"Wie gastfrei könnte die Kirche von Morgen sein?"

Nachricht 18. Mai 2017

Der Leitende Referent von „Kirche im Tourismus“ im Haus kirchlicher Dienste Hannover, Klaus Stemmann, hielt einen Vortrag zum Thema: „… wenn die Tür offen steht – oder: Wie gastfrei könnte Kirche von Morgen sein?“ beim jährlichen Informationsaustausch aus den Bereichen Touristik und Kirche im Tourismus kürzlich im Haus des Gastes in Norddeich. „Kirche und Tourismus sind in unserer Region gleichermaßen gastfreundlich. Darüber freue ich mich sehr, wirkt sich dies doch zugleich nachhaltig für unsere Region aus und bietet für uns als Kirche Möglichkeiten, den Menschen die frohe Botschaft von Gottes Liebe nahe zu bringen“, sagte der Landessuperintendent für den Evangelisch-lutherischen Sprengel Ostfriesland-Ems Dr. Detlef Klahr.

Das Wort „gastfrei“ sei auf jeden Fall im Sinne von „gastfreundlich“ zu verstehen, machte die anschließende Gesprächsrunde deutlich. Einladend und gastfreundlich zu sein, gehöre zur biblischen Botschaft, so Stemmann. In der Bibel werde von der Begegnung von Fremden und den damit verbundenen beglückenden Erkenntnissen erzählt, von der Gastfreundschaft und dem Segen, der sich dabei ereigne, und auch vom Weiterziehen. „Als Kirche haben wir dem Tourismus zu verdanken, dass es bei uns verlässlich geöffnete Kirchen gibt“, sagte Stemmann und würdigte den Tourismus als größten Arbeitgeber in Niedersachsen. Mittlerweile gebe es 20 bis 25 Prozent verlässlich geöffnete Kirchen, das heißt Kirchen, die mindestens an fünf Tagen vier Stunden lang geöffnet sind.

Es seien oftmals Tagestouristen, die auf Radwegen oder als Pilger in die Kirchen gingen, so Stemmann. Kirchen seien für eine Region wichtige touristische Anziehungspunkte, gerade im Jahr des Reformationsjubiläums. Die Kirchengebäude würden dem Bildungsinteresse der Touristen entgegenkommen, bieten einen Erfahrungsraum für Ruhe, Schönheit und Stille, einen Raum für Spiritualität und biographische Anknüpfungspunkte. „Die Gäste finden hier einen besonderen Ort, Ruhe, Stille und Inspiration“, sagte Stemmann.

Der Referent forderte Kreativität, damit Kirche von Morgen eine gastfreundliche Kirche sein könne. Dazu gehöre ein Wachsein, sich auf Veränderungen einzustellen.

Stemmann stellte zudem die Bedeutung von qualifizierten Kirchenführern heraus und wies darauf hin, dass die nächste Kirchenführerausbildung in der Landeskirche Hannovers im Mai/Juni 2018 starte und sich auf acht Wochenenden erstrecke. „Wo gibt es schon solch einen Landstrich mit so vielen alten und schönen Kirchen wie in Ostfriesland!“, lobte der Referent die kirchliche Vielfalt in Ostfriesland.

Marc Klinke vom Tourismus-Service Norden-Norddeich gab einen Einblick in die aktuelle Entwicklung des Tourismus vor Ort. Vom Jahr 2015 auf das Jahr 2016 seien die Gästezahlen in Norden/Norddeich um etwa sechs Prozent gestiegen, die Übernachtungen von 1,76 Millionen auf 1,83 Millionen. Ein Grund dafür könne sicherlich die weltpolitische Lage sein, so Klinke.
In den Jahren 2015 und 2016 sei für Norden/Norddeich ein neues Tourismuskonzept entstanden, zu dem alle Leistungsträger vor Ort beigetragen hätten. Die sechs Schlüsselprojekte gelte es nun umzusetzen: Norden-Norddeich habe bereits ein moderneres Logo bekommen. Der Bereich Marketing stelle sich auf den Familienurlaub, die Auszeit und den Tagestourismus ein. Die Touristinformation verbessere ihr Netzwerk zu den Leistungsträgern durch Beratungsangebote. Außerdem sollen Norden und Norddeich im Tourismus-Bereich stärker miteinander verknüpft werden als bisher. Hierzu erarbeite ein Student der Jade Hochschule Wilhelmshaven unter Begleitung von Professor Dr. Enno Schmoll ein Konzept.
Auch sei eines der sechs Schlüsselprojekte die Umsetzung der „Wasserkante“. Dabei gehe es um die Frage nach der Zukunft des gesamten Strandabschnitts in Norddeich. Die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans solle im Auge behalten werden, so Klinke in seinem Bericht.

Der Kurdirektor aus Carolinensiel-Harlesiel, Kai Koch, freute sich über die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Norddeich-Norden und Carolinensiel-Harlesiel und er betonte, dass Kirche am Urlaubsort den Touristen einen enormen Halt und spirituellen Rückhalt gebe.

Pastorin Antje Wachtmann aus Aurich, Referentin für Kirche im Tourismus im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannovers, hatte dieses Treffen erstmals vorbereitet. Wachtmann wird am Freitag, den 19. Mai 2017, um 11 Uhr in der Lamberti-Kirche in Aurich von Regionalbischof Klahr in einem Gottesdienst in ihren Dienst eingeführt.

Wachtmann machte auf den Nordseelauf vom 17. bis 24. Juni 2017 aufmerksam. Unter dem Motto „Mach nicht halt – lauf gegen Gewalt!“, bietet Kirche im Tourismus an jeder Etappe geistliche Impulse an. Landessuperintendent Dr. Klahr spricht am 22. Juni vor der Siegerehrung auf der Insel Spiekeroog.
Zum 15. Juni lädt der Regionalbischof wieder die Mitarbeitenden auf den Campingplätzen, auf denen „Kirche unterwegs“ vertreten ist, zum „Dank hinterm Deich“ nach Bensersiel ein.
Mit Sorge berichtete Wachtmann, dass in diesem Jahr zu wenig ehrenamtliche Mitarbeiter für „Kirche unterwegs“ gewonnen werden konnten. In diesem Jahr könne auf dem Campingplatz in Harlesiel leider kein Angebot vorgehalten werden.