwirtschaft in Niedersachsen in diese beiden Länder begleitet und ihnen Einblicke ermöglicht sowohl in die Welt der Sojaproduzenten als auch in die Welt derer, die unter den Folgen dieser Produktion leiden.

Vom 4. bis 14. November war die Gruppe unterwegs und wurde vor Ort durch Projektpartner von BfdW über deren Projekte informiert.

Das erste Projekt, ASOCIANA, unterstützt in der Provinz Salta in Argentinien indigene Gemeinschaften in ihrem Bestreben, sich die Rechte an dem von ihnen bewohnten Land zu sichern. Da die Soja-Anbauer bestrebt sind, ihre Anbaufläche zu erweitern, werden indigene Gemeinschaften, die überwiegend als Jäger und Sammler leben, zum Teil gewaltsam von ihrem Land vertrieben. ASOCIANA hilft den Indigenen vom Volk der Wichi dabei, ihren gesetzlichen Anspruch auf ihr Land zu verteidigen oder überhaupt erst durchzusetzen. Das ist in Argentinien ein langer, mühsamer, aber möglicher Weg.

Die Reisegruppe besucht im Dorf Nueva Esperanza in Paraguay eine Schule vor allem für Indianer-Kinder (letzte Reihe von links): Clemens Groß Macke, Lars Bedurke, Eberhard Prunzel-Ulrich, dann mit hellem Hemd Hans-Joachim Janßen, Jan-Hendrik Schöne, Schulleiter Andres Ramirez, dann Ricarda Rabe, Uwe Becker, Bettina Siegmund, Berndt Tietjen, Maria Große Macke, Jürgen Wilhelm und Luciano Wolff. Foto: Christian Sürie

In Paraguay dagegen regiert das Recht des Stärkeren – und die Indigenen Völker gehören zu den schwächsten im Staat. Auch dort gibt es Konflikte zwischen Soja-Anbauern und Indigenen um das Land. Hier hat die Gruppe eine Art Internatsschule der Sekundarstufe und eine Grundschule für die Kinder der Mbya-Guarani-Indianer besucht. Diese Schulen werden von er Nicht-Regierungsorganisation OGUASU unterstützt, und der dortige Leiter, Andres Ramirez, wird von den landhungrigen Bauern, die dieses Land der Indigenen für ihren Soja-Anbau nutzen möchten, persönlich bedroht.

Die niedersächsische Delegation sieht massive Erosionsschäden. Foto: Bettina Siegmund

In beiden Ländern herrscht Wettbewerb nicht nur um den Boden, sondern auch um Wasser. Die Versorgung der indigenen Gemeinschaften ist schwierig, weil die früher genutzten Wasserquellen durch die Folgen des Sojaanbaus nicht mehr nutzbar sind. Zu viele Pestizide vergiften die Flüsse und das Grundwasser. Um Ackerland zu gewinnen, wird massive Entwaldung betrieben, und die Indigenes, die ihre angestammte Heimat und ihre Lebensgrundlage in den Waldgebieten haben, verlieren alles.

Folge dieser Entwicklung ist eine massive Landflucht. In Buenos Aires konnte die Gruppe in einem Barrio - einer Armensiedlung, einem Slum - mit Flüchtlingen aus den ländlichen Gebieten Paraguays sprechen, die dort versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Besonders eine Initiative von Frauen aus Bolivien, Paraguay und Argentinien, die eine Freizeiteinrichtung für die Kinder dieses Armenviertels mit 500.000 Menschen betreiben, hat die Mitreisenden sehr beeindruckt.

Den Abschluss der Reise bildete zum einen ein Gespräch mit dem für Landwirtschaft zuständigen Attachée der deutschen Botschaft, Dr. Bernd Christiansen, und zum anderen eine Runde mit verschiedenen Gruppen der Evangelischen Kirche von La Plata unter Leitung von Pastor Nikolas Rosenthal, die mit Seelsorgeangeboten für die vom Monokultur-Anbau betroffenen Menschen und mit einem Angebot für agrarökologischen Anbau versucht, den Menschen vor Ort eine Perspektive zu bieten.